| Sonntag | 27. Mai 2012 | 00:03 Uhr | |
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Nach zehn Tagen Berlinale und 22 Filmen im offiziellen Wettbewerb vergab die internationale Jury den Goldenen und die Silbernen Bären für die besten Filme und Filmschaffende. Die größte Überraschung gelang Nina Hoss, die den Silbernen Bär für die beste Darstellerin aus der Hand von Jurymitglied Mario Adorf entgegen nehmen konnte. Auch für sie selbst war es eine große Überraschung und Freude. "Dass ich mit einer so feinen und zarten Rolle und Rollenführung einen solchen Preis bekomme, ist großartig." Sie selbst habe sich schon auf einen ruhigen Abend mit einer netten Abschlussfeier eingerichtet, weil sie sich gegen von ihr bewunderte Schauspielerinnen wie Cate Blanchett und Marianne Faithfull chancenlos sah. Die große Anzahl von Schauspielern in der Jury habe anscheinend den Minimalismus, mit dem sie ihre Rolle "Yella" angelegt habe, erkannt und zu würdigen gewusst. Den Bären, strahlte sie, würde sie an diesem Abend sicher nicht mehr aus der Hand geben.
Auch ihre deutsche Kollegin Martina Gedeck war sehr überrascht, regelrecht geschockt, als ihr klar wurde, dass sie jetzt den Silbernen Bären für die beste künstlerische Leistung stellvertretend für das Schauspielerensemble von "The Good Shepherd" entgegen nehmen musste. Sie selbst räumte sich auf der Pressekonferenz nur einen minimalen Anteil an dem Preis ein, war aber sichtlich erfreut. Auch ihre amerikanischen Kollegen, die sie nach der Preisverleihung gleich angerufen habe, wären sehr erfreut über den Preis gewesen. Behalten wollte sie den Preis aber nicht: "Ich werde ihn mindestens heute Nacht behalten", lächelte sie, "und dann werde ich ihn an Robert de Niro schicken. Ich finde er sollte ihn haben."
Gleich zwei Silberbären nimmt der argentinische Regisseur Ariel Rotter mit nach Hause. Für "Der Andere" bekam er den großen Preis der Jury" und sein Hauptdarsteller Julio Chavez wurde als bester Darsteller ausgezeichnet. Chavez selbst war wegen eines Theaterengagements nicht angereist.
Der Preis für die beste Regie ging an den israelischen Regisseur Joseph Cedar für seinen Antikriegsfilm "Beaufort". In einem Interview habe er vor den Filmfestspielen gesagt, dass es für ihn schon der größte Preis sei, überhaupt zur Berlinale eingeladen zu sein, darum wäre er jetzt überglücklich über diese Auszeichnung.
Sehr cool und trotzdem strahlend trat dagegen Regisseur David MacKenzie auf, der einen Silbernen Bären für die beste Filmmusik in "Hallam Foe" entgegen nahm. Zusammen mit Hauptdarsteller Jamie Bell, Nick McCarthy und Alex Kapranos von der Band Franz Ferdinand, die den Titelsong zum Film beisteuerte, machten sie ein ungewöhnliches Bild auf der Pressekonferenz. Kapranos stellte das Rotweinglas gar nicht aus der Hand und Bell zündete sich erst mal ne Fluppe an. Rock'n roll! MacKenzie freute sich, dass sein Plan, DJ seines eigenen Films so gut aufgegangen sei und die Band freute sich, wie gut ihr Song "Hallam Foe Dandelion Blue" letztendlich zum Film passte. Die Auswahl der Songs für den Soundtrack von ungefähr 33 auf 15 Stücke würde sehr schwer fallen, so MacKenzie.
Den Alfred-Bauer-Preis für neue Perspektiven in der Filmkunst bekam Park Chan-wook für "Ich bin ein Cyborg, aber das ist in Ordnung" aus Korea. Kein Wunder, denn der einzige Science Fiction Film im Wettbewerb wartete mit einer außergewöhnlich fantasievollen Geschichte und Tricktechnik auf. Dass die kleine Cyborg-Lady Kugeln aus den Fingern abschießt und die Patronenhülsen aus dem Mund ausspuckt, wäre eines seiner Traumbilder gewesen. In seiner Dankesrede bedankte sich der mit seiner Rachetrilogie (u. a. "Old Boy") auch in Europa bekannte Regisseur erst einmal bei seiner Frau, das habe er so oft bei amerikanischen Preisverleihungen gesehen. Sie sei gar nicht glücklich über seinen Beruf, weil er sehr wenig Zeit für sie habe. Jetzt wäre sie bestimmt etwas ungehalten, weil sie eine sehr schüchterne Person sei und er sie jetzt so in den Mittelpunkt gestellt habe. Den Aufenthalt in Berlin beschreibt er als kleinen Urlaub zur Kompensation. "Cyborg" sein ein Film, den auch seine kleine Tochter sehen dürfe. Ansonsten habe er einen kommerziellen Film machen wollen, der beim Publikum ankommt.
Den Preis für den besten Erstlingsfilm geht an Rajnesh Domalpalli aus Indien für "Vanaja". Er betont, dass sein Film, trotz Gesang und Tanz kein "Bollywood-Film" sei. Er sei überglücklich und habe beweisen können, dass kein großer Name nötig sei, um einen guten Film zu machen. Er habe absichtlich mit Amateuren gedreht und habe glücklicherweise die junge Hauptdarstellerin Mahmatha Bhukja gefunden. Das junge Mädchen sagte sie wäre wirklich, wirklich glücklich und umklammerte mit der einen Hand den Stoffteddy, der ihr bei der Preisverleihung überreicht worden war und mit der Anderen, die Hand von Domalpalli.
Auch der Goldene Bär ging nach Asien. Der chinesische Film "Tuyas Ehe" überzeugte die Jury, weil er sie vom ersten Moment an gefesselt habe. Regisseur Wang Quan'an wollte mit seinem Film die Aufmerksamkeit auf die Folgen des schnellen Wirtschaftswachstums aufmerksam machen. Es wäre natürlich eine große Ehre für ihn. Er habe mit "Tuyas Ehe" in China die Tür zu einem neuen Genre geöffnet und hofft, dass er dem chinesischen Film zu neuer Blüte verhilft und dass ihn möglichst viele Menschen in seinem Heimatland sehen können. "Gute Filme stellen Fragen, sie bieten keine Lösungen an."
Das lassen wir mal als Schlusswort stehen und freuen uns auf viele neue Filme und Fragen in diesem Jahr und auf der nächsten Berlinale vom
Die Preisträger im Überblick:
Goldener Bär für den besten Film:
"Tuyas Ehe" (China) von Wang Quan'an
Großer Preis der Jury - Silberner Bär:
"Der Andere" (Argentinien) von Ariel Rotter
Silberner Bär für die beste Regie:
Joseph Cedar für "Beaufort" (Israel)
Silberner Bär für die beste Darstellerin:
Nina Hoss für "Yella" (Deutschland)
Silberner Bär für den besten Darsteller:
Julio Chavez für "Der Andere" (Argentinien)
Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung:
Ensemble von "The Good Shepherd" (USA)
Silberner Bär für die beste Musik:
David MacKenzie für "Hallam Foe" (Großbritannien)
Alfred-Bauer-Preis für neue Perspektiven in der Filmkunst:
Park Chan-Wook für "Ich bin ein Cyborg, aber das ist in Ordnung" (Korea)
Bester Erstlingsfilm:
"Vanaja" von Rajnesh Domalpalli (Indien)
| Verfasst am 18.02.2007 um 19:30:00 Uhr von Future Image | ![]() |
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Der Andere OT: The Other Man Drama | Großbritannien / USA | 2008 |
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