Sonntag | 27. Mai 2012 | 02:50 Uhr
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  • FILM REVIEW | Angel - Ein Leben wie im Traum
  • Angel - Ein Leben wie im Traum

    Drama | Belgien / Frankreich / Großbritannien 2007
  • | INHALTSANGABE

  • Aufstieg und Fall der Angel Deverell: zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in einer englischen Kleinstadt, schickt eine schreibwütige, naive Schülerin ein Romanmanuskript an einen der wichtigsten Verleger des Landes – und der ist begeistert. Mit ihren kitschigen Herzschmerzromanen erobert die Tochter einer Lebensmittelhändlerin bald ganz England. Doch das glückliche Luxusleben mit ihrem Ehemann, dem expressionistischen Maler Esmé, in ihrer Traumvilla „Paradise House“ währt nicht ewig.
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      • | FILMKRITIK

      • Es ist ein richtiges period piece, das der französische Regisseur François Ozon mit „Angel“ inszeniert: aufwändiges Dekor, üppige Kleider, große Gefühle – ganz stilecht. Und das scheint er auch durchaus ernst zu meinen. Unbekümmert lebt er die dem Stoff innewohnende Künstlichkeit aus. Die Adaption eines Romans von Elizabeth Taylor strotzt nur so von süß-klebrigen Verweisen auf die Film-Melodramen der 40er und 50er Jahre. Die Distanzierung funktioniert dabei nur in manchen Fällen. Wenn zum Beispiel ein Roman von Angel, in beinahe sexueller Erregung geschrieben, auf die Bühne gebracht und damit die ganze Absurdität ihrer Stoffe auch dem letzten Zuschauer offenbar wird. „Das Realitätsprinzip interessiert mich nicht“, verkündet Angel stolz, als die Frau ihres Verlegers (Charlotte Rampling wie gewohnt wunderbar unterkühlt) sie auf die offenbar fehlende Nähe zur Wirklichkeit anspricht.

        Doch genau in den unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen der Umwelt liegt der Zündstoff für bald auftretende Konflikte. Angels vergötterter Ehemann Esmé sieht und malt die ihn umgebende Welt nämlich ganz anders, grau und düster. Das Leben der high society interessiert ihn viel weniger als das der Fabrikarbeiter. Für Angel hingegen muss die Kunst Spaß machen und so bunt sein wie ihre Fantasiewelt. In der umgibt sie sich mit bald mit einem ganzen Stab an Dienstboten, angeführt von Esmés Schwestern Nora, die der Herrin liebeskrank ergeben ist.

        Mit dem Ersten Weltkrieg und den Eskapaden ihres Ehemanns bricht das Realitätsprinzip dann doch in Angels Fantasiewelt ein und ihr unumgänglicher tiefer Fall beginnt. „Moden ändern sich“, so der lakonische Kommentar von Angels Verleger Theo, als er merkt, dass mit den Büchern kein Gewinn mehr zu machen ist. Mit „Angel“ scheint François Ozon das klassische Melodram wieder beleben zu wollen, doch das gelingt nicht immer. Ist es am Anfang nur die Irritation, dass der Regisseur so klarer nüchterner Filme wie „Unter dem Sand“ oder so heillos überzogener und hochironischer Werke wie „Acht Frauen“ sich weigert, sich zu seinen Figuren zu positionieren, dass er Angel, mit den großen Augen von Romola Garai staunend durch die Welt gehend, in ihrem unerträglichen, naiven Narzissmus durchaus ernst nimmt, wartet man im Verlauf des Films immer ungeduldiger auf das nicht auftretende Irritationsmoment, auf die gewollt gesetzte Künstlichkeit, auf das Übermaß an Kitsch oder die Erklärung, worauf dieser Film hinausläuft – außer auf ein Melodram nach klassischen Mustern mit wohldosiertem Kitsch.
      • | FAZIT

      • Nach klassischen Mustern inszeniertes Melodram, dass sich nicht immer entscheiden kann, ob es Parodie sein will oder nicht. Vor allem in den Nebenrollen ausgezeichnet besetzt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Sarah Mersch

      • | Userwertung

      Wertung: 5.5/10 (2 votes)

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