FILM REVIEW | Die Töchter des chinesischen Gärtners
Die Töchter des chinesischen Gärtners
Drama
| Frankreich / Kanada 2006
| INHALTSANGABE
Die junge Li Ming ist in einem Waisenhaus aufgewachsen. Sie bekommt ein Praktikum beim Botanikprofessor Chen. Der lebt mit seiner Tochter An zurückgezogen auf einer Insel. Chen ist autoritär und herrisch, doch An freut sich über die gleichaltrige Gefährtin. Zwischen den üppigen, exotischen Pflanzen im Garten und im Gewächshaus kommen sich die jungen Frauen näher. Im China der achtziger Jahre ist lesbische Liebe verboten, und so suchen Li Ming und An nach einem Ausweg, damit sie weiter zusammenbleiben können: Li Ming soll Ans Bruder heiraten.
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| FILMKRITIK
Der chinesische Filmemacher und Schriftsteller Dai Sijie, der in Frankreich lebt, wurde mit dem Roman „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ berühmt. Ähnlich wie in diesem Buch, das Dai Sijie auch verfilmte, erzählt er auch in seinem Film „Die Töchter des chinesischen Gärtners“ mit kritischem Realismus von den Spannungen und Widersprüchen des Alltags in China. Diesmal widmet er sich dem Tabuthema der lesbischen Liebe. Der romantische Film spielt in den achtziger Jahren, als Homosexualität in China noch mit dem Tod bestraft werden konnte. Auch jetzt noch wird das Thema geächtet: Dai Sijie erhielt keine Drehgenehmigung in China und musste nach Vietnam ausweichen.
Die achtziger Jahre waren in China eine spannungsreiche Zeit: Die Aufbruchstimmung besonders der studentischen Jugend traf vielerorts auf rigide Moralvorstellungen. Li Ming bereichert die der Zeit entrückte Insel mit zwei Boten der Moderne: einem roten Radiorecorder und einem Vogel, der frech „Lang lebe Mao Tse-tung!“ schreit. An ist isoliert aufgewachsen, mit einem Vater, den sie bedient, und einem Bruder, der jetzt Soldat in Tibet ist. Beide Männer sind es gewöhnt, über Frauen zu bestimmen.
Die dampfige Atmosphäre in dem alten Botanischen Garten, die exotischen Vogelstimmen, die geheimnisvollen halbdunklen Räume schaffen das wildromantische Ambiente für die verbotene erotische Annäherung der beiden jungen Frauen. Die fantastischen Landschaftsaufnahmen mit Bergen und Seen ähneln chinesischen Aquarellen. Die Kamera liebt verschwommene Hintergründe, von denen sich die Gesichter von Li Ming und An besonders gut abheben. Manchmal zerfließen die Farben der Umgebung zu einem undefinierbaren Braun oder Grün, in dem nur eine helle, bunte Lampe einen Orientierungspunkt setzt.
Chen mag Li Ming nicht, die er misstrauisch beäugt und die auch mal eine Heil- mit einer Giftpflanze verwechselt. Dai Sijie erinnert mit dieser Metapher an alte chinesische Klischees, die unkontrollierte Weiblichkeit mit dämonischer Gefahr gleichsetzen. Der Professor befürchtet, dass Li Ming keinen guten Einfluß auf An ausübt, die plötzlich vergisst, ihm Tee zu bringen. Als Braut für seinen Sohn jedoch hält Chen die Praktikantin für geeignet.
Chen und sein Sohn schneiden in ihrem Verhalten den Frauen gegenüber nicht gut ab. Und auch die Blicke anderer Männer, als sich Li Ming und An zum Beispiel in einem Teehaus die Hände drücken, verheißen nichts Gutes. An gerät zudem in einen Konflikt zwischen ihrer Rolle als liebende Tochter, und ihrem Wunsch, ihr eigenes Leben zu leben. Die lustfeindliche Gesellschaft zieht die Schlinge um die beiden Dissidentinnen zu. Trotz aller romantischen Bilder und der feinen Beobachtung kultureller Spannungen schafft es Dai Sijie nicht, die sinnliche Dynamik von der Leine zu lassen. So bleibt die lesbische Liebe mehr gemalt, als gelebt.
| FAZIT
Das Tabu einer lesbischen Liebe im China der achtziger Jahre: Drama von Dai Sijie in der bewährten Mischung von romantischen Bildern und Gesellschaftskritik.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung