Die ägyptische Alexandria Ceremonial Police Band ist zu einem Gastspiel nach Israel eingeladen, um ein arabisches Kulturzentrum zu eröffnen. Leider werden die Musiker bei ihrer Ankunft in Tel Aviv von ihrem Fremdenführer versetzt. Dirigent Tawfiq (Sasson Gabai), der Disziplin über alles hält, versucht die Situation unter Kontrolle zu halten und schickt Frauenschwarm Khaled (Saleh Bakri) zum Verhandeln an den Busschalter. Leider kann keiner der Bandmitglieder Hebräisch und so landen sie bald aufgrund von Missverständnissen in einem kleinen israelischen Kaff inmitten der Wüste, ausgeschlossen von der Zivilisation, denn der letzte Bus in die Stadt, ist schon weg.
Tawfiq versucht das Beste aus der misslichen Lage zu machen und führt die Band in die Stadt. Mit ihren blauen Uniformen wirken sie schon von weitem wie die Außenseiter, die sie sind, und bald erregen sie die Aufmerksamkeit von Bar Besitzerin Dina (Ronit Elkabetz).
Da es in dem kleinen Ort kein Hotel gibt, bieten Dina und ihr Mitarbeiter Itzik (Rubi Moscovich) ihre eigenen Wohnungen als Unterkünfte an. Und so ziehen Tawfiq und Khaled zu Dina, einige andere, unter anderem Tawfiqs Vertreter Simon (Khalifa Natour) schlafen bei Itzik und einige bleiben in der Bar.
Auf engstem Ort zusammen gepfercht, werden einige kulturelle Missverständnisse aufgeräumt, und die Ägypter und die Israelis kommen sich näher. Tawfiq, der mit Dinas ungehemmter und lasziver Art nichts anfangen kann, geht eher zögerlich auf ihre Einladung zum Abendessen ein. Doch bald entwickelt sich ein nicht kommunizierbares Verständnis zwischen den beiden, das Tawfiqs gehemmte Art in Schwanken bringt.
Khaled hingegen begleitet Papi (Shlomi Avraham) in eine Rollschuhdisko, und hilft ihm dabei, erste Kontakte zu Mädchen zu knüpfen.
Bei Itzik gibt es allerdings Stress mit seiner zickigen Frau, die an diesem Tag Geburtstag hat und die unerwarteten Gäste eher störend empfindet. Doch Simon, der seit Jahren an einer Oper bastelt, aber nur die ersten paar Takte kennt, findet einen unerwarteten Fan und Verbündeten in Itzik.
Und so ist es echte Abschiedstrauer, als die Ägypter am nächsten Morgen aufbrechen um sich in das richtige Dorf zu begeben.
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| FILMKRITIK
Die lange Geschichte zwischen Israel und Ägypten ist geprägt von viel Gewalt und Unverständnis. Die Vorurteile sind groß und die Abneigung gewachsen. Doch hier gibt es einen israelischen Film, der mit alldem bricht und ein neues Kulturverständnis schafft, das ein Vorbild sein sollte.
Doch ist die politische Lage der zwei Nationen nicht das eigentliche Thema des Filmes. Es geht um Menschen, um ihre Probleme und unterschiedlichen Sichtweisen. Und diese variieren nicht nur zwischen den beiden Kulturen sondern auch untereinander.
Regisseur Eran Kolirin, der tendenziell Neuling in diesem Fach ist, aber schon etliche Drehbücher verfasst hat, schrieb auch die Vorlage zu diesem Film. Er schafft damit ein komplexes Bild von mehreren Charakteren, das sich zu einer Parabel über die Menschlichkeit zusammenfügt.
Am Ende des Filmes haben die ägyptischen Polizisten und die israelischen Dorfbewohner viel gelernt, nicht nur über die anderen, sondern vor allem über sich selbst. Das ist ein ambitionierter Höhepunkt und schon so manch anderer Regisseur ist daran gescheitert. Doch Kolirins langsame Erzählweise und die angenehme Beiläufigkeit, in der Probleme angesprochen und verworfen werden, führt zum Ziel.
The Band’s Visit, Eröffnungsfilm des diesjährigen Münchner Filmfestival, wird in wunderschön kadrierten Bildern erzählt, die dieser Erzählweise eine besondere Note geben. Den ungehemmten Schnittstil von Hollywood gewöhnt, wirkt dieser Film entspannend, für die Augen und für den Geist, und dennoch tief schürfender als vieles was sonst so über die Leinwände flimmert.
Die Besonderheit des Filmes sind allerdings die hervorragenden Schauspieler, aus denen vor allem Sasson Gabai herausragt. Trotz der gehemmten und immer regelkonformen Art von Tawfiq, kann man durch Gabais Spielweise den gebrochenen Charakter herausahnen. Bei jedem Befehl schwebt Melancholie in den Augen, jedem forschen Schritt, folgt ein momentaner Zustand des Zögerns, des Ungewissen ob die Welt nicht doch zuviel der Bürde für den Ägypter ist.
Es ist dieser Perle des Kinos zu wünschen, dass sie nicht in Programmkinos untergehen wird, sondern einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird. Denn in Hinblick auf Kulturmissverständnisse ist dieser Film auch für Deutsche eine wahre Offenbarung.
| FAZIT
Sehenswerter und ambitionierter Film über die Annäherung zweier Kulturen, der am Ende zu bemerkenswerten Einsichten führt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung