Auf dem Heimweg vom Angeln hatten Kale und sein Vater einen schrecklichen Autounfall. Kale saß am Steuer und gibt sich fortan heimlich die Schuld am Tod des Vaters. Er zieht sich zurück und reagiert aggressiv – so auch, als ein Lehrer seinen Vater erwähnt. Weil er den Pädagogen niederschlägt, wird Kale zu drei Monaten Hausarrest mit elektronischer Fußfessel verurteilt. Seine Langeweile bekämpft der isolierte Teenager mit dem Beobachten der Nachbarn. Mit Fernglas, Videokamera und Handy verfolgt er besonders das Treiben von Mr. Turner. Kale und seine beiden Freunde Ronnie und Ashley glauben, dass er der in den TV-Nachrichten gesuchte Frauenmörder ist.
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| FILMKRITIK
„Disturbia“ von Regisseur D. J. Caruso mit Shia LaBeouf in der Hauptrolle ist ein moderner Thriller, der auf mehreren Ebenen funktioniert. Dass er das Gruselhandwerk versteht, zeigt Caruso mit seiner späteren Führung an Schauplätze, die allesamt Albträumen entsprungen sind. „Disturbia“ ist also kein Film, der seinem Thriller-Anspruch nicht gerecht werden kann. Und das, obwohl sein Thema Voyeurismus große Vorbilder hat, wie Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“. Doch der Film ist auch ein frisches, genaues Porträt eines Jugendlichen und seiner verwirrenden Welt. Vor allem aber improvisiert „Disturbia“ ausgiebig und interessant zum Konflikt von Privatheit und Medienrealität.
Für Kale und seinen Freund Ronnie sind Handyfotos, Kamera und Bildschirm-Action permanente Begleiter. Was gut ist, muss für das Internet festgehalten werden, was online ist, hat bewiesen, dass es existiert. So ungefähr denken Kale, Ronnie und bald auch die hübsche Nachbarstochter Ashley, die von der Beobachteten zur reellen Bekannten wird. Witzig und glaubhaft jongliert Caruso wiederholt mit Kales Erschrecken, wenn die Person, die er heimlich beobachtet, ihn zu entdecken droht. Aus dem Genießer von Swimmingpool-Szenen mit Ashley wird Sekunden später der kleinlaute Teenager hinter der Wohnungstür, an der Ashley klingelt.
Thriller-Eigenschaft haben die Blicke, die der mit Fernglas beobachtete Mr. Turner durch die Fenster auf Kale richtet, der sofort in Deckung geht. Turners Grundstück grenzt an Kales Haus. In der Regel hat ja niemand der Nachbarn in dieser idyllischen, besseren Vorstadtsiedlung Zeit, das Treiben vor dem Haus, das Leben in den anderen Wohnzimmern mit den riesigen Fenstern zu verfolgen. Außer Kale natürlich: Er sieht Seitensprünge, weiß, welche Sendungen die Nachbarskinder schauen, und wann Herr Turner seinen Rasen mäht. Dieser Mann mit den grauen Locken im Nacken ist auch irgendwie unheimlich: Er lebt allein und scheinbar kreuzbrav, doch empfängt er eine junge Frau und schafft Müllsäcke in seine Garage.
Vor allem aber ist der großgewachsene Turner selbst ein Eindringling: Er steht plötzlich in Kales Haus, weil er seiner Mutter mit den Einkäufen geholfen hat, und die Art, wie er Kale tröstet, er selbst habe früher viele Lehrer umbringen wollen, ist vielleicht ein Alarmsignal. Suspekt. Zweideutig. Und doch lebt der gelangweilte, isolierte Kale in seinem dunklen, unordentlichen Zimmer in einer Traumwelt mit eigener Logik. Wird sich die Außenwelt wirklich so leicht in seinen Verdacht aus Puzzlebildern einfügen?
Immer wieder lauert die Gefahr des Wahrheitstests hinter der großen Freiheit von Kale, Geschichten mit dem Fernglas fortzuspinnen. Was, wenn in Turners Garage keine Leiche zu finden sein wird? Das wäre dann der entlarvende Wendepunkt, an dem sich die Augen aller auf Kale richten, der Regisseur zur Figur im Scheinwerferlicht wird: als ein Junge auf Abwegen.
| FAZIT
Raffinierter, facettenreicher Thriller um einen Jugendlichen unter Hausarrest, der seine Nachbarn beobachtet.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung