Jack und Marion, seit zwei Jahren ein Paar, machen auf ihrer Europareise vor der Rückkehr nach New York Station in Paris bei Marions Eltern. Jack findet in dieser Stadt alles seltsam: Die Menschen verhalten sich hier so merkwürdig! Insbesondere bemerkt er, dass seine Marion vor und auch während ihrer Beziehung mit so ziemlich all ihren alten Freunden ein Verhältnis gehabt zu haben scheint… Als er auch noch eindeutige SMS in ihrem Handy findet, haut er ab, allein in die Stadt hinein. Und Marion weiß nicht, ob sie ihn überhaupt zurückhaben will.
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| FILMKRITIK
Julie Delpy in einer Liebesgeschichte in Paris: Das evoziert Assoziationen an Richard Linklaters „Before Sunset“ und „Before Sunrise“, und wirklich ist Julie Delpy als Regisseurin wie Hauptdarstellerin beeinflusst von diesen witzig-leicht-romantischen Filmen. Doch ihr Debüt „2 Days in Paris“ scheint sich mehr noch an Woody Allen anzulehnen, der in den 70ern die Grundsteine gelegt hat für die moderne intelligente Liebeskomödie. So ähnelt Delpy als Marion der Diane Keaton aus dem „Stadtneurotiker“, keck und fragil. Und Adam Goldberg als Jack sieht mit Vollbart und Wuschelfrisur wie Tony Roberts aus, der Allen-Sidekick in einigen Filmen der 70er. Allerdings spielt Goldberg nicht den Vernünftigen, sondern hat einige Neurosen des Allen-Kosmos der New Yorker Juden übernommen: Hypochondrie, Paranoia, diverse düstere Sarkasmen.
Marion und Jack, sie ist Französin, er eingefleischter New Yorker, auf Europareise: Nach Venedig für zwei Tage in Paris bei ihren Eltern, von einer Stadt der Liebe in die andere, doch sie müssen erleben, wie ihre Beziehung auf den Prüfstand gestellt wird. Delpy fokussiert dabei auf die kulturellen Unterschiede zwischen Amerika und Frankreich. Jack fühlt sich unbehaglich, wenn die französische Herzlichkeit in Flirt umzuschlagen scheint. Viele Indizien scheinen dafür zu sprechen, dass Marion mit der halben Stadt geschlafen hat vor und während ihrer Beziehung – oder ist das nur ein neurotisches Vorurteil gegen die libertinäre französische Lebensart? Das offenherzige Verhältnis zu ihren Eltern stört ihn, das freie Reden über Sex, die versponnen-pornografischen Gemälde des Hippie-Vaters (die Eltern im Film, irgendwo hängengeblieben in den 60ern, werden von Delpys wirklichen Eltern gespielt – wobei die dominante Mutter ebenfalls ein Woody-Allen-Relikt ist), das Essen, die Luft: alles nervt.
Auf sehr unaufdringliche Weise verknüpft Delpy diese Befindlichkeiten mit dem Porträt einer Beziehung, die eine Veränderung braucht. Brillante Dialoge voll Witz und Esprit entwickeln sich, wenn Jack und Marion sich necken, irgendwo zwischen ironischem Spiel und wirklichem Streit. Sehr sophisticated sind diese Kabbeleien im Film angelegt, manchmal fast zu sehr, dann wirken die Figuren zu divergent – dann scheint die Darstellung, die Inszenierung hinter den Charakteren hervor, die Raffinesse ist außerhalb der Figuren angelegt. Dann muss der Film den Zusammenhalt der Figuren wiederherstellen mit dem mitunter recht redundanten Voice-Over-Kommentar, der häufig zu stark ist und einiges wiederholt, was im Film schön angedeutet war.
Doch dann wieder geht es mit Schwung weiter in den nächsten Handlungssprung, ein Abend mit Freunden, ein Marktbesuch, Szenen, die Jack direkt auf die Psyche schlagen: All das ist schön erdacht und schön eingespielt, denn alles steht in Beziehung zur sich verändernde Liebe zwischen Marion und Jack. Auch das ist Woody-Allen-Erbe: ein ständiger Skeptizismus durchzieht den Film, ein Zweifel am Leben und an der Liebe: Wie sehr muss man dem anderen nahe kommen, um ihn zu lieben? Wie sehr darf man dem anderen nahe kommen, ohne sich oder ihn zu verletzen? Wirkliche Sicherheit gegenüber seinem Partner kann es nicht geben. Man muss lernen, den Menschen zu vertrauen: Der Schlusssatz von Allens „Manhattan“ scheint die Essenz von Delpys Film zu sein; und wie bei Allen ist dieser untergründige Ernst in eine unterhaltsame witzige Inszenierung gepackt.
| FAZIT
Locker-leichte Liebesgeschichte in Paris, voll spritzigen Dialoge und witzigen Figuren. Nur an manchen Stellen merkt man an Unsicherheiten der Inszenierung, dass der Film trotz allem „nur“ ein Regiedebüt ist…
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung