Henrik und Lars, Vater und Sohn, wohnen auf einem Bauernhof etwas abseits eines Dorfes in der Uckermark. Dort wollen sie, das ist der Plan, eine Hochzeitsscheune aufbauen, eine Location für Hochzeitsfeiern – aber wer will hier schon heiraten. Zu Weihnachten soll Lars nach Berlin, zur Noch-Ehefrau des Vaters, doch er trifft die taubstumme Marie aus dem Dorf und verliebt sich in sie. Also bleibt er da – und erlebt mit, wie sein Vater und seine Tante heiße Liebesferien auf dem Bauernhof genießen. Maries Vater lehnt ihn, den Zugezogenen, ab, und als auch noch über die Feiertage Lars’ Mutter mit ihrem jungen Liebhaber auftaucht, eskaliert die Familiensituation.
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| FILMKRITIK
Kalt ist es in der Uckermark, ganz, ganz kalt. Und karg, kalt und karg. Dicke Kleider haben die Leute an, weißer Flaum auf den gezackerten Feldern, und im See ist eine Ratte eingefroren. Die Kälte ist natürlich metaphorisch, der ganze Film ist voll Symbolismen– die sich freilich selten in den Vordergrund drängen. Unterstützt wird die Kälte, die zum Ausdruck gebracht wird, von der distanzierten Kamera, den farbentsättigten Bildern
Die Kälte bezieht sich auf die emotionale Isolation der Figuren, die nebeneinander her leben, keine Beziehung zueinander haben. Vater und Sohn werden von den Dorfbewohnern geschnitten, nicht einmal ein Gruß wird erwidert – und obwohl selbst Außenseiter im Dorf, haben auch sie sich innerhalb der Familie kaum etwas zu sagen. Eine schöne Ironie ist, dass ausgerechnet die taubstumme Marie die Menschen dazu bringt, sich näher zu kommen; ganz allmählich zumindest.
Ein Familiendrama bahnt sich an, der Vater hat was mit der Schwägerin, will über Weihnachten den Sohn zur Noch-Ehefrau abschieben, doch der verliebt sich in Marie… So wirklich dynamisch wird es erst, als Brigitte, die Noch-Frau, mit ihrem neuen, jungen Lover auf den Bauernhof kommt, schließlich, am Weihnachtsabend, singt dieser Beau, gespielt von Marek Harloff, ein Schubert-Lied: „Die Liebe liebt das Wandern, so hat sie Gott gemacht“.
Der langsam fließende Film hat kaum Handlung und ruht auf zwei Säulen: Auf den Figuren und ihren sehr guten Darstellern einerseits, andererseits auf der Symbolik der Bilder, die sehr genau beobachtet sind, nicht vom Alltag erzählen, weil sie zu zugespitzt sind, die aber doch wahrhaftig sind – wenn auch manchmal des Guten zuviel, wenn das junge Paar in Hundemasken auf dem zugefrorenen See tanzt zum Beispiel. Die Metaphorik bleibt dabei vage, nicht genau auf einen Punkt zu bringen; so wie auch der Titel „Jagdhunde“ primär nichts mit dem Film zu tun hat. Für die Regisseurin haben Jagdhunde mit Bewegung zu tun, mit Freiheit, aber auch mit Lauern, mit Zubeißen – das Unbestimmte der Interpretation steht der genauen Beobachtungsgabe des Films entgegen, dem genauen Blick auf Charaktere und Situation, doch wird so, in dieser Dialektik, eine Atmosphäre der leidvollen Erstarrung gebildet. Die Figuren in ihrer Starrheit, die spitzen Dialoge, die bei gespielter, oberflächlich geheuchelter Einfühlung in Gemeinheiten ausarten, die Verletzungen, die sich die Figuren gewollt und ungewollt zufügen, werden drastisch genug inszeniert, um komisch zu sein – ohne die Figuren zu demütigen.
Am Ende dann ist Bewegung in die Figuren gekommen; nur Veränderung ist wirkliches Leben.
| FAZIT
Familiendrama der erstarrten Figuren und erstarrenden Gefühle; kalt und genau inszeniert, doch mit etwas zu viel Symbolik aufgeladen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung