Samstag | 26. Mai 2012 | 17:57 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Newsarchiv > Newsdetails
  • NEWS | KINO

  • 60. Berlinale: Buhrufe für "Jud Süß", Beifall für "Die Friseuse"

  • Team stellt
    Team stellt "Jud Süss" vor (c) Future Image

    Oskar Roehlers "Jud Süß" erhält von der Presse keinen Beifall

    Oskar Roehlers Film „Jud Süß - Film ohne Gewissen“ wurde bei der Pressevorführung gelinde gesagt, verhalten aufgenommen und zwar mit Gelächter – an den falschen Stellen – und Buhrufen am Ende.

    Roehlers „Jud Süß“ erzählt quasi das Making-of des Nazipropagandafilms „Jud Süß“ von 1940. Er ist eng mit der Geschichte des Schauspielers Ferdinand Marian (Tobias Moretti) verflochten, der vom Reichspropagandaminister Josef Goebbels (Moritz Bleibtreu) dazu gezwungen wurde, die Hauptrolle in dem Streifen zu übernehmen.

    Stein des Anstoßes für das Publikum war, dass der historische Stoff so sehr fiktionalisiert wurde, dass Regisseur Roehler in der Pressekonferenz Geschichtsverfälschung vorgeworfen wurde. Zum Beispiel hatte er Marians Frau (Martina Gedeck) zur Halbjüdin gemacht. Außerdem hatte Marian niemals Juden Unterschlupf gewährt, wie in Roehlers Film. Der wollte diese Einwände nicht hören: „Hätte ich einen Dokumentarfilm machen wollen, hätte ich keinen Spielfilm gemacht“, verteidigte er sich. Moritz Bleibtreu unterstützte Roehler in der Ansicht, dass man sich auch fiktionale Freiheiten nehmen dürfe. Bleibtreu gewann 2006 für Roehlers „Elementarteilchen“ den Silbernen Bären als bester Schauspieler. Er spielt Göbbels mit stark satirischem Einschlag: „Der Typ ist Satire, der ist aus heutiger Sicht schon irgendwie ein Clown und an diesem Clownesken habe ich mich orientiert“, erklärte Bleibtreu.

    Wie der Film der Jury gefallen hat, werden wir am Samstag erfahren, obwohl die Jury heute, am Donnerstag, bereits alle Filme gesehen hat und ihre Wertungen diskutiert.

     

    Doris Dörries stellt "Die Friseuse" vor

    Während Oskar Roehlers Film eher Unmut weckte, gab es Abseits des Wettbewerbs einen wahren Feelgood-Movie – ebenfalls aus Deutschland. Doris Dörries neuer Film „Die Friseuse“ handelt von einer patenten Ostberlinerin, die ihr Schicksal in die eigenen Hände nimmt. Als Katie König bei einem Vorstellungsgespräch gesagt wird, sie wäre wegen ihrer fülligen Figur nicht ästhetisch, versucht sie einen eigenen Salon aufzumachen.

    Hauptdarstellerin Gabriele Maria Schmeider spielt Kati König mit bezauberndem Schwung und sehr mitreißend. Sie sagte, es sei schön gewesen in der Rolle von Kati zu missachten, wie sie aussieht – sehr untypisch für Schauspieler. Damit spielte sie auf Kleidung an, die teilweise unvorteilhaft saß und betonte, dass die Hauptfigur dick ist und Speckrollen hat. „Diesmal war alles so gewollt und sollte so aussehen, das war sehr befreiend“, sagte sie.

    Beim Drehbuchschreiben hatte Autorin Laila Stieler bereits Schmieder für die Rolle im Kopf. Nichtsdestotrotz musste Schmieder sich beim Vorsprechen vor Doris Dörrie gegen 13 andere Schauspielerinnen durchsetzen.

    Dörrie verfilmte erstmals ein Drehbuch, dass sie nicht selbst geschrieben hat. „Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ich dieses Buch unbedingt machen will“, sagte Dörrie in der Pressekonferenz. Außerdem habe sie das Gefühl gehabt, dass sie einen entscheidenden Anteil zum Film beitragen könne. Die Autorin kannte sie von einem Seminar an der Filmhochschule.

    Auch die Dame, an deren wahre Geschichte der Film angelehnt ist, war auf der Pressekonferenz anwesend – saß aber nicht mit auf dem Podium. Trotzdem beantwortete sie die Fragen selbstbewusst und berlinerisch. Die Geschichte habe sie berührt, sagte sie. „Ich wusste ganz genau, wie die Hauptfigur sich fühlt“, beschreibt sie und betont noch einmal, dass es sich nicht um ihre Lebensgeschichte handelt. Auf die Frage, wie sie sich jetzt als Quasi-Berühmtheit fühle, sagte die Frau mit der bunten Strubbelfrisur bodenständig: „Ich bin Friseuse und das ist OK. Mehr muss ich nicht werden.“

     

    Heute im Wettbewerb:

    Na Putu“ („On The Path“) aus Bosnien, von Jasmila Zbanic. Mit Zrinka Zvitesic, Leon Lucev, Ermin Bravo und Mirjana Karanovic.

    Jud Süss – Film Ohne Gewissen“, aus Deutschland, von Oskar Roehler. Mit Tobias Moretti, Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Armin Rohde und Justus von Dohnanyi.

    Rompecabezas“ („Puzzle“), aus Spanien, von von Natalia Smirnoff. Mit Maria Onetto, Gabriel Goity, Arturo Goetz, Henry Trailes und Felipe Vilanueva.

     

Verfasst am 19.02.2010 um 08:00:00 Uhr von Future Image RSS Logo Facebook Logo

 
WERBUNG
    • NEWS | Verknüpfungen
    • FILM
    Kino-Plakat von Die Friseuse Die Friseuse
    OT: Die Friseuse
    Komödie |  Deutschland |  2010
    Kino-Plakat von Jud Süß - Film ohne Gewissen Jud Süß - Film ohne Gewissen
    OT: Jud Süß - Film ohne Gewissen
    Drama, Biografie |  Deutschland / Österreich |  2010

    • NEWSDETAIL | Bilder
    • Regisseur Oskar Roehler muss bei der Presskonferenz viel Kritik einstecken (c) Future Image
      Regisseur Oskar Roehler muss bei der Presskonferenz viel Kritik einstecken (c) Future Image
      Moritz Bleibtreu beim Photocall (c) Future Image
      Moritz Bleibtreu beim Photocall (c) Future Image
      Martina Gedeck bei der Premiere von „Jud Süss – Film Ohne Gewissen“ (c) Future Image
      Martina Gedeck bei der Premiere von „Jud Süss – Film Ohne Gewissen“ (c) Future Image
      Premierengäste Andrea Sawatzki und Christian Berkel (c) Future Image
      Premierengäste Andrea Sawatzki und Christian Berkel (c) Future Image
      Premieregast Thomas Gottschalk (c) Future Image
      Premieregast Thomas Gottschalk (c) Future Image
      Oskar Roehler, Moritz Bleibtreu,  Martina Gedeck, Justus von Dohnanyi und Tobias Moretti bei der Premiere von
      Oskar Roehler, Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Justus von Dohnanyi und Tobias Moretti bei der Premiere von "Jud Süss" (c) Future Image
      Regisseurin Jasmila Zbanic und Shooting Star Zrinka Cvitesic (c) Future Image
      Regisseurin Jasmila Zbanic und Shooting Star Zrinka Cvitesic (c) Future Image
      Hanna Schygulla bei der Verleihung des Goldenen Ehrenbären mit Laudator Fatih Akin (c) Future Image
      Hanna Schygulla bei der Verleihung des Goldenen Ehrenbären mit Laudator Fatih Akin (c) Future Image
      Hanna Schygulla mit ihrem Ehrenpreis vor dem Kino International (c) Future Image
      Hanna Schygulla mit ihrem Ehrenpreis vor dem Kino International (c) Future Image

    • ÄHNLICHE NEWS
    [BLU-RAY]  Concorde: "Jud Süß - Film ohne Gewissen" auf Blu-ray
    [DVD]  Concorde: "Jud Süß - Film ohne Gewissen" auf DVD
    [DVD]  EuroVideo: DVD-Leih-Neuheiten im März 2011
    [KINO]  Neun deutsche Filme im Rennen um den Oscar
    [BLU-RAY]  Highlight: Neuheiten im August 2010 und Vorschau
    [DVD]  Highlight: Neuheiten im August 2010 und Vorschau
    [BLU-RAY]  Highlight: "Tannöd" und Vorschau auf Juli & August 2010
    [DVD]  Highlight: "Tannöd" und Vorschau auf Juli & August 2010
    [TV]  Constantin Film verlängert Vertrag mit ProSiebenSat.1
    [KINO]  Berlinale 2010 präsentiert Wettbewerb-Programm

    • NEWS | Kommentare
    • Bitte melden Sie sich hier kostenlos an, um einen Kommentar abzugeben:



    • | FILMPLAKAT
    • Titel: Jud Süß - Film ohne Gewissen
      [KINO] Jud Süß - Film ohne Gewissen