Im 19. Jahrhundert in den Bergen des Himalaya: Eine Gruppe von berittenen Banditen lauert Karawanen auf und raubt sie aus. Die junge Ushna schließt sich den langhaarigen Desperados unter ihrem Anführer Jalan an. Ushna führt die Banditen an weit entlegene Pässe, auf denen sie noch mehr Schmuck und Handelswaren rauben können. Jalan und Ushna verlieben sich. Ihre Beziehung macht die anderen Banditen eifersüchtig, und eines Tages kommt es zum Bruch. Das Paar zieht allein weiter, auf der Suche nach weisen Yogis, denen sie übernatürliche Fähigkeiten und das Elixier für das ewige Leben abtricksen.
Ein weißhaariger Reiter, der Yeti genannt wird, verfolgt Jalan und Ushna. Er meint, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat. Ushna, die keinen Nabel hat, soll dahin zurückkehren, wo sie hergekommen ist. Doch das Liebespaar trinkt das Elixier des ewigen Lebens, und Jalan schießt lachend vor Yetis Augen auf Ushna. Wider Erwarten stirbt sie. Viele Jahre später im modernen Tokio ist Jalan als Sterbehelfer unterwegs. Es gibt ein Wiedersehen mit Ushna, und auch mit Yeti.
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| FILMKRITIK
„Valley of Flowers“ stammt von dem indischen Regisseur Pan Nalin. Er verwendet für sein Drehbuch Motive aus dem Buch „Liebeszauber und Schwarze Magie“ von Alexandra David-Néel. Sie bereiste zu Anfang des 20. Jahrhunderts als erste weiße Frau die für Ausländer verbotenen Gebiete des Himalaya. Sie lernte mystische Praktiken des Buddhismus und Hinduismus kennen und schrieb in ihrem Buch auch über die Liebesgeschichte, die ihr ein Bandit erzählt hatte. Die indisch-deutsch-französische Koproduktion ist ein mystisches Märchen, das spannend beginnt, sich aber nach dem Sprung ins moderne Japan in unverständliche Gedankengänge verirrt.
Jalans verwegene Banditen des 19. Jahrhunderts verstehen sich als Verwandte von Robin Hood. Großgrundbesitzer haben sie schlecht behandelt, und deswegen gibt es für sie kein geregeltes Leben in ihrem Dorf. „Wir waren Außenseiter, bevor wir Banditen waren“, sagt Jalan seinen Kumpanen, und: „Auf unserem Weg gibt es keinen Frieden“. Der Wind pfeift über die endlosen Weiten und raschelt laut in den Gebetsfahnen – so laut, dass einer der Männer die Schnur mit den Fahnen durchschneidet. Desperados kennen keine Grenzen. Die mysteriöse Ushna passt gut zu den wilden Gesellen. Doch dann zeigt einer der Banditen auf die Fußstapfen des Yeti und sagt: „Das ist kein gutes Omen“.
Ängste vor den überall in den Bergen, hinter dem Wind versteckten Göttern und Dämonen suchen die Banditen heim. Doch Ushna und Jalan werden von ihrer Gier nach abgetrotztem Glück fortgetragen. Sie tricksen fremde Menschen mit magischen Gaunereien aus, rauben Dorfbewohnern den Schatten und Yogis die Fähigkeit zum Schweben. Das kann nicht gut gehen! Der Yeti, in Gestalt eines unbeugsamen Richters über die natürliche Ordnung, muss dem ein Ende setzen.
Es macht neugierig, in welche Abenteuer das in seiner Liebe unschuldige Paar läuft. Ob die Outlaw-Beziehung irdisch-tragisch endet, oder sich in eine Fantasygeschichte verwandelt. Ushna darf auch mal Lieder singen, die in die süßen Höhen Bollywoods entführen. Die Musik aus indisch-tibetischen Instrumenten sorgt für spirituelle Atmosphäre. Pan Nalins Dreh auf über 5000 Meter Höhe bewegt sich eindrucksvoll in einem Grenzland, in dem sich der Mensch leicht verlieren kann.
Doch dann geht der Liebesgeschichte ziemlich plötzlich die Puste aus. Nach dem Tod Ushnas sieht man die Füße eines Wanderers, mal winterlich beschuht, mal in Schlappen, durch die Jahre ziehen. Im Hintergrund ertönt irgendwann eine Hitlerrede, bald folgt Autolärm, und dann steigt Jalan mit einem Aktenkoffer aus einem Wagen in Tokio. Er ist als Sterbehelfer für unheilbar Kranke unterwegs. Was das zu bedeuten hat, bleibt wie das Wiedersehen mit der Ushna-Reinkarnation ein Rätsel. Es ist eben kein gutes Omen, den Yeti zu sehen.
| FAZIT
Die Liebesgeschichte eines Himalaya-Banditen und einer mystischen Schönheit verirrt sich im Labyrinth der Karmalehre.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung