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  • Die Berlinale Jury um Costa-Gavras beim Besuch des Berlinale-Abschlussfilms
    Die Berlinale Jury um Costa-Gavras beim Besuch des Berlinale-Abschlussfilms "Be kind rewind"

    Das war es jetzt also – mit dem sonntäglichen Zuschauertag geht die Berlinale zu Ende. Insgesamt wurden innerhalb von 10 Tagen 230.000 Kinokarten verkauft – ein neuer Zuschauerrekord.

    Bei der Bärenverleihung gingen deutsche Filme dieses Jahr leer aus. "Feuerherz" und '"Kirschblüten" konnten die Jury unter dem Vorsitz von Constantin Costas-Gavras nicht überzeugen. Dem Goldenen Bären für den besten Film bekam der brasilianische Dokumentarfilmer José Padilha für seinen ersten Spielfilm "Tropa de elite". Er habe mit seinem wegen der Gewaltdarstellung umstrittenen Film zeigen wollen, wie der Staat und das System Straßenkinder regelrecht zu Kriminellen mache und die Polizei korrumpiere. "Ich bin sehr froh, dass die Jury diesen Film verstanden hat."

    Gewalt war ebenfalls das Thema des Dokumentarfilms "Standard Operating Procedure" von Errol Morris. Der Amerikaner nimmt für sein Doku-Drama über die Entstehung der Fotos im irakischen Gefangenenlager Abu Ghraib den großen Preis der Jury mit nach Hause. Er freue sich, dass durch diesen Preis sein Film einen größeren Publikum zugänglich wird. "Es gefällt mir, dass mein Film die Leute zum Nachdenken bringt. Das bedeutet, dass ich mein Ziel erreicht habe."

    Mit den größten Vorschusslorbeeren, acht Oscarnominierungen und begeisterten Kritiken, war "There will be blood" von Paul Thomas Anderson ins Rennen um den Goldenen Bären gestartet. Mitnehmen konnte er am Ende zwei silberne Bären für die beste Regie und die beste Musik. Er dankte besonders Festivalleiter Dieter Kosslick: "Er organisiert dieses riesige, internationale Festival, als ob es in seinem Wohnzimmer stattfindet. Keine Ahnung, wie er das macht!" Den zweiten Bären muss er allerdings beim Radiohead Gitarristen Jonny Greenwood abgeben. Dem hat Anderson schon per SMS über den Gewinn informiert: "Ich habe ihm geschrieben, dass ich seinen Preis auch behalte, der kriegt ihn nicht, keine Chance." Mal sehen ob die Bären nächsten Sonntag noch einen kleinen goldenen Kameraden namens Oscar zur Gesellschaft dazu bekommen.

    Als bester Darsteller wurde Reza Najie für den iranischen Film "Avaze Gonjesk-ha" ("The song of sparrows") ausgezeichnet. Der Preis habe eine besondere Bedeutung sagte der Schauspieler. "Ich habe mein Land der ganzen Welt vorgestellt und auch gezeigt, dass ich Moslem bin.", sagte er im Anschluss an die Verleihung.

    Einen fröhlichen Kontrapunkt im ernsten Wettbewerbsprogramm setzte Mike Leigh mit "Happy-go-lucky". Seine Hauptdarstellerin Sally Hawkins hatte mit der Darstellung der unverbesserlich unbeschwerten Poppy die Herzen der Jury im Sturm erobert und darf dafür einen silbernen Bären mit nach Hause nehmen. "Ich bin so glücklich!", strahlte sie. "Gleich fange ich wieder an zu weinen!" Regisseur Mike Leigh habe sie bereits angerufen und er sei sehr stolz auf sie. "Ich kann ihm gar nicht genug danken!"

    Der Preis für das beste Drehbuch ging an Wang Xiaoshui aus China für "Zuo You" ("In love we trust"). Der Erfolg bei großen, internationalen Festivals, wie Venedig oder Berlin, sei für unabhängige chinesische Filme sehr wichtig und eine große Hilfe. Er selbst sei sehr glücklich, ihm täte es nur leid, dass keiner seiner Schauspieler einen Preis gewonnen hat.

    Der Alfred Bauer Preis wird für Spielfilme verliehen, die neue Perspektiven der Filmkunst eröffnen. Dieses Jahr bekam der mexikanische Filmemacher Fernando Eimbcke die goldene Medaille für "Lake Tahoe". Für lateinamerikanische Filme sei es schwierig in Konkurrenz mit großen Produktionen zu treten, darum sei dieser Preis sehr wichtig.

    Da nicht alle Erstlingsfilme im offiziellen Wettbewerb laufen, wird diese Auszeichnung von einer anderen Jury verliehen und beinhaltet einem Preisgeld von 50.000 Euro. 26 Filme standen zur Auswahl und ausgewählt wurden Regisseur Kumasaka Izuru und Produzentin Keiko Araki für "Asyl – Love and Park Hotel". Beide waren überglücklich. "Wir haben schon daran gedacht, keine Filme mehr zu machen, weil es einfach zu schwierig ist.", sagte Araki. Sie ist ebenfalls Organisatorin eines Filmfestivals in Japan, das ebenfalls Filme von neuen Talenten produziert.

    Die Berlinale ist vorbei, die britischen Filmpreise BAFTAs wurden letztes Wochenende vergeben – jetzt richten sich die Augen nach Hollywood, wo am nächsten Sonntag die Oscarverleihung stattfindet – und natürlich auch wieder auf die Kinoleinwände und die neuen Filme.

    Viel Spaß im Kino!

Verfasst am 18.02.2008 um 09:00:00 Uhr von Future Image RSS Logo Facebook Logo

 
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