FILM REVIEW | Ich habe den englischen König bedient
Ich habe den englischen König bedient
Drama
| Slovakei / Tschechoslowakei 2006
| INHALTSANGABE
Der tschechische Regie-Altmeister Jiri Menzel verfilmt Bohumil Hrabals Roman „Ich habe den englischen König bedient“. Jan Ditie wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen. Im Rückblick erzählt er von seiner Arbeit als Kellner zu Beginn in den 1930er und 40er Jahren. Der kleine Aufsteiger war im Wesentlichen – und wie die anderen Menschen in seinem Umfeld - daran interessiert, anderen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch im Gegensatz zu seiner Umgebung tat er das eher schelmenhaft - unabhängig von den politischen Umständen.
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| FILMKRITIK
Der Anfang ist noch locker, leicht und heiter im Slapstick-Stil gehalten: ein junger Mann, ein Naivling, ein Narr – so präsentiert uns Jiri Menzel seinen Helden Jan Ditie. Gerade aus dem Gefängnis entlassen, wo er wegen seiner zweifelhaften Vergangenheit einsaß, blickt er auf sein Leben zurück – das zunächst wie ein einziger Aufstieg aussieht. Als kleiner Kellner fängt er an, ganz schnell serviert er in den besten Hotels des Landes – nicht ohne seinen Kunden schelmenhaft-listig das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein kleiner Aufsteiger, ein Profiteur von kindlichem Gemüt ist dieser Ditie. Doch statt wie ein Narr den anderen den Spiegel vorzuhalten macht sich Menzels Film dessen Perspektive eins-zu-eins zu eigen, dessen naiven Humor eingeschlossen, dem er dem Zuschauer überstülpt. Distanz ist damit nicht mehr möglich.
Was dann folgt ist nur noch unerträglich: ein endloses Possenspiel, Scherze und Witzchen von Jan Ditie, nie jedoch über ihn, sexistische Blicke auf die verschiedenen Frauen, denen Ditie begegnet – seien es die Prostituierte von nebenan oder elfenhaft im Eva-Kostüm durch den Garten der NS-Zuchtanstalt springende reinrassige deutsche Mädchen. Nur eine entgeht diesem Blick, von dem man nicht mehr weiß, ob es der der Hauptfigur oder der des Regisseurs ist: Julia Jentsch als national denkende Sudetendeutsche, in die sich Ditie verliebt. Sie wird zwar nicht zum Sexobjekt, dafür ist ihr Schauspiel so holzschnittartig ist, dass man schon nicht mehr weiß, ob sie absichtlich so grotesk banal spielt und der vermeintlich darin enthaltene Humor beim Zuschauer nicht ankommt, oder ob eine renommierte Schauspielerin wirklich so schlecht sein kann.
Wie kommt Jiri Menzel aus diesem selbst eingebrockten Schlamassel wieder raus? Ein Versuch besteht wohl darin, den gealterten Jan Ditie auftreten zu lassen – aber ist der mit dem Alter auch gereift? Als Ditie aus dem Gefängnis entlassen in einer alten, ehemals von vertriebenen Deutschen bewohnten Hütte angesiedelt wird bleibt zwar der sexistische Blick auf die Frauen in seiner Umgebung, neu ist der Rückblick, der Blick auf die eigene Figur, in den vom Staub freigewischten Spiegel. Doch eine wahre, auch erzählerische Distanzierung sucht man auch hier vergeblich. Im besten Falle kann man die Haltung des Regisseurs als naiv und verharmlosend bezeichnen, im schlimmsten Falle ist sie gefährlich. Angemessen ist sie in keinem Fall.
| FAZIT
Von erschreckender Naivität geprägte Klamotte über einen jungen tschechischen Opportunisten, der die erste Hälfte des 20. Jahrunderts als Kellner durchlebt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung