Faust (2011) - Poster
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Faust

Originaltitel: Faust

Von mit ,
Genre: Drama | Russland ()
Kinostart: (Deutschland)
Verleih: MFA
Freigegeben ab 16 Jahren16- ( Minuten)

Inhalt: Professor Faust seziert eine Leiche und sucht vergeblich nach der Seele im Körper. Der vielseitig Gelehrte ist mittellos, depressiv und von Fragen nach dem Sinn gepeinigt. Ein Pfandleiher, den er aufsucht, interessiert sich für ihn und führt mit ihm in den nächsten Tagen philosophische Gespräche. Faust staunt, dass der hässliche Mann auf Frauen eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt und auch sonst über besondere Eigenschaften zu verfügen scheint. Faust lernt die junge Margarete kennen, die er sehnsüchtig begehrt. Ein Streit in einem Weinkeller zwischen einem jungen Soldaten und dem Pfandleiher endet damit, dass Faust den Soldaten durch ein Missgeschick tötet. Er war der Bruder Margaretes. Faust schließt einen Pakt mit dem Pfandleiher: Wenn der ihm zu einer einzigen Nacht mit Margarete verhilft, soll er dafür seine Seele erhalten.

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Bilder zum Film

Filmkritik

Diese vom russischen Filmemacher Alexander Sokurow geschaffene Version von Goethes „Faust“ erhielt 2011 den Goldenen Löwen des Filmfestivals von Venedig. Sie zeigt einen grüblerischen Titelhelden im Dauergespräch mit Mephisto, der als Pfandleiher auftritt. In ihren Diskussionen werden Bruchstücke aus dem Originaldialog aufgegriffen und assoziativ variiert. Markanter als diese sprachliche Ebene der Auseinandersetzung erscheint Sokurows visuelle Inszenierung. Die Bilder sind voller Botschaften und innerer Unruhe, die Figuren wirken geheimnisvoll und zwiespältig. Der Film wurde zuerst gedreht und dann komplett in deutscher Sprache nachvertont. weiterlesen ▼

Gefühle und Gemütvolles haben in diesem Film kaum Bedeutung. Stattdessen setzt er auf Körperlichkeit, auf Gewusel, Drängen, Drücken, Schubsen, die Figuren rücken sich gegenseitig grotesk auf die Pelle und stoßen sich unwillig voneinander ab. Faust ist depressiv und hat sich einen Schierlingstrank besorgt, um aus dem Leben zu scheiden. Aber der Teufel in Gestalt des Pfandleihers oder Wucherers, wie er in der Besetzungsliste bezeichnet wird, trinkt ihn ihm weg. So treibt der allmählich ergrauende Wissenschaftler ratsuchend durch die Handlung, bis ihn schließlich die Triebe kopflos werden lassen.

Der österreichische Schauspieler Johannes Zeiler stellt Faust als einen Fremden in seiner Umgebung dar, einen Mann ohne Bodenhaftung. Sein mephistophelischer Dauerbegleiter wird von dem russischen Schauspieler Anton Adassinsky dargestellt. Der alte Wucherer hat abstoßende körperliche Anomalien, verfügt aber über eine hartnäckige Energie. Die Frauen, so auch eine wohlhabende Dame, die von Hanna Schygulla gespielt wird, suchen wie hypnotisiert seine Nähe.

Als Kulisse für den Schauplatz, der geschätzte 200 Jahre in der Vergangenheit liegt, dient ein Städtchen mit engen Gassen, hohen Mauern und Fachwerk. Draußen herrscht ein Durcheinander geschäftigen Treibens, Federvieh läuft herum, ein Storch wagt sich unter die Menschen. Die sorgfältigen Bildkompositionen, seien es hohe Torbögen, eine Holzbrücke, Ziegelmauern, die an grauen Fels grenzen, wirken wie Malereien aus vergangenen Jahrhunderten, suggerieren ein deutsches Heimatbewusstsein. Das gilt auch für die Landschaften, an die der kleine Ort grenzt, der Wald, die lieblichen Fluren mit der Windmühle am Horizont.

Traumwandlerisch geraten die Menschen auf Abwege, als sie den schützenden Ort verlassen, um Margaretes Bruder zu beerdigen. Der Rückweg führt sie in den dunklen Tann, schier endlos müssen sie dort einen felsigen Berg hinabsteigen. Sokurow schafft mit kleinen Nebenhandlungen einen chaotischen Gesamteindruck. Es gibt Fantasiegestalten und verzerrte Aufnahmen. Das visuell heraufbeschworene Klima des Verfalls bezieht das Verhalten selbst der Statisten mit ein: Die vielen Menschen benehmen sich ein wenig irre, als würden sie die Lebensbedingungen, die Enge, die Epoche als Zumutung empfinden und mit Verachtung und Abstumpfung antworten. Sie scheinen wenig Macht über ihre Existenz zu besitzen. Interessanterweise versteht Sokurow diesen Film als vierten einer Tetralogie über Machtmenschen, mit den Vorgängern „Moloch“, „Taurus“ und „Die Sonne“.

Die mädchenhafte Margarete erscheint in diesem Szenario besonders unschuldig und rein. Sie wird gespielt von Isolda Dychauk, die man im Herbst 2011 in dem ZDF-Film „Borgia“ in der Rolle der Lucrezia Borgia sehen konnte. Allerdings hat auch diese beichtfreudige Kirchgängerin eine Art zweites Gesicht, das in einen lüstern triumphierenden Ausdruck abgleiten kann, als wäre es die Verkörperung einer männlichen Angstfantasie. So düster wie hier ausgemalt hat vielleicht nicht jeder das Werk von Goethe in Erinnerung. Aber beim Nachschlagen im ersten Teil der Tragödie findet man die Dunkelheit und das lauernde Verderben, welche Sokurow herausstellt.


Fazit: Ein suggestiver Bilderreigen des Verfalls begleitet den trübsinnigen Titelhelden durch seine klassische Tragödie.

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