Samstag | 26. Mai 2012 | 23:17 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | 1:1 - Eins zu Eins
  • 1:1 - Eins zu Eins

    Drama | Dänemark / Großbritannien 2005
  • | INHALTSANGABE

  • Die Jugendlichen Mie und Shadi leben in einer Kopenhagener Hochhaussiedlung. Mie ist Dänin, die Familie ihres Freundes Shadi stammt aus Palästina. Mies Bruder Per liegt im Krankenhaus im Koma, seit er eines Nachts auf der Straße von Unbekannten zusammengeschlagen wurde. In der gleichen Nacht sah Shadi im Haus seiner Eltern, wie sein Bruder Tareq sich um einen verletzten Freund kümmerte. Shadi verdächtigt fortan seinen Bruder, der ein guter Boxer ist, den Überfall auf Per verübt zu haben. Die Freundschaft von Mie und Shadi ist in Gefahr.
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Die dänische Regisseurin Annette K. Olesen thematisiert in dem Drama „1:1“ die mangelhafte Integration von Jugendlichen aus muslimischen Einwandererfamilien. Sie wollte außerdem zeigen, wie Misstrauen und Vorurteile nach den Terroranschlägen vom 11. September das Zusammenleben der Kulturen auch in Dänemark erschweren. „1:1“ ist ein eindringlicher, emotionaler Film über die Angst, die auf Gerüchten beruht und auf dem Schweigen, das zwischen muslimischen Immigranten und ihren dänischen Nachbarn herrscht.

        Am Anfang sieht man eine Vorortsiedlung, die auf dem Reißbrett entsteht. Ein Präsentator lobt das viele Sonnenlicht, das in die Wohnungen dringen wird – in dieser Modellsiedlung, so die Hoffnung, werden sich die Menschen wohl fühlen. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen weisen darauf hin, dass inzwischen viel Zeit vergangen ist. Mies und Shadis Gegenwart in dieser Siedlung legt der Film in viele Nachtaufnahmen. Der Blick streift über menschenleere Wege zwischen den Hochhäusern, in den Wohnungen scheint das Leben hinter weißen Gardinen erstarrt zu sein.

        Der Überfall auf Per ist für Mie und Shadi wie ein böses Erwachen. Auf einmal klafft zwischen ihnen ein kultureller Graben, den sie bislang allein durch ihre Zuneigung überbrückten. Die Polizei, Mies Oma, Pers Freund Benji glauben, dass jugendliche Immigranten Per zusammengeschlagen haben. Nur die Mutter, eine Sozialarbeiterin, weigert sich, die Siedlung für eine gefährliche Gegend zu halten. Mie hingegen befürchtet, dass Shadi die Täter kennt, sie aber nicht verraten will. In Shadis Familie weichen die Söhne den Fragen der Eltern aus, und der arbeitslose Tareq reagiert auf Shadis Misstrauen aggressiv. Die Gerüchte entfalten eine unheimliche Kraft. Tareqs Funktion im Film ist die des mutmaßlichen Täters, und die Zuschauer können damit experimentieren, wie ein Verdacht die eigene Wahrnehmung beeinflusst.

        Olesen versteht es, die Ungewissheit dramaturgisch hervorragend zu nutzen. Es entsteht eine beklemmende Spannung, die sich in langem, bedrücktem Schweigen zwischen Mie und Shadi spiegelt. Bis zum Schluss halten sich Pessimismus und Optimismus über den Ausgang der Geschichte im Gleichgewicht, so als wäre die Sicht des Zuschauers das Zünglein an der Waage. Die Regisseurin wollte ihren Filmtitel „1:1“ auch so verstanden wissen, dass genaues Hinschauen und Kommunikation das beste Mittel gegen die Angst sind.

        „1:1“ wirkt unprätentiös, authentisch, engagiert. Dazu tragen aus dem Leben gegriffene Dialoge und die jugendlichen Laiendarsteller bei, die vergessen lassen, dass sie Rollen spielen. Trotz seines Plädoyers für ein besseres Miteinander der ethnischen Gruppen erhebt der Film nie den pädagogischen Zeigefinger, wie er auch billige Lösungen und übertriebene Versöhnungsgesten vermeidet.
      • | FAZIT

      • Intensives Drama über ethnische Spannungen in einer dänischen Vorstadtsiedlung, die eine junge Liebe gefährden.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 0.0/10 (0 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN