Ein unsichtbarer Erzähler führt die Zuschauer in eine Geschichte aus der Vergangenheit: Es war die Zeit der Gänseeierjagd, als die Vorfahren der heutigen Aborigines im Norden Australiens in die Sümpfe aufbrachen, um Kanus zu bauen. Der junge Dayindi hatte sich in die jüngste Frau seines älteren Bruders Minygululu verliebt. Minygululu zeigt Dayindi also nicht nur, wie man ein Kanu baut und es durch den Sumpf steuert, sondern er erzählt ihm auch eine Geschichte aus mythischer Vorzeit, um ihm den rechten Weg in moralischen Dingen zu weisen.
Diese Geschichte handelt von dem Krieger Ridjimiraril, der drei Frauen hatte und einen jüngeren Bruder. Yeeralparil, so hieß der ledige Mann, begehrte die dritte Frau des Bruders. Doch das Stammesgesetz erlaubte eine solche Beziehung nicht. Eines Tages verschwindet die zweite Frau von Ridjimiraril, und der Krieger verdächtigt einen geheimnisvollen Fremden, sie entführt zu haben. Er will den Fremden töten, erwischt jedoch versehentlich dessen Bruder. Der Fremde und seine Begleiter fordern Blutrache. Nach Ridjimirarils Tod bekommt Yeeralparil endlich die Frauen seines Bruders – leider nicht nur die jüngste.
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| FILMKRITIK
Der in Australien lebende Filmemacher Rolf de Heer hat mit Aborigines aus dem Norden einen Spielfilm gedreht, der ihren Traditionen und Mythen gewidmet ist. In „Zehn Kanus, 150 Speere und drei Frauen“ zeigt ein schwarz-weißer Film im Farbfilm, wie die Ureinwohner vor Hunderten von Jahren in den Sümpfen Kanus bauten und Gänse jagten, wie sie dabei scherzten und wie der junge Dayindi sich benachteiligt fühlte, weil er keine einzige Frau hatte, sein Bruder aber drei.
Der unsichtbare Erzähler kommentiert Dayindis Unerfahrenheit, sowohl was das Handwerkliche angeht, als auch bezüglich der Stammesgesetze. Während der mehrtägigen Expedition der Kanubauer und Jäger in die Sümpfe nimmt der ältere Bruder Dayindi also an die Hand und bringt ihm die nötigen Fertigkeiten bei, immer wieder unterbrochen von einer Erzählung über brüderliche Eifersucht aus mythischer Vorzeit. Diese Geschichte ist in Farbe gedreht. Der Erzähler beschreibt sie als Baum, der wachsen und sich verzweigen muss, und die dafür Zeit braucht. Das verlangt von Dayindi praktische Übung in Geduld, und vom Zuschauer auch.
In mythischer Vorzeit also lebten der Krieger Ridjimiraril und sein kleiner Stamm von der Speerjagd und dem Sammeln von Früchten. Die Menschen streiften praktisch nackt durch die Landschaft, und der Zauberer bemalte sich am ganzen Körper, bevor er die Gegend nach böser Magie absuchte. Die Frauen Ridgimirarils, so berichtet der Erzähler, zankten sich und waren eifersüchtig aufeinander. Der junge Bruder Yeeralparil wiederum, der etwas abseits in einem Camp für die ledigen Männer wohnte, ließ seine Beine öfter dem Ruf seines Herzens folgen und stellte der schönen dritten Frau des Bruders nach – auch wenn ihn deswegen die anderen Jungen verspotteten.
Rolf de Heer lässt in seinem Buschmärchen die kulturellen Wurzeln der Aborigines, von ihrer Sage der Entstehung der Menschen über das alte Stammesgesetz bis hin zum Ritual des Todestanzes, lebendig werden. Die einheimischen Laienschauspieler zeigten sich sehr zufrieden mit dem Projekt. „Dieser Film ist unseren Kindern gewidmet, damit sie wissen, woher sie kommen“, kommentierte eine Darstellerin.
Rigdimiraril und seine Leute sind scharfzüngig, oft lustig, manchmal traurig oder einsam. Sie haben auf zwischenmenschlicher Ebene so ungefähr die gleichen Probleme wie die Menschen heute. Das macht die Geschichte interessant genug, um auch über die alten Rituale etwas erfahren zu wollen. Die ungestüme Jugend, so die Moral der Erzählung, muss lernen, sich zu gedulden, sich in die schwere Bürde anderer einzufühlen und den Sinn der Stammesgesetze zu verstehen.
Der ungewöhnliche Film erinnert an die in der Mongolei gedrehten „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ und „Die Höhle des gelben Hundes“, an denen auch einheimische Laiendarsteller mitwirkten. Doch hier geht es gänzlich um die Bebilderung einer schon längst vergangenen Welt. Etwas irritierend wirkt die Film-im Film-im Film-Unterteilung: dass der unsichtbare Erzähler in die vergangene Schwarz-Weiß-Welt Dayindis führt und von dort noch weiter in die farbige Urzeit, die immer wieder verlassen wird, um zu sehen, wie weit Dayindis Gruppe mit dem Kanubau gekommen ist.
| FAZIT
Der ethnologisch interessante Spielfilm lässt mythische Geschichten der australischen Ureinwohner lebendig werden.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung