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  • 60. Berlinale: Nachlese mit lustigen Franzosen und vielen Absagen

  • Regisseur Gustave Kervern greift sich Fotografen-Urgestein Erika Rabau (c) Future Image
    Regisseur Gustave Kervern greift sich Fotografen-Urgestein Erika Rabau (c) Future Image

    Die Bären sind vergeben und die roten Teppiche eingerollt, die Menschenmengen vor dem Berlinale Palast sind verschwunden. Was bleibt sind ein paar lustige Erlebnisse, wie gleich am zweiten Wettbewerbstag. Ich ging gerade in die Pressevorführung zu „Ghostwriter“, als ich Matthieu Carriere entdeckte. Er diskutierte wild mit dem Einlasser im Berlinale Palast, weil er unbedingt in den Film wollte. Der Mann am Eingang blieb unerbittlich und Carriere sah ganz schön sauer aus. Das war irgendwie ein nettes Gefühl, mal den Presse-Badge zu zücken und vorbei zu gehen. Kommt selten genug vor. Ob er noch reingekommen ist – möglich. Denn wenn niemand von der Presse mehr in die Vorführung will, wird auch für Filmschaffende geöffnet – die im Übrigen auch eigene Vorführungen haben.

    In besonders guter Erinnerung sind mir die Franzosen geblieben, die den Film „Mammuth“ vorstellten. Die hatten – wie es sich für Franzosen gehört – vor der Pressekonferenz ordentlich gegessen und offensichtlich ziemlich viel Wein getrunken. Co-Regisseur Gustave de Kervern war schlichtweg stramm und griff sich beim Photocall das Berlinale-Faktotum, die Fotografin Erika Rabau und knutschte die kleine, alte Dame ab. Rabau, nicht mehr so gut zu Fuß, wusste auch nicht wie ihr geschah, nachdem der Regisseur sie zu den Fotografen zurücktrug, und sie abstellte, wie eine Puppe. Offensichtlich hatte sich dieser Akt der Anarchie auf die französischen Fotografen übertragen, die laut nach Depardieu verlangten und anfingen gemeinsam mit den Regisseur-Duo Kervern/Delépine, die Marseillaise zu singen. In der Pressekonferenz wurde es nicht besser, aber lustiger.

    Isabelle Adjani war vorsichtshalber nicht gekommen und zeigte sich später nur auf dem roten Teppich. Gerard Depardieu sieht inzwischen aus, wie das titelgebende Tier, konnte sich aber noch klar äußern. Nicht so seine Kollegin, sie Sängerin, Schriftstelleirn und Schauspielerin Miss Ming, die in völlig unverständlichem Deutsch anfing Gedichte zu zitieren. Nach jeder Äußerung eines Kollegen warf sie eine deutschsprachige Weisheit ein, die außer ihr wohl keiner so recht verstanden hat. Klasse – endlich mal keine auswendig gelernten PR-Antworten.

    Irgendwie fehlte der Berlinale zum 60. Geburtstag ein wenig der Glanz. Viele Regisseure reisten ohne die Schauspieler an, wie zum Beispiel Michael Winterbottom, andere Stars sagten kurzfristig ab, wie das Ensemble von „Nine“ (Daniel Day Lewis, Penelope Cruz, usw.). Schade eigentlich – auch wenn man nicht zu Stars, sondern zum Filme schauen geht, ist man von der Berlinale ein wenig mehr große Welt und weniger Kiez gewohnt.

Verfasst am 22.02.2010 um 14:00:00 Uhr von Future Image RSS Logo Facebook Logo

 
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