Sonntag | 27. Mai 2012 | 05:19 Uhr
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  • FILM REVIEW | Half Moon
  • Half Moon

    Drama, Komödie | Frankreich / Iran / Österreich 2006
  • | INHALTSANGABE

  • Nach dem Sturz von Saddam Hussein im Irak will der alte kurdische Komponist Mamo in dem Land ein Konzert geben. Er ruft seine vielen Söhne zusammen zu der Reise aus dem Iran in den Irak, um dort das Ende der Unterdrückung kurdischer Musik zu feiern. Er bittet einen Freund, einen Reisebus aufzutreiben und sie als Fahrer zu begleiten. Die Reise durch die verschiedenen Staaten, auf deren Gebiet Kurdistan liegt, wird zur Odyssee. Mamo hat Visionen, in denen eine junge Frau einen Sarg zieht.
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      • | FILMKRITIK

      • Regisseur und Drehbuchautor Bahman Ghobadi ist Iraner kurdischer Abstammung. Er wurde bereits mit seinem ersten Spielfilm aus dem Jahr 2000, „Zeit der trunkenen Pferde“, international bekannt. „Half Moon“ ist ein atmosphärisch dichtes Drama über die Unterdrückung des kurdischen Volkes. Auf das Gebiet der Staaten Irak, Iran, Syrien und Türkei aufgeteilt, waren die Kurden stets in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und den herrschenden politischen Mächten unterworfen.

        Ghobadi schildert das Leiden der Kurden am Beispiel der Grenzübertritte, die Mamos Reisegesellschaft bevorstehen. In absurden Szenarien mitten im bergigen Niemandsland sehen sich die Businsassen plötzlich bewaffneten Grenzern auf der Landstraße gegenüber. Deren Willkür oder bürokratische Bestimmungen könnten die strapaziöse Reise abrupt beenden. Mamo und seine Leute erleben, dass es auch nach dem Sturz Saddam Husseins im Irak für sie als Kurden in dem Dreiländergebiet Irak-Iran-Türkei noch lange keine Freiheit und Selbstbestimmung gibt.

        Im Iran wurde „Half Moon“ kurz nach der Uraufführung verboten. Denn auch dieser Staat kommt nicht ohne Kritik davon: Mamo holt eine Sängerin zur Unterstützung der Gruppe aus einem Dorf, in das über 1000 Sängerinnen verbannt wurden. Auch wenn dieses Dorf fiktiv ist, leidet die kurdische Musik unter dem im Iran herrschenden Auftrittsverbot von Solosängerinnen vor männlichem Publikum. Eine besonders eindrucksvolle Szene von „Half Moon“ zeigt, wie die verbannten Frauen mit ihren Handtrommeln in Reih und Glied die Ankunft von Mamo verfolgen und plötzlich Musik machen.

        Der deutsche Verleih verzichtete auf Synchronisierung und bringt die kurdische Originalfassung mit Untertiteln ins Kino. Diese Entscheidung ist schon für die atmosphärische Qualität des Roadmovies von großer Bedeutung. Die kurdische Sprache mit dem häufigen Gruß „Salemaleikum“, begleitet vom wehmütigen Gesang des Soundtracks, erzeugt eine Stimmung, die direkt in das Leben vor Ort entführt. Die Reise geht entlang kahler Bergrücken, an die sich kleine Hangsiedlungen schmiegen. Und in der weiten Einöde gibt es plötzlich ein Restaurant: ein Zelt aus Plastikplanen, bevölkert von Männern, die Wasserpfeife rauchen, und von Federvieh.

        Der Busfahrer Kako hat ein Talent für fabulierendes Erzählen, ebenso wie für das Feilschen. In einer besonders witzigen Szene schafft er es, einem Grenzer, der für seine Hilfe Bares verlangt, stattdessen Geld zur Unterstützung der Reise abzuknöpfen. Das Visionäre, das im letzten Abschnitt der Handlung dominiert, wirkt zwar etwas übertrieben mystisch. Doch es dient der ehrenwerten Aussage, dass Mamo den Tod weniger fürchtet als den Verzicht auf das Konzert. „Half Moon“ ist Kino zum Staunen, ein Film, der wirklich das Tor zu einer anderen Welt öffnet.
      • | FAZIT

      • Stimmungsvolles Roadmovie aus Kurdistan, das kritisch auf die Lage seiner Bewohner aufmerksam macht.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 6.0/10 (1 vote)

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