Auf Fronturlaub, wir schreiben das Jahr 1917, heiratet Conny ihren alten Freund Clifford Chatterley. Aus dem Krieg kehrt er dann einige Zeit später als gelähmt zurück. Die Beiden leben zurückgezogen von der Welt auf dem Landsitz der Familie. Conny fühlt sich zunehmend einsam und emotional erfroren. Eines Tages, sie will beim Wildhüter Fasane bestellen, beobachtet sie, wie er sich mit nacktem Oberkörper wäscht, was sie stark erregt.
Bei ihren ausgedehnten Spaziergängen macht sie immer öfter Rast bei dem verschlossenen Parkin. Bis es eines Tages passiert und die beiden, ungelenken und raschen Sex haben. Conny und Parkin beginnen eine Liaison, die zunehmend intensiver wird. Bei Conny beginnt sich ein wohl bis dahin unterdrückter Wunsch zu befreien: sie wünscht sich ein Kind. Ihr Mann ist nicht abgeneigt von der Idee, da er einen Erben braucht und erlaubt ihr, sich im Sommerurlaub unter bestimmten Bedingungen einen Erzeuger zu suchen. Zwischen Conny und Parkin erblüht indessen zunehmend eine tiefe Liebe, die über bloßes Begehren weit hinausgeht.
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| FILMKRITIK
D.H. Lawrences Roman „Lady Chatterley’s Lover“ erzeugte zu seiner Zeit, Anfang des letzen Jahrhunderts, Skandale. Seine detaillierten Beschreibungen der erotischen Begegnungen zwischen einem auch noch unstandesgemäßen Paar waren die Gründe dafür. Der Roman diente dann etwas später, als Vorlage für Erotikfilme.
Der Französin Pascale Ferran gelang nun mit ihrer Version eine anrührende und sensibel poetische Interpretation. Sie erzählt die Geschichte der Lady Chatterley als die einer emotional Erfrierenden, die als Lebensrettung, sie zeigt bereits erste Anzeichen ihrer Mutters Krebserkrankung zu entwickeln, die Vitalität der Erotik entdeckt. Ausgerechnet der eigentlich eher klobige und fast abstoßend wirkende Parkin, ein kauziger Einzelgänger, erweckt ihre Begierde.
Langsam und bedächtig nähern sich die Beiden an und aus zwei sehr unterschiedlichen Menschen, werden in ihrer Einsamkeit Seelenverwandte.
Anhand der Liebesszenen wird die aufblühende Liebe der Beiden erzählt. Ist es Anfangs mehr ein kurzes Gerammel, nach dem sich Beide immer wieder versichern müssen, dass keiner emotional verletzt ist, wird daraus zunehmend eine gefühlvolle Zärtlichkeit, bei der die unerfahrene Conny auch ihre Passivität verlässt.
Irgendwann dann schaut Parkin sie nicht mehr mit diesem verunsicherten und verletzlichen Blick an, es spricht echte Liebe aus seinen Augen.
Regisseurin Ferran fängt ihre Geschichte in Gebäuden an in denen sich strickt nach Kleiderordnung verdeckte Körper bewegen und verlässt diese Lokalitäten in die gerade aufblühende Natur, in der sich die Körper schließlich auch von ihren Hüllen befreien werden. Die Beziehung von Körper und Umwelt gipfelt im nackten Körper, der ganz in der Natur aufgeht. Das ist kongruent damit gezeigt, wenn Conny und Parkin sich ganz nah sind und damit ganz frei geworden sind durch ihre Liebe.
Diese Gegensätze spielt Ferran aber noch weiter, die Körper der beiden Schauspieler erzählen an sich eine Geschichte: die weißhäutige, zart gebaute und hübsche Marina Hands ist dem tatsächlich etwas grobschlächtig und gleichzeitig verletzlich wirkenden Jean-Louis Coulloc’h gegenübergestellt.
Die Sexszenen sind teilweise detailliert erzählt ohne jegliche Scheu der Akteure (weder vor noch hinter der Kamera) und zumeist bar jeden Voyeurismus. Letzteres gelingt vor allem durch den Realismus, der jedes Bild durchweht, dem Weglassen von Beschönigendem, denn es wird sich vollkommen auf die natürliche Schönheit verlassen.
Eine stimmungsvolle Ruhe erfüllt den ganzen Film, die Bilder der Natur sprechen für sich und unterstützen sanft das Anliegen der Regisseurin. Nur wenn Conny aus ihrem Umfeld gerissen wird und sich auf Reisen begibt, verlässt der Film seine Ästhetik und wechselt in eine die Amateurfilmaufnahmen aus den 70er Jahren gleicht. Das erzählt etwas über Connys inneres Ungleichgewicht in das sie im Urlaub gerät.
Hier verwendet Ferran verstärkt verfremdende Effekte wie die direkte Ansprache in die Kamera. Der Film, der den Zuschauer bislang auf Distanz hielt und nur seine Ruhe teilen wollte, zerstört nun vollkommen seine eigene Illusion und wird auch zum Wendepunkt im ganzen Geschehen, denn danach ist nichts mehr wie es einmal war.
| FAZIT
Stimmungsvolle Literaturverfilmung über eine unstandesgemäße Erotikgeschichte zwischen einer Adligen und einem Wildhüter, die zur Befreiungsgeschichte wird und ganz ohne voyeuristisch-emotionalisierende Effekte auskommt. Sehenswert!
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung