Ein kleines Mädchen wird an ein Bordell im Rotlichtviertel von Tokio verkauft; dort wird sie zum eleganten Freudenmädchen namens Kiyoha ausgebildet, immer mit dem Ziel vor Augen, irgendwann die erste Frau im Hause, die Oiran, zu werden. Sie verliebt sich in einen Kunden, der sie aber fallenlässt. Ein anderer, ein reicher Fürst, will sie freikaufen, doch sie verweigert sich ihm – die anderen Huren wie auch der Besitzer des Bordells lehnen sie mehr und mehr ab, dennoch steigt sie zur Oiran auf… doch sie ist auch willens, dies alles wieder wegzuwerfen, wenn sie geliebt würde.
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| FILMKRITIK
Form ist alles in diesem Film, der unbedingte Wille zum Ästhetischen, die durchgängige Stilisierung von Farben und Formen. Bunt dominiert, kräftiges Bunt aus Primärfarben, insbesondere Rot: in Goldfischen, Kleidern, Lampions: im Rotlichtviertel eben, wo Kiyoha zur perfekten Prostituierten ausgebildet wird. Ein Bildungsroman mit starker formaler Künstlichkeit, die Lehrjahre eines kleinen Kindes, die zur höchsten Hure des Hauses wird.
Die Regisseurin Mika Ninagawa ist Fotografin, die Bilder ihres Debütfilms sind dementsprechend ganz, ganz stark; eine Symphonie von Farben, Formen, Gegenständen, verbunden mit Musik verschiedener Provenienz: Japanische Tradition, Tangoklänge, Bigband-Sound: ein beinahe synästhetisches Erlebnis ist dieser Film, ein Ineinanderfließen verschiedener sinnlicher Empfindungen.
Leider kann der Inhalt nicht ganz mithalten, die Handlung ist einem populären Manga nachempfunden, aber eigentlich kaum mehr als eine Seifenoper, die im Bordell spielt. Intrigen und Neid der Kolleginnen, die unerwiderte Liebe zu einem Kunden, der Liebeskummer, die sehnsüchtigen Blicke voller Romantik in den Mond: Hier, wenn die Handlung zu stark wird, verfließt sie fast zu Kitsch. Der Kunde, der Kiyoha (die dann, als Oiran, den Namen Higorahi führt) liebt und sie freikaufen will, die Schwangerschaft, die Fehlgeburt, eine heimliche, uneingestandene Liebe: das alles wird äußerlich erzählt, ohne wirkliche innere Anteilnahme zu erzeugen.
Aber dann sind da wieder Momente ganz over the top, voll Ironie und Komik, stark wie die Farben, in denen sie präsentiert sind…
Es ist ein durch und durch japanischer Film, das Spiel der Darsteller ist geprägt von Overacting, das das Innere ganz direkt auf die Mimik überträgt. Kiyoha ist gefangen in einem hierarchischen System von Unterdrückung und Gehorsam, gefangen von Regeln und Ritualen – und sie ist so trotzig! Als sie zur Oiran wird, ein Teenager noch, ist sie in der Position, ihre Launen auszulassen, ihre Kunden dazu zu bringen, ihre Gunst ganz, ganz teuer erkaufen zu müssen; nicht nur mit Geld, auch durch Gefälligkeiten für ihren Trotzkopf, ihren sprunghaften Stimmungen entsprechend. Auf merkwürdige Weise passt sie nicht in ihr Milieu, der Prostitution wie der japanischen Regelhaftigkeit – dabei, und das wird klar gesagt, ist ihre Position im Hause die eines schönen Goldfisches, der im Glas bleiben muss, weil er im Fluss zu einem gemeinen Karpfen würde.
| FAZIT
Wer Freude hat an herrlichen Bildern, wer auch hineingeworfen werden will ins durch und durch japanische System der Gefolgschaft, der Ästhetik, des Stilwillens, der wird an „Sakuran“ seine Freude haben – trotz einiger inhaltlicher Schwächen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung