Sonntag | 27. Mai 2012 | 06:31 Uhr
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  • FILM REVIEW | Harry Potter und der Orden des Phönix
  • Harry Potter und der Orden des Phönix

    Fantasy | Großbritannien / USA 2007
  • | INHALTSANGABE

  • Nach den langweiligen, entnervenden Sommerferien, in denen Harry Potter nichts von seinen Freunden hört, wird er vom Zaubereiministerium diskreditiert: Er wird als Lügner verleumdet, weil seine Erfahrungen mit Voldemort gegen die offizielle Politik verstößt, nach der jede Rückkehr des dunklen Lords geleugnet wird. Mit Dumbledores Hilfe wird Potter zunächst rehabilitiert – doch auf Hogwarts tritt eine neue Lehrkraft ihren Dienst an, die strenge, ultrakonservative Dolores Umbridge, die keinen Hehl daraus macht, die Direktiven des Ministeriums gnadenlos durchzusetzen. Eine wahre Inquisition geht los: Lehrkräfte werden entlassen, Schüler blutig bestraft, ein Terrorregiment im Namen des Ministeriums. Potter und seine Freunde gründen einen Geheimclub, um überlebenswichtige Verteidigungszaubereien zu erlernen – was natürlich Umbridge ein Dorn im Auge ist, die schließlich gar Dumbledore absägt. Doch der Feind befindet sich nicht nur in Hogwarts, sondern auch in Potters Gedanken: Dort sich einzunisten scheint sich nämlich Voldemort zu bemühen…
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      • | FILMKRITIK

      • Im Gunde ist es eine einfache Geschichte von Harry Potter, der um die Gefahr durch Lord Voldemort weiß, deshalb vom ängstlich-paranoiden Zaubereiministerium verleumdet wird, mit seinen Freunden einen subversiven Geheimclub gründet und mit diesem in den Kampf gegen den Dunklen Lord zieht – der sich schon in seinen eigenen Gedanken eingenistet hat.

        Dies erzählt der Film, und er erzählt es nicht. Denn man kann sich die einfache Struktur des Films – sowohl der äußeren wie der inneren Handlung – erst im Nachhinein klarmachen, aus der bloßen Anschauung ergibt sie sich nicht. Das ist der große Unterschied zu den beiden letzten Potter-Filmen, die auch für sich, als Unterhaltungs-Popcornkino gut funktionierten. Nun aber gibt es einen neuen Regisseur, einen neuen Drehbuchautor, und sie bekommen die komplexen Seitenstränge, die die Handlungslinie begleiten, nicht wirklich in den Griff – so reißt der Film dieses und jenes an, hält sich mal hier und mal da auf. Damit tritt alles gleichwertig in den Vordergrund, ohne Gewichtung, ohne Konzentration auf das Wesentliche, das durch allerhand Kleinkram ziemlich vernebelt wird.

        Klar: Die Romane werden immer dicker, die Beziehungsgeflechte dichter, und natürlich wusste man bei der Konzeption dieses fünften Films noch nicht, welche Handlungsstränge im weiteren Verlauf der Saga – also bis Band sieben, der demnächst erst veröffentlicht wird – noch wichtig würden. Aber Film hat eben andere Gesetze als Roman, dazu gehören Verdichtung, Kürzung, Visualisierung. Und hier hapert es, ziemlich einfallslos ist alles in konventionelle Bilder gegossen, sicherlich ein Rückschritt hin zu Chris Columbus’ konservativem Regiestil. Es ist alles nicht sehr innovativ, inspiriert oder wenigstens überraschend. Vielmehr ist dies wohl der Potter-Film, der am meisten von allen zum Ratespiel gerät, wo dieses und jenes Bildmotiv geklaut wurde: von der neuen „Star Wars“-Trilogie über die „Herr der Ringe“-Filme bis zu den anderen Potter-Teilen, aus denen blindlings kopiert wurde, ohne neue Akzente zu setzen.

        Eine Menge Ansätze gibt es im Film, Momente, die hätten wachsen – oder nötigenfalls besser weggestrichen werden können. Luna Lovegood, von der Debütantin Evanna Lynch als geheimnisvolles Faszinosum gespielt, trägt nicht viel zum Film bei; der titelgebende Phönixorden besteht nur aus Potters erwachsenen Freunden, die ihm eh geholfen hätten: von den Zielen und der Geschichte des Ordens erfährt man nichts. Hausmeister Filch schlägt sich auf die Seite von Dolores Umbridge, warum und wieso wird nicht gesagt. So steckt der Film voller irrelevanter Details (oder Details, die nicht relevant genug erzählt werden), die im Roman sicherlich ihre Berechtigung haben, im Kino aber nur aufhalten und die Storyline verwässern. Sie helfen auch nicht, Potters innere Befindlichkeit zu erläutern – dazu müssen einfache Mittel wie unruhige Träume oder eine Voice Over herhalten, die über Einsamkeit klagt; im Finale kämpft Potter (wie Anakin Skywalker) gegen das Böse in ihm selbst; und ein solch einfallsloses Bildfetzengewitter wurde tatsächlich selten zur Visualisierung eines existentiellen inneren Kampfes angewandt.

        Vermutlich, und das ist dem Film ziemlich deutlich anzumerken, hat J. K. Rowling selbst den Daumen draufgehalten, um auch wirklich möglichst wenige Nebenhandlungen der Romane zu verlieren – alles muss zumindest erwähnt werden. Was Rowling ihrerseits implizit als ziemlichen Kontrollfreak ausweist – und sie damit ganz ähnlich charakterisiert wie die notorische Dolores Umbridge, die tatsächlich die einzige interessante Figur des Films darstellt.

        Mit zuckersüßem Lächeln und in ultrapinken Kleidern errichtet sie im Namen des Ministeriums auf Hogwarts ein Schreckensregime, das auch vor Folter nicht zurückschreckt. Sie ist im Auftrag des Ministers unterwegs, um jede Aufwiegelung, jede Subversivität, jede Individualität zu unterdrücken – Potter ist für sie eine Gefahr, ein Lügner, der von der Wiederkunft des bösen Voldemort warnt, den der Minister in seiner blinden Angst zu ignorieren versucht. Eine Verleugnung der wahren Gefahr, die sich mit maßlosen Mitteln gegen jede Kritik an den eigenen, als absolut gesehenen Überzeugungen schützt – und damit, als self-fulfilling prophecy, die befürchtete Subversion erst heraufbeschwört – und dabei unbewusst Voldemort in die Hände spielt. Was Umbridge in Hogwarts durchsetzt, das System von Unterdrückung und Denunziantentum und Furcht, von Heuchelei und Selbstgerechtigkeit, das erinnert an Kafka und Orwell und Gilliams „Brazil“, an die Inquisition, an Hitler und Stalin und McCarthy – und an die paranoiden Aktionen des Bundesministers des Inneren Dr. Wolfgang Schäuble.
      • | FAZIT

      • Einer der schwächeren Potter-Filme, der an der Konventionalität seines Regiestils leidet und daran, dass er sich in zu vielen Nebendetails verzettelt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 7.0/10 (8 votes)

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