Sonntag | 27. Mai 2012 | 05:15 Uhr
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  • FILM REVIEW | Shrek der Dritte
  • Shrek der Dritte

    Komödie, Animation | USA 2007
  • | INHALTSANGABE

  • Dass Shrek, dessen Lieblingsort ein muffiger Sumpf ist und der sich über morgendlichen Mundgeruch freut, nicht unbedingt königliches Material ist, wurde vermutlich schon in den ersten beiden Teilen der Shrek-Filme deutlich. Als vorübergehender Vertreter seines Schwiegervaters, des todkranken Königs, nimmt er zu Beginn des dritten Teils dann auch das Wort Ritterschlag etwas zu wörtlich und verpasst dem armen Ritter eine Fleischwunde, versenkt ein Schiff bei der Schiffstaufe und bringt fast den Palast zum Einsturz. Kostüm und Puder stehen ihm und seiner lieblich grünen Gattin Fiona auch nicht wirklich und verleiten Shrek dazu, sich vor versammeltem Hofstaat königlich den Hintern kratzen zu lassen. Der Froschkönig jedoch, den Shrek in Teil2 noch von seiner Tauglichkeit als Schwiegersohn überzeugen musste, glaubt fest an dessen Regeierungsfähigkeiten und vermacht ihm auf dem Sterbebett den Thron. Nur einer kann Shrek vor der dem königlichen Korsett retten – Fionas Cousin Artus, der nächste auf der Thronfolger-Liste. Doch während der erst noch einiges an Shreks handfester Überredungskraft verlangt, versucht Prinz Charming das Zepter an sich zu reißen und schmiedet Pläne für Shreks Ermordung…
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      • | FILMKRITIK

      • Muttersöhnchen Prinz Charming, der es nur zum erfolglosen Talentshow-Schauspieler gebracht hat und es leid ist, allabendlich mit Buhrufen in die düsteren Gassen von Far, Far Away (Weit, Weit Weg) vertrieben zu werden, möchte aus seiner dilettantischen Show Wirklichkeit machen und König werden. Er rottet die bösen Märchenfiguren zusammen, die endlich auch einmal im Mittelpunkt stehen möchten, und während sich Shrek mit dem Esel und dem gestiefelten Kater auf die Suche nach dem Ersatz-Thronfolger Artus macht, stürmen Charming und sein Heer aus Hexen und bösen Stiefmüttern das Schloss.

        „Shrek – der Dritte“ mag zwar keine besonders unkonventionelle Geschichte haben – die Bösen und die Guten teilen sich in zwei überaus eindeutige Lager und der Plot ist schnell erzählt – aber es sind wie so oft die Details, die kleinen Einfälle, die zählen. Wenn zum Beispiel die bösen Märchenfiguren die Stadt unsicher machen, besteht eine ihrer bedrohlichen Handlungen darin, in die Briefkästen zu greifen und die Marken von den Briefen zu reißen, damit sie ihren Empfänger nicht erreichen. Das ist immer hin Bösartigkeit über Ecken gedacht. Ein ungemein lustiger Moment entsteht auch, als dem Pfefferkuchenmännchen im Angesicht des Todes sein überraschend aufregendes Lebkuchen-Leben in Regenbogenfarben vor den angstgeweiteten Augen abläuft, und Pinocchio zum Rhetoriker wird, um mit seiner wahrheitsliebenden Nase nicht Shreks Aufenthaltsort preiszugeben.

        Dreamworks Animation, die zuletzt vor allem mit „Madagascar“ überzeugten, schaffen auch im letzten Teil der Shrek-Trilogie eine visuell abwechslungsreiche Reise durch ein Märchenland, in dem sich Mittelalter und Neuzeit zu einem zeitlichen Pastiche mischen, das der Phantasie freien Lauf lässt. Auch ein paar neue Charaktere bringen Schwung in die alte Geschichte – sei es ein Vollzeitbabysitter, der sich als altes Männlein entpuppt, dessen dröhnendes „Wo ist das Baby?“ einen running gag liefert oder aber der Zauberer Merlin, der sich auf Empfehlung seines Therapeuten nach einem Nervenzusammenbruch in die Ruhe der Natur zurückgezogen hat und anstelle der Magie sein Karma mit Meditation – „Ich bin eine Sumsebiene!“ – und ökologischer Ernährung pflegt.

        Von den aus Teil 2 bereits bekannten Figuren überzeugt die stimmliche Performance Benno Fürmanns als gestiefelter Kater mit dem leidenschaftlich spanischen Akzent – und Temperament – am meisten. Der toughe Frauenheld bringt zur Freude des Zuschauers auch wieder seine verführerisch bettelnden Hundeaugen zum Einsatz.

        Weniger unterhaltsam ist dagegen Fionas Cousin Artus, der als wandelndes Klischee des geschmähten, jugendlichen „Losers“ einer zweitrangigen Teenagerkomödie entlaufen zu sein scheint. Ähnlich blass gestaltet sich der Plot um Shreks Ausflug in Arties High School, wo Shrek „echt voll eklig” ist. „Ja sowas von voll”. Um Artus von seiner Berufung zum König zu überzeugen, probiert es Shrek mit College-Talk und begibt sich damit auf ein plattes Niveau, das man von den sonst so ironischen Shrek-Abenteuern gar nicht gewohnt ist.

        An Ironie mangelt es zum Glück ansonsten meist nicht. Beim tränenreichen Beerdigungszeremoniell des ehrwürdigen Froschkönigs zum Beispiel rocken die Trauergäste stilvoll zu „Live and let die“ von den Wings. Allein für die Musikauswahl, einem Mix aus Rockklassikern von The Ramones bis Led Zeppelin und neueren Hits von den Eels und Damien Rice, lohnt es sich, Shrek auf seine dritte Runde Abenteuer zu folgen. Die typisch hollywoodesken, spannungsgeladenen Klaviereinlagen zum Action-Duell, werden hier schon mal von den Bösewichten selbst gespielt und die romantisch kitschige Operneinlage der Prinzessin verwandelt sich in plötzliches Kampfgeschrei.

        „Shrek – der Dritte“ verlegt selbstironisch Hollywood nach Far Far Away, dessen Name in Form der bekannten Hollywood-Lettern über der Hauptstadt prangt, und verlegt die Traumfabrik auf die mittelalterliche Bühne des Bösewichts Charming, wo Shrek dessen kitschige Musicalnummer als falschen Zauber entlarvt, der nur auf Effekthascherei und teuren Illusionsmaschinen basiert.

        Die Shrek-Fortsetzungen haben also ihren ironischen Biss nicht verloren, dennoch sind sie nicht mehr ganz so bissig neu wie der erste – die Protagonisten mit all ihren Sonderbarkeiten und Besonderheiten sind mittlerweile altbekannt und an die Stelle wilder Drachen-Kämpfe tritt das Abenteuer des ganz normalen Alltags. Familienplanung und Vaterfreuden stehen daher auch im Mittelpunkt des Films. Während der Esel glücklich seinem Feuer speienden Nachwuchs Manieren beibringt, bringt Shrek die Vorstellung von pupenden und schreienden Ogerbabys um seinen Schlaf. Die Shrek-Trilogie als Reise durch die verschiedenen Lebensperioden Shreks und seiner Liebsten Fiona lässt die Frage aufkommen: Steckt nicht ein bisschen Shrek in uns allen?
      • | FAZIT

      • Animationskomödie über Familienplanung, Regierungsaufgaben und andere Kleinigkeiten, die eine würdige Fortsetzung der Shrek-Filme bietet, die ironische Würze des ersten Teils aber nicht ganz erreicht
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Julia von Lucadou

      • | Userwertung

      Wertung: 6.0/10 (2 votes)

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