| Samstag | 26. Mai 2012 | 21:10 Uhr | |
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Die Entscheidung von Warner, das HD DVD-Format aufzugeben und künftig nur noch Blu-ray zu unterstützen (Cinefacts berichtete) löste erwartungsgemäß eine riesige Welle an Kommentaren und Gerüchten aus. Dabei geht es insbesondere um die Zukunft der HD DVD, die das Duell mit dem blauen Rivalen nun endgültig verloren haben dürfte und um die verbleibenden beiden HD DVD-Studios Paramount und Universal.
Kaum jemand wird wohl abstreiten, dass der Kampf zweier nahezu gleichwertiger Medien dem HD-Markt im Gesamt nur geschadet hat. Um überhaupt aussichtsreiche Chancen für eine breite Zustimmung zu finden, war und ist es daher unerlässlich, das sich eines der Formate so schnell es geht als das Zukunftsmedium herauskristallisiert. Sofern es auf einem Format nur einen Teil der Filme zu kaufen gibt sind die Mehrzahl der Kunden skeptisch - mit der Folge, dass beide Formate ein Nischendasein fristen.
Wie so oft bei solchen Duellen sind die Meinungen oftmals sehr festgefahren und viele unterstützen "ihr" Format mit teils übertriebenen Hass-Statements gegenüber dem Konkurrenten. HD DVD-Fans wittern daher in der Entscheidung natürlich ein Komplott gegen ihr Format. Doch egal wie man es dreht und wendet: Blu-ray hat sich im vergangenen Jahr als klarer Favorit herausgestellt. Mit konstanten Verkaufszahlen von 2:1 in den USA bzw. sogar teils 9:1 in Japan haben die Blauen die Roten klar hinter sich gelassen. Um im wichtigen Monat Dezember wurden mehr Standalone Blu-ray-Player als HD DVD-Player verkauft - und das trotz hörerer Preise. Von der Vielzahl an verkauften PS3-Konsolen und den gleichzeitig mageren Verkäufen des HD DVD-Add On-Laufwerks für die X-Box 360 ganz zu schweigen.
Wenn man nun noch die Liste der Studios anschaut, die hinter den jeweiligen Formaten stehen, war es eigentlich jedem, der nicht gerade eine tiefrote HD DVD-Brille aufhat, klar, dass der Sieg von Blu-ray nicht aufzuhalten war. Die einzige Frage war im Grunde nur noch, wie schnell sich das Format endgültig etablierte. Und wie vorhin erwähnt - je schneller, desto besser für den Gesamtmarkt.
Warners Entscheidung hat nun sicherlich zum schnelleren Sieg von Blu-ray beigetragen. Denn Warner zählt zu den größten Filmstudios mit riesigem Erfolg in den letzten Jahren und der Verlust der Warner-Titel ist für HD DVD ein herber Rückschlag. Das Übergewicht, dass das Blu-ray-Camp hatte, hat sich dadurch nochmals deutlich vergrößert - zumal auch New Line dem Beispiel Warners folgte.
Es ist nun zu erwarten, dass sich die Zahl der verkauften Blu-ray-Player im Verhältnis zu den HD DVD-Geräten noch deutlich erhöhen wird. Dies bedeutet für die verbleibenden HD DVD-Studios nun natürlich das große Problem, dass ihre Filme derzeit nur in den - vermutlich - kaum genutztem HD-Format erscheinen und bei ihnen somit ein Großteil der möglichen Einnahmen aus HD-Medien-Verkäufen ausbleiben. Daher rechnen nicht wenige Branchenkenner damit, dass sowohl Paramount als auch Universal schon sehr bald auf den Blu-ray-Zug aufspringen werden - und dies eventuell sogar noch in dieser Woche bekannt geben.
Paramount gab ja erst im August 2007, damals sehr überraschend, ihre HD DVD-Exklusivität bekannt. Zuvor hatte man sowohl die HD DVD als auch Blu-ray unterstützt. Der Exklusiv-Vertrag sollte dabei eine Laufzeit von 18 Monaten haben. Demnach wäre man derzeit daran gebunden. Wie die Financial Times berichtet, soll man aus diesem Vertrag jedoch eine Ausstiegsklausel besitzen, die die Auflösung des Vertrages erlaubt, falls Warner die HD DVD aufgibt. Dies wurde bislang von Paramount nicht bestätigt - sollte dies stimmen, wäre aber der Weg zur Blu-ray wieder frei. Daher überschlagen sich derzeit bereits Vermutungen, dass Paramount schon sehr bald ihre Rückkehr zur Blu-ray bekannt gibt und das HD DVD-Format möglicherweise sogar aufgibt. Ob auch Dreamworks, die zusammen mit Paramount zum HD DVD-Camp wechselten, eine solche Klausel besitzt ist derzeit nicht bekannt, erscheint jedoch logisch. In einem Artikel des Wall Street Journal sagte ein Paramount-Sprecher zwar, dass man weiterhin auf die HD DVD setzen will - aber ob diese Aussage wirklich noch lange hält sei einmal dahin gestellt. Denn auch die letztjährige Abkehr von Blu-ray kam ohne vorherige "Vorwarnung".
Im gleichen Artikel zeigte sich Universal weniger HD DVD-freundlich und gab zu einer Frage ihrer HD-Pläne keinen Kommentar ab - die bedinungslose Unterstützung eines Formats sieht sicherlich anders aus. Und sollte Paramount tatsächlich auch zu Blu-ray wechseln, wäre man der einzige Hollywood-Major ohne Blu-ray-Support. Und damit würde man ein riesiges Stück vom Kuchen der HD-Medien verpassen - das kann sich vermutlich kein Studio erlauben ...
HD DVD hat verloren - so schade das auch für alle Fans des Mediums ist: Es ist Zeit, sich dies einzugestehen. Je länger noch zwanghaft versucht wird, das Format am Leben zu erhalten, umso unwahrscheinlicher wird es, dass sich Blu-ray als Massenmedium etablieren kann. Und wer hat schon etwas davon, wenn sich keins der Medien durchsetzt? Zumindest sollte es jeden Film auf einem Format geben - für die HD DVD ist dies unmöglich geworden - es liegt nun an Paramount und Universal, dies in die Tat umzusetzen. Denkbar wäre ein gleichzeitiger Support von Blu-ray und HD DVD von Universal, um HD DVD-Käufern immerhin noch ein paar neue Titel bieten zu können, ohne dass das Siegerformat darauf verzichten muss und am Massenerfolg gehindert wird.
Wir werden natürlich weiterhin über alle neuen Entwicklungen berichten. Konkrete Fakten zur aktuellen Lage der Medien sowie Änderungen durch Warners Entscheidung haben wir separat zusammengestellt.
| Verfasst am 08.01.2008 um 17:01:00 Uhr von Carsten Tudisch | ![]() |
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