How to cook your life – wie man sein Leben kocht. Filmemacherin Doris Dörrie entwirft ein vielseitiges Porträt des Zen-Priesters und Koch Edward Espe Brown, Verfasser der bekannten Tassajara Kochbücher.
Wir befinden uns zunächst im buddhistischen Zentrum in einem kleinen beschaulichen Ort in Österreich. Dort gibt Brown eines seiner Seminare. Doch es geht hier nicht nur um Kochkunst – es geht um buddhistische Lehren, die Haltung des Kochs zum Essen und um Brown selbst, der seine Lebensweisheiten immer wieder mit viel Emotionalität vorträgt.
Doch schon bald verknüpft Dörrie Browns Geschichten mit anderen Bildern und anderen Orten. Wir sehen Brown in Fairfax, Kalifornien. Dort arbeitet er als Küchenchef in einem buddhistischen Kloster. Wir sehen historisches Material von seinem Lehrmeister Suzuki Roshi und verstehen etwas mehr was den Buddhismus und das Kochen anbelangt. Gleichzeitig hören wir auch immer wieder Zitate von Brown über Roshi und erkennen die Verbindung zwischen den beiden.
Schließlich verlassen wir sogar das Kloster und die Küche und folgen Dörrie auf ihren teils humoristischen und teils politischen Erkundungsfahrten durch Kalifornien. Wenn Brown über die Verschwendungssucht der westlichen Welt philosophiert und wie sie Menschen aus Mülleimern ernähren könnte, sehen wir eine Frau, die sich tatsächlich ihre Lebensmittel aus verschiedenen Quellen wie den Gärten ihrer Nachbarn und dem Mülleimer hinter großen Supermärkten zusammenträgt.
Und so führt der bunte Konkurs über das Leben und die Religion weiter durch die Küchen und hinterfragt bestehende Regeln unserer Kultur.
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| FILMKRITIK
Dörries neuer Film ist eine sehr heitere Abhandlung, die sich bald nicht mehr auf das Kochen selbst bezieht, sondern auf eine bunte Variation von Themen der Menschheitsgeschichte. Sie durchstreift große Fragen der Religion, Philosophie und Politik mit einer enormen Leichtigkeit, von der man sich als Zuschauer gerne anstecken lässt.
Zwar verliert man einige Male den Überblick, wo genau auf dem großen Erdball man sich gerade im Film befindet. Doch diese Verwirrung gehört zum System. Schließlich kann man sie als unauffälliges Statement zur Globalisierung werten. Denn die Fragen, die Dörrie aufwirft, werden in allen Kulturen gestellt.
Wer eine langweilige Abhandlung über Zen-Buddhismus erwartet, wird hier eines besseren belehrt. Edward Espe Brown ist ein buntes Sammelsurium an Emotionen. Und damit als Mensch erstaunlich unperfekt, etwas was man von einem Zen-Mönch nicht unbedingt erwarten würde. Doch genau dies macht den Charme des Filmes aus. Wenn Brown aufgrund der chaotischen Kursteilnehmer fast die Ruhe verliert und sichtbar um Beherrschung kämpft, sind wir ihm, dem Menschenk, sehr nahe. Und wenn er aufgrund ein paar zerdellter Teekessel eine Abhandlung über das Glücklichsein vorträgt, sehen wir den buddhistischen Mönch und seine Erkenntnisse, und dies ist tief ergreifend.
Und so nehmen wir seine Weisheiten gerne auf, denn offensichtlich kommen sie von einem Menschen, der schon viel in seinem Leben gelernt hat. Wenn Brown zum Beispiel erklärt, dass er 20 Jahre gebraucht hat um zu verstehen und einzusehen, warum man dem Buddha Lebensmittel darbietet, obwohl dieser sie doch nie isst, hat diese selbstironische Erkenntnis eine tiefe Vertrautheit zur Folge. Hier ist ein Mensch, der Dinge hinterfragt, nicht einfach hinnimmt und trotzdem seinen Glauben im Buddhismus gefunden hat. Dies ist viel leichter hinzunehmen, als ein Mensch, der schon immer seine Position bei einem Gott gefunden hat.
Damit hat der Film auch eine religiöse Qualität, fast möchte man selbst dem Buddhismus beitreten um diese Weisheiten am eigenen Körper zu erlangen.
Man bekommt tatsächlich ein Gefühl der Läuterung beim Sehen dieses Filmes. Und wenn Dörrie sogar so weit geht und in die philosophischen Anschauungen über unsere Kultur und das Leben politische Fragen einfließen, hat man für einen kurzen Moment das Gefühl, man würde die Welt und ihre Problematik begreifen.
| FAZIT
Ein sehr frohgemuter Dokumentarfilm über das Leben, der einem tiefe Einsichten in unsere Kultur gewährt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung