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| Ralph Fiennes, Kate Winslet und David Kross beim Photocall zu "The Reader" (c) Future Image |
Die zweite große internationale Produktion auf der Berlinale ist erstaunlich deutsch. Ebenso wie der Eröffnungsfilm „The International“ wurde „Der Vorleser" ("The Reader“) zu einem großen Teil in Deutschland in den Studios in Babelsberg gedreht. Deutschlands Filmoffensive trägt offensichtlich Früchte.
„Der Vorleser“ beruht auf einem Roman des deutschen Autors Bernhard Schlink und spielt im Deutschland der Nachkriegszeit. Der fünfzehnjährige Schüler Michael Berg (David Kross) lernt durch einen Zufall die Endzwanzigerin Hanna Schmitz (Kate Winslet) kennen. Die beiden beginnen eine Affäre, die Michael sein ganzes Leben lang nicht loslassen wird. Sie fordert ihm auf, ihr Vorzulesen und Michael liest seiner Geliebten alles von Tschechov bis zu Tim und Struppi vor. Eines Tages verschwindet Hanna einfach. In seiner Studienzeit nimmt ein Juraprofessor (Bruno Ganz) Michael mit zu einem Prozess mit, dort sieht er Hanna wieder. Sie ist angeklagt, weil sie Wächterin in einem KZ war. Während der Verhandlung erkennt er altbekannte Muster wieder. Dabei erkennt er, dass Hanna nicht zugeben will, dass sie nicht lesen und schreiben kann. Lieber geht sie ins Gefängnis, als zuzugeben, dass sie einen belastenden Bericht gar nicht geschrieben haben kann. Michael weiß das zwar, hilft ihr aber nicht, weil er nicht hineingezogen werden will. Der erwachsene Michael (Ralph Fiennes) kämpft immer noch mit den Folgen seiner Beziehung zu Hanna. Seine Ehe scheitert, weil er sehr verschlossen ist. Irgendwann beginnt er Hanna Kassetten aufzunehmen: Er liest ihr die Bücher aus der Jugend vor. Ein Happy End oder eine Versöhnung ist beiden trotzdem nicht vorbestimmt. Stephen Daldry arbeitet mit vielen Zeitsprüngen in der Erzählreihenfolge und verknüpft so Stück für Stück die Geschichte zu einem Ganzen.
Die Oscar-nominierte Kate Winslet spielt großartig. Ohne Worte kann der Zuschauer den Konflikt an ihrem Gesicht ablesen: Gibt sie zu, dass sie nicht lesen kann und nimmt die Schande dafür auf sich oder geht sie lieber lebenslänglich ins Gefängnis. Ihr viel gerühmter deutscher Akzent ist nur zeitweise Perfekt. Winslet zeigt aber mehr – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Wer die Schauspielerin nackt sehen möchte, hat ausgiebig Gelegenheit dazu. Sie geht mit Nacktheit völlig unbefangen um. In der Pressekonferenz sagte sie: „Ich genieße das nicht besonders, aber es ist Teil des Jobs und dann mache ich das eben.“
Eine besonders gute Leistung zeigte der achtzehnjährige David Kross. Ihm sieht man genau die Verliebtheit, die große Verletztheit und den inneren Widerstreit der Gefühle an. Nach der Rolle in dieser internationalen Produktion könnte das für ihn das Sprungbrett zur ganz großen Karriere sein.
Daldry lässt in allen Fällen die Schauspieler nicht viel reden, sondern vielmehr spielen. Auch Romanautor Schlink ist mit dem Film zufrieden. „Wenn man die Rechte an einem Buch verkauft hat, darf man nicht erwarten, dass man im Film die gleichen Bilder wiederfindet, die man im Kopf hatte“, sagte er. Mit denen, die er wiedergefunden habe, sei er sehr glücklich. Er finde es toll, wenn ein großes Team seinem Stoff eine neue Gestalt gebe.
Zusammen mit Daldry hat der Autor am Film gearbeitet und den Regisseur und Drehbuchautor David Hare zum Beispiel bei der Auswahl der Bücher beraten, die Michael für Hanna auf Kassette aufnimmt.
„Der Vorleser“ ist ein eher leiser Film und nichts für Actionfans – also der genaue Gegensatz des Eröffnungsfilms. (siehe Filmkritik auf Cinefacts)
| Verfasst am 07.02.2009 um 10:00:00 Uhr von Future Image | ![]() |
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Der Vorleser OT: The Reader Literaturverfilmung, Drama | Deutschland / USA | 2008 |
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