Die junge Camille arbeitet als Putzfrau, isst zu wenig und friert in ihrer einsamen Pariser Dachstube. Eines Tages lädt sie ihren Nachbarn Philibert zu einem Picknick in ihre Wohnung ein. Der exzentrisch gekleidete Stotterer stammt aus einer reichen adeligen Familie und wohnt in der riesigen Wohnung seiner verstorbenen Großmutter. Dort hat er einen Untermieter, der als Koch arbeitet, Motorrad fährt, trinkt, kifft und sich mit Frauen vergnügt.
Als Camille krank wird, trägt Philibert sie in seine Wohnung und pflegt sie. Untermieter Franck und Camille können sich nicht ausstehen, doch irgendwann beschließen sie, sich miteinander zu arrangieren. Das tun sie so gründlich, dass in die lustige Dreier-WG schon bald auch Francks pflegebedürftige Großmutter einzieht, um die sich Camille liebevoll kümmert. Durch ihre Freundschaft blühen die vier unterschiedlichen Menschen auf.
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| FILMKRITIK
„Zusammen ist man weniger allein“ ist der Titel eines Bestsellers von Anna Gavalda über die Macht der Freundschaft. In einer Ersatzfamilie finden vier einsame, problembeladene Menschen in Paris neuen Halt und Lebensfreude. Der französische Altmeister Claude Berri hat das Buch adaptiert und eine beschwingte, romantische Komödie mit hervorragenden Schauspielern inszeniert. Obwohl die Handlung unweigerlich auf die harmonische Idylle zusteuert, die bereits der Titel ankündigt, ist hier der Weg das Ziel. Und dieser Weg ist mit seinem Einfallsreichtum und seinen kleinen Überraschungen voller Wonnen wie ein Spaziergang im Mai.
Ähnlich wie in „Die fabelhafte Welt der Amélie Poulain“ hat Audrey Tautou wieder die Rolle einer guten Fee, die andere Menschen glücklich machen will. Dabei ist sie als Camille anfangs arg dünn, blass, ja grau im Gesicht. Dass sie sich noch die Haare jungenhaft kurz schneiden lässt, gibt sie dem Gelächter einer von Francks Gespielinnen preis. Und ähnlich wie in „Amélie Poulain“ wird man auch in dieser Geschichte auf skurrile Wege gelockt, auf denen alles möglich scheint, und doch vieles anders kommt. So erscheint der stets mit Fliege und gern mit karierten Hosen geschmückte Philibert mit einem Strauß Rosen bei Camille – und verliebt sich kurz darauf in eine andere.
Doch in dieser Geschichte steht die freundschaftliche Zuneigung, nicht die große Liebe im Mittelpunkt. Je mehr sich die Charaktere füreinander interessieren, desto lebendiger werden sie und man staunt, wie viel sie zu geben haben. Camille und Franck vertiefen ihre langsam wachsende Beziehung dann doch noch etwas mehr. Auch das ist witzig gemacht, denn Draufgänger Franck muss erleben, dass die spröde Camille sich ihm keineswegs versprechen will, nur weil sie zusammen ins Bett gehen.
Die Spannung und Komik des Films sind hauptsächlich den gegensätzlichen Charakteren zu verdanken und ihren schwierigen Dialogen. Man fragt sich anfangs, wie lange es der überkorrekte Philibert und der aggressive Genussmensch Franck noch nebeneinander in einer Wohnung aushalten werden. Und wie lange Franck seine schwierige und hilflose Großmutter noch im Krankenhaus besuchen wird. Schließlich stöhnt er schon sehr und wird immer mürrischer, weil er die Alte gegen ihren Willen in ein Heim bringen muss.
Während Guillaume Canet als Franck seinen Charme erst nach und nach in den Begegnungen mit der Großmutter und vor allem mit Camille entfaltet, ist der Theaterschauspieler Laurent Stocker als Philibert von Anfang an eine Wucht. Wenn er zum Beispiel beim Logopäden Sprechübungen gegen das Stottern macht, umspielt ein amüsiertes Lächeln seine Mundwinkel, das ihn zur schillernden Figur werden lässt. So simpel die Botschaft der Geschichte für einsame Städter auch ist, dieser Film vermag mit seiner Frische und Spielfreude die Sinne zu beleben.
| FAZIT
Erfrischende Komödie über vier eigenwillige Großstädter, die sich zusammenraufen und die besten Freunde werden.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung