Das Ehepaar Amy und David Fox ist nachts auf der Heimreise in ihrem Auto. Der übermüdete Fahrer David verlässt die Autobahn und sucht eine Abkürzung auf der Landstraße. Ein seltsames Geräusch im Wagen lässt sie an einer Tankstelle halten. Der Mechaniker weist ihnen einen Weg durch den Wald und sagt, am Wagen sei wohl kein großes Problem. Doch mitten im Wald bleibt das Auto stehen. David und Amy gehen zurück zur verlassenen Tankstelle, neben der das Pinewood Motel steht.
Amy möchte dort auf keinen Fall bleiben, denn der Manager ist ein seltsamer Kauz, aus dessen Büro grauenhafte Schreie dringen. Doch David nimmt die Flitterwochensuite für eine Nacht. Das Zimmer ist eine heruntergekommene Absteige, an deren Türen es plötzlich kräftig hämmert. Doch in den angrenzenden Räumen ist niemand. Und als David ein paar Videocassetten einlegt, sieht er Snuff-Filme, deren Opfer Motelgäste sind – in der Flitterwochensuite. David und Amy finden im Zimmer mehrere Videokameras.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Schon der Anfang des Thrillers „Motel“ verheißt nichts Gutes: Amy und David stehen vor der Scheidung, und ihre Wortwechsel auf der Autofahrt sind bissig. Auch liegt ein schreckliches Ereignis hinter ihnen: In wenigen Andeutungen erfährt man, dass der kleine Sohn kürzlich bei einem Unfall gestorben ist. Amy und David haben Angst, schon bevor sie ins Pinewood Motel kommen, denn sie haben sich verfahren, es ist dunkel, und im Auto auf den Morgen zu warten, scheint nicht die beste Idee zu sein.
Der Thriller des ungarischen Regisseurs Nimrod Antal führt in das amerikanische Hinterland, in dem, man weiß es aus Filmen wie „Easy Rider“ und „Deliverance“, auch die Heimtücke lauern kann. Hier im Nirgendwo ist das Tankstellenschild rostig, und später im leeren Motel behauptet der Manager, er könne den netten Mechaniker von vorhin nicht anrufen. So ist das, wenn die Provinz zurückschlägt, und den Großstädter mit braunem Wasser im Bad der Flitterwochensuite konfrontiert.
Die Einrichtung des Motels aus den fünfziger Jahren spielt eine Hauptrolle: braun, abgenutzt, schmuddelig, billig – das richtige Ambiente, um Niedergeschlagenheit zur Verzweiflung zu steigern. Und die folgt auf dem Fuße mit der Entdeckung der Snuff-Videos. Als Amy und David wegrennen wollen, jagen sie maskierte Männer wieder ins Zimmer. Die sadistischen Videos zeigen, dass sich die Täter Zeit lassen, bis sie ihre Opfer zum Schweigen bringen.
Die Täter gehen auf den Videos unerbittlich vor, doch Antal ist sparsam mit blutrünstigen Bildern. Es geht vielmehr um das Grauen, das die Übermacht der Täter auslöst. Zu diesem schleichenden Schrecken aus den Videos, aus dem schäbigen Ambiente und dem Warten auf den Angriff gesellt sich dann die konventionelle Spuktechnik. Sekundenschnell geschnittene Nahaufnahmen im Duett mit schrillem Tuschgetöse erzeugen schon für sich allein eine physische Spannung.
Es gibt auch noch deprimierendere Drehorte als das Flitterwochenzimmer: einen engen unterirdischen Gang, der vom Bad vielleicht in die Freiheit führt. Zwischen hängenden Wurzeln kriechen Amy und David hintereinander entlang, und man fragt sich schon, wie der Film ein eventuelles Aufeinandertreffen mit den Verfolgern hier lösen wird. Das Problem dieses betont hässlichen kleinen Streifens ist, dass der Suspense keine angemessene Auflösung findet. Kate Beckinsale und Luke Wilson verlassen bald das Charakterspiel und verfallen in den Aktionismus, den ihnen die Handlung aufbürdet.
| FAZIT
Böser kleiner Thriller in schäbigem Ambiente.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung