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  • Berlinale 2011: "Yelling to the Sky" und "Life in a Day"

  • "Schlafkrankheit" mit Pierre Bokma und Jenny Schily

    Semi-autobiografisch, nennt Victoria Mahoney ihr Erstlingswerk „Yelling to the Sky“ („Schrei zum Himmel“), der im Wettbewerb läuft. Sie hat das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und den Film produziert, der sich um das gemischtrassige Mädchen Sweetness (Zoe Kravitz) dreht. Sweetness wohnt in einem ziemlich fiesen Viertel, in dem die einigermaßen netten Häuser darüber hinwegtäuschen, wie arm und heruntergekommen ihre Bewohner eigentlich sind.

    Sweetness ist ein schüchternes Schulmädchen, die von einer farbigen Mädchengang um LaTonya (Gabourey Sidibe) terrorisiert wird, weil ihr Vater (Jason Clarke) ein Weißer ist. Der wiederum säuft und schlägt die Mutter (Yolonda Ross), die geistig nicht ganz gesund ist. Ihre ältere Schwester Ola (Antonique Smith) ist ihr einziger Halt. Sweetness beschließt, Armut, Terror und Prügeln ein Ende zu machen und fängt an Drogen zu verticken. Den Einstieg ermöglicht ihr Roland (Hip-Hopper Tariq Trotter von „The Roots“), der so etwas wie ein Ghetto-Robin Hood ist und von seinem Drogengeld einige ärmere Leute im Viertel unterstützt. Das Mädchen wird von der Looserin zur heimlichen Herrscherin der Schule, nimmt Drogen und treibt sich herum. Nachdem Roland vor ihren Augen hingerichtet wird, beschließt sie ihr Leben zu ändern. Ob sie es schafft, bleibt offen.

    Das Problem in dem Film ist, dass Mahoneys Charaktere sich nicht entwickeln, sondern einfach beschließen, „Ich werde Drogendealer“ (Sweetness), „Ich höre auf zu trinken“ (Sweetness' Vater), „Ich bin dann mal weg“ (Mutti geht in die Klapse) und so fort. „Der Film ist roh, ehrlich und versucht nicht sich beim Publikum einzuschmeicheln“, sagte Mahoney bei der Pressekonferenz. Wenn das ihr Ziel war, hat sie es erreicht. Sie sagte weiter, dass Leute, die in ähnlichen Lebensumständen aufgewachsen sind, bei bisherigen Vorführungen sofort verstanden hätten, warum sich die Charaktere so schwankend verhalten – aber Berlin ist nun mal nicht die Bronx.

    Obwohl Zoe Kravitz wirklich sehr gut spielt, täuscht das den Zuschauer nicht über die Schwächen im Script hinweg. Mahoney berichtete, dass sie nach Kravitz' Vorsprechen sofort von der jungen Schauspielerin überzeugt war.

    Zoe Kravitz wiederum hatte Skrupel und war drauf und dran, die Rolle abzulehnen. „Ich hatte Angst, dass ich der Rolle nicht gerecht werden konnte, doch Victoria hat mich angerufen und überzeugt“, erinnerte sie sich. „Die Rolle ist in Hollywood so selten wie ein Einhorn, oder ein f*** Kobold.

    Ihr Co-Star Gabourey Sidibe („Precious“), hatte dagegen keinen großen Part, dafür einen bekannten Namen. Vergleiche mit de oscarpämierten „Precious“ hören Sidibe und Mahoney alle Nase lang. Die Regisseurin gibt aber zu bedenken, dass die beiden Filme nichts zeigen, was der Klassiker „Long Journey into the Night“ nicht auch getan hätte. „Die beiden Filme haben eines gemeinsam, jemand war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um ihn finanziert zu bekommen.“

    Wenn man den Film im Hinblick auf das Rennen um die Bären betrachtet, ist er für mich kein Kandidat auf den Goldenen Bären. Einzig Zoe Kravitz sticht durch eine gute Leistung heraus. Anscheinend hat sie von beiden Elternteilen Talent geerbt, sie ist die Tochter von Musiker Lenny Kravitz und Schauspielerin Lisa Bonet („Bill Cosby Show“, „Angel Heart“).


    Dokumentarfilm "Life in a Day" von Ridley und Tony Scott

    In der Sektion Panorama finden sich dagegen oft Perlen wie „Life in a Day“. Der auch als „You-Tube-Film“ bekannte Dokumentarfilm wurde von Ridley und Tony Scott produziert und ist aus Material der Benutzer des Videoportals entstanden. Der Film ist eine Zeitkapsel des Lebens auf der Erde am 24. Juni 2010. Die YouTube-Benutzer waren eingeladen, ihre Leben an diesem einen Tag zu dokumentieren und ein paar Fragen zu beantworten. „Was liebst du?“, Wovor hast du Angst?“ und „Was hast du gerade in der Tasche?“ Regisseur Kevin MacDonald hat aus den Einsendungen aus aller Welt einen unheimlich berührenden Film zusammengestellt. Beispiele: Eine junges Ehepaar mit Kind, in der die Mutter sich gerade von einer schweren Krebsoperation erholt, hat den Tag als Familienprojekt dokumentiert, ein Koreaner, der mit dem Fahrrad um die Welt fährt, macht sich in Katmandu Gedanken über die Wiedervereinigung seines Heimatlandes und eine junge Amerikanerin macht sich für ihr Videotelefonat mit ihrem Mann schick – er ist Soldat in Afghanistan – und bricht in Tränen aus, als das Telefonat zu Ende ist. Eigentlich zeigt der Film viele Alltäglichkeiten, aber gerade das macht ihn und das Projekt zu etwas Besonderem.

     

    Heute im Wettbewerb:

    Schlafkrankheit“: von Ullrich Köhler, mit Pierre Bokma, Jean-Christophe Folly, Jenny Schily und Hippolyte Girardot

    Almanya – Willkommen in Deutschland“: von Yasemin Samdereli, mit Demet Gül, Fahri Yardim, Vedat Erincin, Aylin Tezel und Lilay Huser.

    Yelling to the Sky“: von Victoria Mahoney, mit Zoe Kravitz, Gabourey Sidibe und Tariq Trotter

Verfasst am 13.02.2011 um 09:00:00 Uhr von Future Image RSS Logo Facebook Logo

 
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      Harry Belafonte beim Photocall zu "Sing your Song"
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