| Samstag | 26. Mai 2012 | 16:29 Uhr | |
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| Patti Smith live bei der Pressekonferenz |
Berlinale-Chef Dieter Kosslick hatte es angekündigt – einige Filme im Wettbewerb würden sich mit Gewalt an Kindern auseinandersetzen. Der erste Film, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt ist "Julia" von Regisseur Erick Zonca.
Julia (Tilda Swinton) schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch und lässt keine Party aus. Der neunjährige Tom verändert ihr von Wodka und One-night-stands geprägtes Leben. Julia-Darstellerin Swinton sagte in der Pressekonferenz, dass sie sich gar nicht besonders auf die Rolle vorbereiten musste: "Ich war auf Parties immer diejenige, die die Musik ausgedreht hat, wenn die Polizei kam und alle nach Hause gefahren hat." So habe sie einige Erfahrung sammeln können. Sie selbst könne Alkohol nicht gut vertragen und würde immer gleich einschlafen. "Diese Art der Vorbereitung brauchte ich gar nicht erst zu versuchen.", lacht sie.
Der heute elfjährige Aidan Gould habe am Set gezeigt, dass er viel mehr als ein Kind ist. Tatsächlich ist Gould ein ganz aufgewecktes Kerlchen, dem es nicht an Selbstbewusstsein fehlt. Er habe den Film gemacht, weil er das Geld fürs College sparen wollte, erklärt er: "Mir hat es gefallen und die Leute sagen, dass ich das gut mache. Jetzt möchte ich Schauspieler bleiben."
In "Gardens of the night" wurde es dann ganz heftig. Der finstere Frank (Kevin Zegers) und der freundliche Alex (Tom Arnold) entführen die achtjährige Leslie (Ryan Simpkins)und gaukeln ihr vor, dass ihre Eltern sie nicht mehr haben wollen. Damit nicht genug, sie vermieten sie und ihren Leidensgenossen, den gleichaltrigen Donnie (Jermaine Scooter Smith), an Pädophile. Als sechzehnjährige haben sie sich zwar von ihren Entführern befreit, aber nicht von ihren Dämonen und fristen ein Leben zwischen Prostitution und Drogen. Als Leslie die Möglichkeit bekommt, zu ihren Eltern zurück zu kehren, findet sie sich dort nicht mehr zurecht und macht sich auf die Suche nach Donnie.
Die Finanzierung für ein so hartes Thema, wie Missbrauch von Kindern, ist in Hollywood kaum zu finden. Darum hat es 17 Jahre gedauert, bis Regisseur Damien Harris den Film realisieren konnte. Der Film geht an die Nieren und während der ersten halben Stunde leerten sich einige Kinositze. Harris spielt virtuos mit den Bildern, die im Kopf des Zuschauers entstehen – er deutet nur an. "Wie in einem Horrorfilm", sagte der Darsteller des Alex, Tom Arnold. Bei den Dreharbeiten habe man sehr eng mit Simpkins Mutter zusammen gearbeitet und den Kindern die wahre Geschichte vorenthalten.
Mit Tom Arnold hat er einen Darsteller gefunden, der sich genau in das Thema einfühlen konnte, denn in der Pressekonferenz berichtet Arnold, dass er selbst als Kind von seinem Nachbarn missbraucht worden ist. Als Erwachsener habe er seinen Peiniger aufgesucht und zur Rede gestellt. Der Mann war mittlerweile verheiratet und hatte mehrere Adoptivsöhne. Arnold ließ sich nicht davon abbringen, die Nachbarn mit Flugblättern zu informieren. "Ich dachte damals, das ist etwas, was Jungen untereinander machen und wenn man seine Sache gut gemacht hatte, gab es Süßigkeiten." Er sei zwar jetzt seit 18 Jahren drogenfrei, vermute aber, dass die Ursache für seine Probleme in der Kindheit liege. Viele hätten ihm abgeraten, die Rolle anzunehmen, er habe sich nach zähem Ringen dazu entschlossen.
Die Darstellerin der sechzehnjährigen Leslie, Gillian Jacob, wurde erst in letzter Minute gecastet und war sehr glücklich über die Chance, eine Hauptrolle zu bekommen, von der sie nicht wusste, ob sie ihr gewachsen wäre: "Ich fühle mich, wie eine heimliche Charakterdarstellerin." Außerdem hatte sie eine Schlüsselszene zusammen mit John Malkovich, der in einer Nebenrolle als Sozialarbeiter mitspielt.
Warum sollte man sich einen Film mit einem so düsteren Thema ansehen? Ganz einfach, weil er gut ist.
Aber nicht alles an diesem Tag Drei war deprimierend. Rockikone und Aktivistin Patti Smith stellte mit "Dream of life" eine weitere Musikdoku auf dieser musikalischen Berlinale vor. Steven Sebring ist eigentlich Fotograf und begleitete Smith über elf Jahre mit der Filmkamera. Bekannt gemacht hat die beiden der R.E.M.-Sänger Michael Stipe.
Smith sagte, sie selbst sehe sich nicht als Punk-Musikerin, auch wenn faule Musikjournalisten ihr dieses Etikett aufgeklebt hätten. Sie sehe sich eher als Independent-Künstlerin und höre zu Hause alle möglichen Arten von Musik – mit Vorliebe auch Wagner-Opern, wie Tristan und Parzival. "Musik ist eine universelle Art der Kommunikation." Die Frau hat viel Power, ist immer zu einem Scherz aufgelegt und liebt es, Bob Dylans schleifenden Slang zu imitieren. Am Ende ihrer Pressekonferenz griff sie denn auch flugs zur Gitarre und sang "My bleaken year ".
"Dream of life" wurde fürs Fernsehen produziert und läuft am Dienstag, den 25. März, um 23 Uhr auf arte.
| Verfasst am 10.02.2008 um 11:00:00 Uhr von Future Image | ![]() |
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Gardens of the Night OT: Gardens of the Night Drama | Großbritannien / USA | 2007 |
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Julia OT: Julia Thriller, Drama | Frankreich | 2007 |
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