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    ...auf der Flucht
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    The Bela Lugosi Collection



    Die RC1-Veröffentlichung ist zwar schon ein alter Hut (von 2005) für Freunde alter Gruselklassiker aber immer noch eine heiße Empfehlung.

    Murders in the Rue Morgue (USA 1932), 61 min., 8/10
    Die Vorlage von Edgar Allan Poe wurde – wie fast immer – bis zur Unkenntlichkeit abgewandelt.
    Dr. Mirakle ist Mitglied einer herumreisenden Schaustellertruppe, wo er einen Gorilla dem staunenden Publikum präsentiert und einen kleinen Exkurs über die Evolutionstheorie hält.
    Seine wirklichen Ambitionen liegen aber nicht in der Schaustellerei, sondern in Darwins Arbeiten bzw. dessen Perversion, denn Dr. Mirakle will das Bindeglied zwischen Affe und Mensch künstlich herbeiführen, indem er entführten Frauen Gorillablut injiziert.
    Herausragend an dem Film ist die expressionistische Gruselstimmung, die von den Bauten, Beleuchtung und Kamera wunderbar transportiert wird. Das Paris des 19. Jahrhunderts ist zwar deutlich sichtbar Studiokulisse, was aber den Reiz nur noch steigert. Kameramann Karl Freund war einer der ganz Großen seines Fachs. Neben Dracula (1931) war er auch für die Kamera in Stummfilmklassikern wie Metropolis und Der letzte Mann verantwortlich.
    Lugosi sieht mit seinen angeklebten, zusammengewachsenen Augenbrauen skurril, fast schon ein wenig lächerlich aus.
    Kleine Minuspunkte sind die witzigen Szenen, die damals Standard waren, um dem Publikum Gelegenheit zugeben, nach den nervenaufreibenden Sequenzen zu entspannen. Diese wirken störend, sind aber nicht zu dominant.
    Dr. Mirakle lässt Züge eines Mad Scientists und Serienkillers erkennen. Als der Gorilla mit einer jungen Frau über die Dächer flieht, werden Erinnerungen an King Kong wach, der im Jahr darauf Premiere feierte.




    The Black Cat (USA 1934), 66 min., 8/10
    Der Kultstatus des Films ist absolut nachvollziehbar: der erste gemeinsame Auftritt von Lugosi und Karloff; das „Schloss“ ist diesmal ein Bauwerk, das der Neuen Sachlichkeit verpflichtet ist und auf einem Massengrab errichtet wurde; sehr stilisierte, effektive Fotografie; Teufelsanbetung, Folter und zwei Todfeinde (Karloff und Lugosi), von denen einer dieTochter des Rivalen heiratet.
    Den Film durchzieht die Präsenz von Verderbnis, Dekadenz und Verzweiflung.
    In die Gestaltung des Hauses, Kulissen und Ausstattung ist für eine Billigproduktion ungewöhnlich viel Sorgfalt geflossen.
    Die avangardistisch-funktionelle Kleidung Poelzigs (Karloff) würde auch gut in einen SF-Film passen. Die moderne, kühle Funktionalität steht aber im krassen Gegensatz zu dem gotischen Wahnsinn, der sich in den verliesartigen Katakomben des Hauses abspielt.




    The Raven (USA 1935), 61 min., 8,5/10
    Dr. Vollin (Bela Lugosi), Poe-Fachmann und Star-Chirurg im Ruhestand, muss sich lange bitten lassen, bis er sich bereit erklärt eine junge Frau mit einer komplizierten Nackenverletzung zu operieren. Der charismatische und sehr belesene, aber auch düstere und eigenwillige Dr. Vollin verliebt sich in seine Patientin. Einer Verbindung stehen allerdings ihr Vater und ihr Verlobter entgegen.
    Als der entflohene Schwerverbrecher und Mörder Edmond Bateman (Boris Karloff) Dr. Vollin mit der Forderung nach einer Gesichtsoperation aufsucht, benutzt Dr. Vollin den verzweifelten Bateman als Werkzeug, um sich an dem Vater und dem jungen Paar zu rächen.
    Sein geheimer Keller mit Nachbildungenvon Folterwerkzeugen aus Poes Erzählungen kommt ihm da ganz recht.
    Eine Paraderolle für Lugosi, der den kultivierten Unmensch Dr. Vollin perfekt verkörpert. Obwohl er die einzige durch und durch böse Person ist in diesem Film, ist derZuschauer fasziniert und auf seiner Seite.
    Auf witzige Einlagen hat man zum Glückfast völlig verzichtet. The Raven ist flott inszeniert und transportiert seine düsteren Ideen sowohl mittels Versatzstückenaus dem Poe-Universum als auch mittels einer aristokratischen Hauptfigur, die deutliche Züge von Dracula zeigt. Eine sehr gelungene Verbindung.




    The Invisible Ray (USA 1936), 79 min., 7,5/10
    Dr. Janos Rukh (Boris Karloff) ist ein verkanntes Genie und arbeitet als Eigenbrötler außerhalb des Wissenschaftsbetriebs. Seinen Durchbruch hat er mit einer Art Teleskop, dass in die Vergangenheit sehen kann, indem es Partikel einfängt, die schon ewig und drei Tage durch den Weltenraum reisen. Damit beobachtet er im Beisein geladener Gäste, wie vor Jahrmillionen ein großer Meteorit in den afrikanischen Kontinent einschlug.
    Trotz der Warnung seiner alten, blinden Mutter (sinngemäß: Gesellschaft ist nichts für dich, die Experimente sind deine Freunde), begibt sich Rukh mit anderen Wissenschaftlern auf Afrikaexpedition.
    Er lokalisiert den Meteoritenkrater und macht dort seine nächste große Entdeckung: Radium X, eine Strahlung mit ungeheurer Zerstörungskraft (bringt riesige Felsen zum Schmelzen) sowie Heilkraft (nach einer Behandlung kann seine Mutter wieder sehen). Statt dem großen Glück, ist Rukh bald aber dem Wahnsinn nahe: er hat eine tödliche Dosis Strahlung abbekommen, seine Frau brennt mit einem jüngeren durch und er fühlt sich um seine Entdeckungen betrogen. Rukh beginnt einen Rachefeldzug gegendie ehemaligen Expeditionsteilnehmer.
    Ein Film, wie ein Überraschungs-Ei: Grusel, Science-Fiction und Abenteuer – alles in einem.
    Funktioniert aber gut und bietet nette Spezialeffekte (eine kleine Weltraumtour, der im Dunkeln leuchtende Rukh und diverse Strahlereien und Steinzerschmelzereien).




    Black Friday (USA 1940), 70 min., 5,5/10
    Prof. George Kingsley wird unschuldiges Opfer einer Auseinandersetzung zwischen Gangstern. Der Boss der Bande, Red Cannon, wird ebenfalls schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert.
    Der Chrirurg Dr. Ernest Kovac (Boris Karloff) entschließt sich, um das Leben seines besten Freundes Prof. Kingsley zu retten, zu einer verbotenen Hirntransplantation: das Hirn des ruppigen Gangsters Red Cannon weilt nun ihm Körper des freundlichen und beliebten Englischprofessors.
    Im Verlauf des Films wechselt seine Persönlichkeit zwischen der von Kingsley und Cannon hin und her und es ist die Rede von „part of Cannons Brain took over“. Hat er nur einen Teil transplantiert oder was geht ab? Die beiden Persönlichkeiten werden zwar vom gleichen Schauspieler gespielt, nach der „Verwandlung“ sieht er aber auch anders aus, ca. 10 Jahre jünger, mit schwarzen Haaren und Augenbrauen, statt mit grauen. Was hat man sich dabei gedacht?
    Lugosi spielt den Gangsterrivalen Cannons und das passt mal überhaupt nicht. Es ist auch der einzige gemeinsame Film der Horrorikonen Karloff und Lugosi in dem sie nicht in einer Szene zusammen zu sehen sind.
    Neben einer toll fotografierten Nachtszene, kann der Film weder mit Horror noch mit großartiger Spannung glänzen.




    Packt man das Set aus, schaut man mitgroßen Augen auf eine (!) DVD, die alle fünf Filme enthält.
    Es handelt sich um eine DVD-18-Flipper-Disc mit der doppelten Kapazität der üblichen DVD-9.
    Je Film, die meist kaum länger als eine Stunde laufen, steht also genug Speicherplatz zu Verfügung.
    Bild- und Tonqualität sind zwar nicht sehr gut (was vor allem dem Alter der Filme geschuldet ist), aber doch mindestens befriedigend.
    Für alle Titel liegen optionale englische Untertitel vor.
    Für Fans alter Gruselschinken und/oder von Lugosi und/oder Karloff, muss man nicht lange überlegen: kaufen.

    Die deutsche VÖ „Die Boris Karloff & Bela Lugosi Edition“ ist inhaltlich fast mit der besprochenen US-Veröffentlichung identisch, nur ist dort statt Murders in the Rue Morgue (dort spielt Karloff nicht mit) der Titel Tower of London (hier spielt allerdings Lugosi nicht mit) enthalten.
    Geändert von Roy Morgan (18.08.12 um 10:27:08 Uhr)

  2. WERBUNG


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