Michael (2011) - Poster
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Michael

Originaltitel: Michael

Von mit ,
Genre: Drama | Österreich ()
Kinostart: (Deutschland), (USA)
Verleih: Fugu Filmverleih
Freigegeben ab 16 Jahren16- ( Minuten)
Offizielle Webseite:

Inhalt: Der Täter führt das ganz normale Leben eines Versicherungsangestellten. Nur, dass er in seinem Keller einen Zehnjährigen eingesperrt hat. Mit ihm lebt er die Simulation von Alltag, und abends missbraucht er ihn. Der Junge hat sich daran gewöhnt, der Täter manipuliert ihn perfide, spielt ihm Gefühle vor, die nicht da sind. Einmal gehen sie in einen Tierpark, als wären sie Vater und Sohn. Als der Junge krank wird, kann der Täter mit ihm natürlich nicht zum Arzt – für den Fall, dass es schlimmer wird, hebt er im Wald schon mal ein Grab aus… Nachdem ein Auto ihn angefahren hat, liegt der Täter für ein paar Tage in der Klinik, das Opfer sitzt zuhause im Dunkeln. Die Familie, die Kollegen dürfen nichts erfahren; und der Täter, Michael, ist freundlich, unauffällig, unverdächtig. Das Opfer aber, das laut Abspann Wolfgang heißt, durchlebt die Hölle.

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Filmkritik

Wer sich für diesen Film entscheidet, muss sich auf etwas gefasst machen. Und wird einen der besten Filme der letzten Zeit sehen, einen Film, der den Zuschauer herausfordert, ihn mit Unzeigbarem konfrontiert, ihm das Schlimmste vorsetzt; ein heftiges, verstörendes Kinoerlebnis. weiterlesen ▼

Markus Schleinzer zeigt in seinem Regiedebüt ein paar Monate aus dem Leben eines perversen Pädophilen. Das ganz normale Leben: Abends richtet er das Abendessen für zwei, für sich und den kleinen Jungen, der in seinem Keller eingesperrt ist, der Junge will abends noch etwas fernsehen, sie spülen gemeinsam ab, um 9 Uhr geht’s dann ab ins Bett. Alles normal, wäre nicht die Schallisolierung aus Schaumstoff an der Kellertüre. Zum Abschluss des Tages steigt der Täter in den Keller hinab, und danach wäscht er sich am Waschbecken seinen Schwanz...

Michael: Das ist der Täter, der seine Simulation des ganz normalen Lebens führt, Sachbearbeiter in einem Versicherungskonzern, freundlich zu den Nachbarn, mit sauberem Häuschen und im Inneren völlig verdreht. Schleinzer umgeht die Versuchung, ihn als Klischeepädophilen zu zeigen (wie es etwa Peter Jackson in „In meinem Himmel“ getan hat), das ist ja das Schlimme, das Meisterhafte an diesem Film: Michael ist ganz normal, lebt normal, und nein: er ist nicht „auffällig unauffällig“, wie die Floskel in der Medienaufbereitung in derartigen Fällen lautet. Er ist schlicht unauffällig, sprich: unsichtbar für andere, unbeachtet. Er geht mit seinem Opfer in den Streichelzoo und sieht dann aus wie ein Vater bei einem Ausflug mit seinem Sohn.

Und er gerät in Panik, wenn das Kind krank wird. Er kann nicht zum Doktor, natürlich nicht, muss sich mit Wadenwickeln begnügen; und fährt schon mal in den Wald, um ein Grab zu schaufeln, falls die Hausmittelchen nicht reichen. Michael ist voller Kälte, voller Herzlosigkeit; und er kann menschliche Wärme, liebevolle Gesten perfekt simulieren, deshalb kann er sich ja kleine Jungs gefügig machen, kann einen zehnjährigen im Keller einsperren, ohne dass der aufbegehrt.

Doch Schleinzer zeigt nicht nur den Täter, in dessen Handlungen sich seine innere Verfassung ausdrückt. Schleinzer hat auch profunde Einblicke in die Psyche des Opfers, in die Verdrängungsmechanismen, in die Gewöhnung, in die Geisteshaltung, dass seine Situation vielleicht ganz normal ist, weil er nichts anderes kennt. Wolfgang malt und schreibt Briefe an seine Eltern; Wolfgang sieht in Michael eine Art Vater; er lebt im Kinderzimmer, dass er eingesperrt ist, dass Michael abends (und oft willkürlich) den Strom abschaltet, dass er sich von Fünf-Minuten-Terrinen ernährt, ist ganz normal, er kennt es nicht anders, hat sich angepasst.

Schleinzer zeigt, ohne zu werten. Und das macht den Film so hart für den Zuschauer, der weiß von der Schrecklichkeit, der weiß von dem kindlichen Trauma – beides wird von den Akteuren im Film niemals ausgespielt, wird in der Inszenierung niemals thematisiert. Das Wissen des Zuschauers, das außerhalb des Films liegt, wird aber natürlich instrumentalisiert für den größtmöglichen Effekt: wenn Wolfgang krank ist, oder wenn Michael nach einem Unfall im Krankenhaus liegt, wenn seine Familie oder eine Arbeitskollegin mit ihm Kontakt aufnehmen, ohne irgendetwas zu ahnen, und der Zuschauer mit Hoffen und Bangen alleingelassen wird – ganz subtil sind diese Momente, lebensnah und ganz normal, außer, dass eben gar nichts normal ist.

Darin ähnelt Schleinzer Michael Haneke, der dem Zuschauer ebenfalls Schrecklichstes vorsetzt und ihn sich damit auseinandersetzen lässt. Schleinzer hatte für einige Haneke-Filme (u.a. „Das weiße Band“) das Kindercasting gemacht und die jungen Darsteller als Trainer am Set begleitet, dieses Einfühlungsvermögen in kindliche Seelen und in schauspielerisches Gestalten zahlt sich in seiner eigenen Regiearbeit aus: In diesem großartigen, tiefgründigen, herausfordernden Meisterwerk.


Fazit: Einblick in das Leben und den Alltag eines unauffälligen, perversen Pädophilen: Ein harter, schlimmer, verstörender Film, darstellerisch, inszenatorisch, psychologisch meisterhaft.

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Die 64. Filmfestspiele in Cannes sind eröffnet - News

Die 64. Filmfestspiele in Cannes sind eröffnet

  • Filme
  • Sa, 13.10.2012
  • Kommentare

Die 64. Internationalen Filmfestspiele in Cannes haben begonnen. Den Auftakt machte der Eröffnungsfilm "Midnight in Paris" von Woody Allen, der gemeinsam mit den Darstellern Owen Wilson, Adrien Brody, Lea Seydoux, Rachel McAdams und Michael Sheen die romantische Komödie vorgestellt hat…mehr...

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