Drama
| Belgien / Deutschland / Frankreich / Großbritannien / Luxemburg 2007
| INHALTSANGABE
Weil ihr Enkel sehr krank und die Behandlung teuer ist, meldet sich Maggie in einem Nachtclub, der eine Hostess sucht. Entsetzt stellt sie fest, dass damit eine Prostituierte gemeint ist; dennoch fängt sie an, unter dem Pseudonym Irina Palm Männern einen abzuschütteln – und findet nicht nur Gefallen an ihrem Job, sondern auch eine ganz neue Selbstsicherheit in ihrem Leben.
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| FILMKRITIK
Eine Hostess hält Maggie zuerst für jemanden, der Tee macht, aufräumt und ähnliches. Bis Mr. Mikos sie darüber aufklärt, dass der Begriff ein Euphemismus für Hure sei – auch den Begriff „Euphemismus“ muss er erklären.
Maggie braucht Geld, ihr Enkel ist todkrank, die Behandlung ist teuer, zu teuer; die Schulden sind der Familie über den Kopf gewachsen. Sie muss schell viel verdienen, und schließlich wird sie tatsächlich zur wichsenden Witwe in Mr. Miklos’ Sexclub. Ein kahler Raum mit einem Loch in der Wand, durch den Männer ihren Schwanz stecken, den Maggie dann befriedigt, fünf Minuten hat sie pro Mann. Männer ficken die Wand, ohne zu ahnen, dass dahinter eine Oma mit zarten Händen sitzt. Aus Maggie wird Irina Palm, die Kunden stehen Schlange, sie richtet sich ihren Arbeitsplatz wohnlich ein, mit Bildern an der Wand und Blumen auf dem Tischchen.
Maggie, die Großmutter aus der Kleinstadt, im Londoner Puff: Gespielt wird sie ausgerechnet von Marianne Faithfull, einem der ganz wilden Mädchen der 60er, die hier eine sehr schöne Darstellung liefert. Herzlich naiv benimmt sich Maggie, die in ein Milieu gerät, das sie nicht kennt, nie kennen lernen wollte – in dem sie aber doch Herz entdeckt. Ein Milieu, das Rettung für den Enkel verspricht. Allmählich bekommt sie Muskeln am rechten Bizeps, dann gar einen „Penisarm“, den sie ruhig halten muss – inzwischen aber kann sie das Wichsen mit links. Sie gerät auch in einen kleinen Konkurrenzkampf im Rotlichtviertel, ohne zu verstehen, was vor sich geht; und wenn sie im Dorfladen ein Rubbellos kauft, ist sie sich der Ironie gar nicht bewusst.
Die Naivität Maggies ist so schön inszeniert, witzig und geradlinig. Und es ist schade, dass der Film die Hälfte der Zeit ebenfalls auf simpel-naivem Niveau bleibt. Irgendwo zwischen warmherzig und schlüpfrig findet die Aufarbeitung des englischen Unterschichtsmilieus statt, an andere britische Arbeiterklassenfilme erinnernd bis hin zu „The Full Monty“, wo’s um Striptease geht. Ohne je die autonome Lockerheit, die freie Sensibilität zu erreichen.
Während Maggie immer souveräner wird und am Ende den Klatschbasen des Ortes, die ihr, der einfachen Witwe, immer mit Verachtung begegnet sich, großspurig unter die Nase reibt, dass sie andere Männer wichst („Ist euch das langweilig genug?“), erzählt Regisseur Garbarski weiterhin seine vorhersehbare Geschichte, kommt zum unvermeidlichen Konflikt mit dem Sohn, gar eine kleine Liebesgeschichte mit Mr. Miklos, dem Zuhälter, schleicht sich ein. Manche Szenen in dem Film sind so überraschend spritzig, dass andere in ihrer, ja, Impotenz schlaff und ausgepumpt wirken.
| FAZIT
Warmherzige Komödie auf schlüpfrigem Grund, das zuweilen witzig inszeniert ist, manchmal aber doch etwas halbgar wirkt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung