Sonntag | 27. Mai 2012 | 07:03 Uhr
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  • FILM REVIEW | Wächter des Tages
  • Wächter des Tages

    Action, Horror, Fantasy | Russland 2006
  • | INHALTSANGABE

  • Anton, der im ersten Teil „Wächter der Nacht“ entdeckt hat, dass er ein anderer ist, muss in diesem Sequel verschiedene Ziele erreichen: Er will seinen Sohn Yegor wiedererlangen, der zur dunklen Seite der Macht übergewechselt war, er ist in Sveta verliebt, die eine mächtige Andere ist und damit direkte Rivalin von Yegor, und er sucht nach der Kreide des Schicksals, mit der die Vergangenheit umgeschrieben werden kann. Doch Zavulon, der Herr der Nacht, legt Anton rein: Er beschuldigt ihn des Mordes und verlangt seine Auslöschung; damit wäre der Endkampf zwischen Nacht und Tag nahe, und damit auch der Weltuntergang.
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      • | FILMKRITIK

      • Die Sage vom Endkampf von Gut und Böse geht weiter, und diesmal haben die Russen die Amerikaner eingeholt. Denn „Wächter des Tages“, der zweite Teil der russischen Filmerzählung um das Gleichgewicht des Schreckens, ist nicht nur merklich besser, weil straffer als „Wächter der Nacht“, sondern auch um einiges origineller als vergleichbare Hollywood-Fantasyware.

        Gut und Böse stehen sich nach wie vor gleichberechtigt, gleichstark gegenüber; die Anderen – Vampire, Hexen, Seher, Gestaltwandler – mitten unter den Menschen in Moskau werden überwacht von den Nacht- und Tagwächtern, damit dieses uralte Gleichgewicht nicht aus den Fugen gerät. Im ersten Teil der Saga hat die Nachtseite mit Yegor, dem Sohn des Sehers Anton, einen starken „Anderen“ dazugewonnen, doch auch die Tagseite hat aufgerüstet mit Sveta, die ebenfalls stark und mächtig ist. Das ist eine klare Reminiszenz an die Zeit von Kaltem Krieg und globalem Wettrüsten und damit durchaus auf die russische Seele abgestimmt, doch „Wächter des Tages“ ist so vollgefüllt mit Ideen, Motiven, Action, dass der Film weltweit Vergnügen bereiten kann.

        Verschiedene Handlungslinien gibt es: Die Suche nach der Kreide des Schicksals, einen Gummiball, der mit Hass gefüllt werden kann, Antons Versuch, sich seinem Sohn anzunähern, der als mächtiger Anderer nach einem Verrat zur Dunklen Seite übergelaufen ist, die Liebe von Sveta zu Anton, den Versuch des bösen Oberhauptes Zavulon, Anton wegen angeblichen Mordes an einem Dunklen auslöschen zu lassen – was letztendlich den Weltuntergang bedeuten würde… Sehr wild geht es zu, und man mag gar nicht glauben, wie viel in zwei Stunden hineingestopft werden kann, ohne dass der Film vollends konfus oder überfüllt wirken würde.

        Doch im Gegensatz zum ziemlich verwirrenden, reichlich überladenen „Wächter der Nacht“ hat das Sequel zu sich gefunden: Nicht nur ist die Organisation der Handlungen klarer (wenn sich auch zum Ende hin alles drängt: zwei Bände der Buchvorlage wurden für diesen Film zusammengedampft), auch ist „Wächter des Lichts“ sehr viel selbstironischer geworden, ohne seine Spannung aufzugeben. Der Film nimmt sich selbst nicht ernst, wirkt manchmal fast wie eine Parodie auf die Standards des Endzeit-Action-Films – und er ist doch nicht nachlässig in dem, was er erzählen will. Er ist stringenter geworden, geordneter, ohne seinen Charme der Moskauer Atmosphäre zu verlieren. Da werden Kartoffeln mit Fisch eingekauft, die Wäsche wird im Badezimmer aufgehängt – der Alltag greift weit hinein in die fantastische Handlung.

        Und wenn dann Anton geschützt werden muss und vorübergehend zur Tarnung seinen Körper mit dem einer Frau tauschen soll, dann ist das nicht nur ein Bodyswitch-Gag, nicht nur konsequenter Teil im Kampf zwischen Gut und Böse, sondern auch der leichtfüßige Anfang einer Liebesgeschichte, die das Ende der Zeiten überdauern soll.

        Wenn möglich, sollte man die russische Originalfassung mit englischen Untertiteln sehen – die Untertitel spielen witzigerweise die Handlung mit, kommentieren sie, unterlaufen sie. So werden die Buchstaben mit einem Schwertstreich zerstückelt, verschwinden zur Seite oder nach hinten weg, wenn im Film gestritten oder geflohen wird… die Untertitel sind ein Erlebnis, erinnern an die expressiven Zwischentitel der Stummfilmära und an Sprechblasen und Kommentare in Comics.
      • | FAZIT

      • Russland schielt auf Hollywood – und macht dabei einiges besser als viele B-Pictures aus der Traumfabrik. Selbstironischer Humor und Fantasy-Action halten sich die Waage – wie das Gleichgewicht zwischen Tag und Nacht.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 10.0/10 (1 vote)

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