Background - Informationen | DVD-Format der Zukunft: Der Kampf Blu-ray vs. HD-DVD
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Formatkämpfe
Wer erinnert sich noch an Video 2000? Oder Betamax? VHS hingegen ist den meisten (noch) ein Begriff: Während Video
2000-Kassetten oder -Recorder bestenfalls als museale Sammelstücke im Keller modern und Betamax heute nur noch für
Profi-Anwendungen im Medienbereich verwendet wird, hat sich VHS vor zwanzig Jahren als der Videostandart durchgesetzt.
Am gleichen Scheideweg steht die Welt wieder. Diesmal geht es um die Nachfolge der DVD.
Eine gewöhnliche DVD (einseitig und zweischichtig) bietet mit ihren 8,3 GByte längst nicht mehr genug Speicherplatz. Sei es, weil
- was Filme betrifft - die Unmengen an Bonusmaterial mittlerweile vorausgesetzt werden oder aber vermittels HDTV ein Mehr an
Daten für bessere Bildqualität sorgen soll.
Herkömmliche DVDs werden mit einem roten Laserstrahl (635 nm Wellenlänge) beschrieben. Eine größere Datendichte auf der Oberfläche
soll künftig ein blauvioletter bzw. blauer Laser ermöglichen. Seine Wellenlänge von 405 nm erlaubt es, die Informationen
dichter zu packen.
Während nun allgemeine Einigkeit darüber besteht, die Kapazität der Speichermedien voranzutreiben, stehen sich hinsichtlich des
Standards zwei Lager gegenüber. Das hat freilich weniger mit Ideologie zu tun als mit handfesten wirtschaftlichen Interessen.
Denn wie schon bei der DVD winken Lizenzgebühren, die z.B. Gerätehersteller an die patenthaltenden Firmen abführen müssen.
Auf der einen Seite ist da die Blu-ray Disk (BD), die von Sony, Matsushita und Partnern im Verbund (der Blur-ray Association - BDA)
durchgesetzt werden soll. TDK ebenso wie Philips setzen auf dieses Format, mit dem als Single-Layer-Scheibe bis 27 GByte, als
Double-Layer-Ausgabe sogar bis zu 54 GByte Daten Platz finden. Die Trägerschicht beträgt nur 0,1 mm.
Dem gegenüber steht die starke Allianz rund um die HD-DVD (vormals AOD - Advanced Optical Disc). Diese kann zwar nur 15 GByte
(Single-Layer) bzw. 30 GByte (Dual-Layer) Speicherplatz bieten, wird aber von einer starken Allianz rund um Toshiba favorisiert.
Nicht nur Hitachi, NEC, Hitachi und Mitsubishi unterstützen die HD-DVD. Dieses Format wird nun, nach zähem Ringen auch vom
Schweizer DVD-Forum mitgetragen, dem über 200 Firmen angehören.
Diese Situation ähnelt den Kämpfen um die Video- und DVD-Normen. Betamax galt gegenüber VHS als vorteilhafter - doch Sony konnte sich
damit trotzdem nicht gegen JVC und den VHS-Standart durchsetzen. Und erneut kann Sony trotz Vorzügen ins Hintertreffen geraten,
während Toshiba wie bereits bei der DVD das Rennen macht.
Denn zweifellos bietet HD einige Vorteile. So müssen für die Produktion von beschreibbaren HD-Disks (HD DVD-R) die Produktionsstraßen
der normalen DVD-Herstellung nur in geringem Maße modifiziert werden. Entsprechend schnell, schon im Frühjahr 2006, soll die
Massenfertigung anlaufen. An einem zweilagigen Rohling wird derweil noch gearbeitet. Doch die Planung Toshibas geht noch weiter.
Im Gespräch sind bereits Scheiben mit drei Schichten, die 45 GByte fassen, sowie ein Hybridmedium das zwei verschiedene Seiten a
ufweist: auf der einen als konventionelle Dual-Layer DVD (8,5 GByte), auf der anderen als Dual-Layer HD (30 GByte). Die herkömmliche
Verarbeitung soll hier wie da gesichert werden, indem man bei zwei verklebten 0,6 mm-Scheiben bleibt.
Die Entscheidung zwischen BD oder HD fällt jedoch nicht nur zwischen den Technologiekonzernen allein. Auch die Hollywood-Studios
haben Einfluss auf die Entscheidung, welches System sich durchsetzt. Ihre Filme sind es schließlich, die auf den Medien verkauft
werden. Was die Positionierung betrifft, sind die Lager relativ gleichmäßig verteilt: Neben Warner stehen auch Paramount, Universal
und New Line auf Seite der HD-DVD.
Der Blu-ray-Standard wird dagegen von der Columbia Tristar, einem Tochterunternehmen von Sony, unterstützt, außerdem von 20th
Century Fox und Disneys Buena Vista Home. Einen großen Punktgewinn kann Sony im Übrigen durch den Kauf von MGM Ende 2004 verbuchen.
Der damit erworbene Filmstock von 9.000 Titeln, darunter die verkaufsträchtige James Bond-Reihe, stellt ein veritables Druckmittel
für die Durchsetzung des BD-Formats dar.
Für das Weihnachtsgeschäft 2005 stehen beide Seiten jedenfalls in den Startlöchern. Der Dumme wird dabei letztlich wohl wieder der
Kunde sein. Wer auf das falsche Pferd setzt, kann vielleicht seinen Player oder Recorder dann irgendwann neben dem V 2000-Videogerät
im Keller einmotten. Oder vielleicht doch nicht?
Der Filmindustrie dürfte der Formatkrieg zumindest nicht egal sein. Die Unvereinbarkeit zwingt den Konsumenten zu einer Entscheidung -
und die kann nun mal auch zu Gunsten der Konkurrenz ausfallen. Insbesondere, da das Geschäft mit dem Home Entertainment längst die
Gewinne der Kino-Einspielergebnisse übersteigt, sind Verluste in dem Sektor schmerzhaft.
Ob der Endverbraucher überhaupt bereit ist, sich zwischen HD und BD zu entscheiden, ist zudem fraglich. So sind auch bei den jetzigen
DVD-Laufwerken und -brennern Dual-Format-Geräte mittlerweile Standart, die sowohl DVD-Plus- als auch DVD-Minus-Formate "vertragen" . Der
Kunde jedenfalls wird wohl nicht einzusehen, weshalb die Schlacht auf seine Kosten - wie weiland beim Kampf ums Videonorm-Monopol -
ausgetragen wird.
Die Konzerne haben dies scheinbar eingesehen. Zwar scheiterte der Versuch einer Vereinigung beider Formate im Mai 2005. Doch dank Wechsel im
Toshiba- wie auch Sony-Management, sowie Druck durch die Aktionäre kann das schon bald anders aussehen.