Erik und Phillip verbindet nicht nur ihre Liebe zum Schreiben oder ihr großes gemeinsames Vorbild, der Schriftsteller mit dem bedeutungsschwangeren Namen Sten Dahl. Sie verbindet ein Lebensgefühl. Mit ihrer Clique junger Männer Anfang Zwanzig leben sie die Verrücktheiten und Träume einer wilden Jugend – eine Welt aus Parties, Punkrock und einem nicht gerade komplexen Verhältnis zu Frauen. Doch für Phillip verändert sich alles, als sein Erstlingsroman einen Verleger findet und er über Nacht zum Star der norwegischen Kulturszene wird. Ein halbes Jahr später holen ihn seine Freunde aus einer Psychiatrie ab und er muss versuchen, ein Stück Normalität wieder zu finden, während Erik immer noch nach einem Verleger für sein erstes Buch sucht. Ihre enge Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Denn da ist auch noch Kari, Phillips große Liebe, in der die Ärzte einen der Auslöser für dessen Psychose sehen.
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| FILMKRITIK
Alles beginnt mit zwei braunen Umschlägen in einem roten Briefkasten. Oder etwa nicht? In „Auf Anfang“ kann jederzeit die Zeit zurückgedreht werden, kann jedes Bild sich als Vision oder Traum entpuppen. Er zeigt uns die Welt im Konjunktiv, die Macht der Möglichkeiten und das dazwischen, den Blick in die Zukunft und in die Vergangenheit.
Doch soviel Aktion, wie es der konjunktivische Modus des was-wäre-wenn verspricht, bleibt aus. Wo alles möglich ist, regiert oft der Stillstand. An die Stelle einer linearen Geschichte setzt der Film atmosphärische Eindrücke, poetische Kopfbilder, visualisierte Konstruktionen und Projektionen.
Ein Erzähler hält die Stücke zusammen, kommentiert und erläutert aus dem Off mit humorvoll ironischem Ton, wobei er sich weniger als Wegweiser entpuppt, sondern selbst ein bisschen wie ein Traumwandler erscheint, der sich bei Kleinigkeiten aufhält, abschweift, stehen bleibt oder plötzlich für eine Weile verschwindet. Auch tragen seine in neutralem Ton vorgetragenen Figurenprofile zu der teils fast dokumentarischen Ästhetik des Films bei, der auch immer wieder Photographien, Schriftzüge und Nachrichtenartikel miteinbezieht.
Die innovative Montage, die nicht vor harten Schnitten, extremen Zeitsprüngen und plötzlichen Schwarzbilder zurückschreckt, erscheint daher fast collageartig. „Auf Anfang“ ist ein Spiel mit der Zeit. Mit Slow motion und freeze frames bringt er die Zeit zum stillstehen und lässt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander übergehen und verschmelzen, indem er Stimmen und Bilder aus unterschiedlichsten zeitlichen Ebenen übereinander legt.
Erinnerung als Verbindung zwischen Vergangenem und Jetzt steht daher auch im Mittelpunkt des Films – Erinnerungsfragmente, nostalgische und schmerzvolle, und ihre Bedeutung für die Gegenwart. Phillip glaubt, sein Leben dadurch in den Griff bekommen zu können, dass er Erinnerung wiederbelebt. Doch der Versuch, die Vergangenheit festzuhalten oder zurückzuholen scheitert. „War ich glücklich?“ fragt er seine große Liebe Kari in der Traumstadt aller Liebenden, Paris, und macht nur umso deutlicher, dass er es nun nicht mehr ist.
Das Leiden des jungen P. an der unerträglichen Leichtigkeit des Seins in der Party-Metropole Oslo wird paradoxerweise durch eine angenehm leichte Atmosphäre aufgelockert. Ein Verleger, der sich am liebsten selbst zuhört und Talkshows, in denen Büchern Labels verpasst werden, die mit dem Inhalt nichts zu tun haben, bieten einen ironisch humorvollen Blick auf den Literaturbetrieb. Humor und Ernst gehen so fließend ineinander über wie die konjunktivischen Zeit-Bilder.
Der Film konzentriert sich sehr auf seine Figuren, widmet ihnen viele Großaufnahmen und schiebt Blicke und Gesten in den Mittelpunkt. Dabei kommt die Handlung etwas zu kurz, entstehen an manchen Stellen Längen. „Auf Anfang“ ist eher eine Zustandsbeschreibung als eine Geschichte. Dennoch überzeugt Joachim Trier mit seinem Erstling ähnlich wie seine Protagonisten mit ihren Romanen durch eine frische, „junge“ Ästhetik, dazu überzeugenden Schauspielern und einer fesselnden Atmosphäre.
„Das wichtigste im Leben wird durch Musik ausgedrückt, nicht durch Worte“ zitiert der Verleger im Film Wittgenstein. Obwohl es um Schriftsteller geht, wird das Wichtigste in „Auf Anfang“ nicht über Worte ausgedrückt, sondern über den abwechslungsreichen, mal rockig-wilden, mal hypnotisch stillen und in jedem Fall hörenswerten Soundtrack.
| FAZIT
Humorvoll verträumter Film über die Irrungen und Wirrungen, Träume und Exzesse der Jugend und die Kunst des Schreibens – erzählt als Spiel mit der Zeit in poetisch fragmentarischen Bildern.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung