Bruno ist Produzent von B-Movies, doch sein letzter Film liegt Jahre zurück. Das Leben ist eine einzige Midlife Crisis, die schon viel zu lange andauert: bei der Bank hat er Schulden, seine Ehe ist ein Desaster, die Kinder zu anstrengend. Eigentlich will er mit einem Film über Christopher Kolumbus sein Comeback feiern, da fällt ihm ein Drehbuch der jungen Autorin Teresa in die Hände: ein Film über Silvio Berlusconi. Ohne darüber nachzudenken, nimmt er den Film an. Bis ihm mit Schrecken aufgeht, wen er damit gerade angreift. Ist das seine letzte Chance oder ein böser Fluch?
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| FILMKRITIK
Eigentlich kommt „Il Caimano“ zu spät in die deutschen Kinos. Gedreht kurz vor den letzten Wahlen in Italien hatte Nanni Morettis Film durchaus politische Intentionen. Inzwischen ist Berlusconi lange abgewählt. Zudem ist es einer dieser Filme, den wahrscheinlich (in Deutschland) sowieso nur diejenigen sehen werden, die zum ehemaligen italienischen Premier bereits eine Meinung haben (und sich ihrer ablehnenden Haltung sicher sind). Und doch lohnt sich der Film, den der italienische Regisseur über den Medienmogul, den ehemaligen Premierminister, den Sportfunktionär gedreht hat. Denn es geht Moretti nicht nur um den Politiker Berlusconi, es geht um die Zustandsbeschreibung einer Gesellschaft, die jahrelang schon im System des Strippenziehers, im System Berlusconi verfangen ist.
Der Produzent Bruno ist perfekter Ausdruck dieses Systems. Einmal habe er selbst Berlusconi gewählt, gibt er zu. Ohne größere Hintergedanken. Eigentlich interessiert er sich mehr für sein eigenes Leben als für die Politik. Doch auch im Privaten ist es nicht zum Besten bestellt. Mit seiner Frau lebt er nur noch aus Gewohnheit zusammen und die beiden Söhne zum Fußball zu begleiten ist nur eine lästige Pflichtübung. Ganz zu schweigen von der Arbeit. Die besteht seit Jahren hauptsächlich darin, die Schulden möglichst gering zu halten. Erfolg sieht anders aus, Bruno ist ein typischer Versager, der nur noch vom „Ruhm“ seiner haarsträubend banalen B-Movies lebt.
Kann man überhaupt einen Spielfilm über Silvion Berlusconi drehen, ohne in Lobhudelei, Wahlkampf oder blanke Gegenpropaganda zu verfallen? Ohne mehr zu tun als sich nur seiner eigenen Position zu vergewissern? Diese Fragen stellt sich Bruno im Film. Nanni Moretti ist dies gelungen, gerade weil er sich genau diese Frage gestellt hat. Dadurch, dass er einen Film im Film etabliert, vermeidet Moretti, dass „Il Caimano“ nur ein der Aktualität geschuldetes Manifest ist. Die Frontalattacken gegen den Politiker überlässt er meistens über weite Strecken politischen Gegnern, um sich den Bürgern zuzuwenden. An der Figur des Produzenten gelingt es ihm, auf eindrückliche und gleichzeitig humorvolle Weise den jahrelangen Einfluss Berlusconis auf die italienische Gesellschaft zu offenbaren. Da ist auf der einen Seite Bruno, der diesen Einfluss mehr oder weniger gleichgültig hingenommen hat, und auf der anderen Seite Teresa, die vehement dagegen kämpft. Als sie Bruno das Drehbuch vorlegt, erkennt dieser, dass er dieses System attackieren muss, um (als Produzent wie auch als Mensch) noch eine Überlebenschance zu bekommen.
| FAZIT
Ein kluger Film, der mehr ist als nur veraltete Wahlkampfpropaganda gegen Silvio Berlusconi, da es Regisseur Nanni Moretti gelingt, bitterböse und humorvoll die gesellschaftliche Befindlichkeit unter dem ehemaligen italienischen Premier zu beschreiben.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung