Die Iranerin Marjane Satrapi lebt in Frankreich und wurde international mit ihrem Comic „Persepolis“ bekannt. Gemeinsam mit Vincent Paronnaud adaptierte und inszenierte sie ihre Geschichten auch für einen Zeichentrickfilm. Beginnend mit dem Jahr 1978 verfolgt man die Kindheit von Marjane in Teheran, den Sturz des Schahs, die Befreiung inhaftierter Verwandter, schließlich die Zwangsverschleierung und die acht Jahre Krieg gegen den Irak.
„Persepolis“ erzählt auch die Geschichte einer iranischen Familie und von der Rebellion eines jungen Mädchens, das sich Denken und Aussehen nicht von der islamischen Revolution vorschreiben lassen will. Marjane wird schließlich im Alter von 14 Jahren nach Wien geschickt, damit sie in Sicherheit ist. Nach ihrer Rückkehr in den Iran muss sie feststellen, dass sie in der unfreien Gesellschaft nicht mehr heimisch wird. In den neunziger Jahren reist sie nach Frankreich aus.
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| FILMKRITIK
„Persepolis“ erhielt in Cannes 2007 den Preis der Jury und wurde als Abschlussfilm für das New Yorker Filmfestival ausgewählt. Der traditionelle 2D-Comic ist, mit wenigen kurzen Ausnahmen, in Schwarz-Weiß gezeichnet. Persepolis“ wirkt wie ein modernes Märchen: modern wegen der kreativen Frische und dem erzählerischen Humor, märchenhaft wegen der anachronistischen Zeichnungen, die die Fantasie beanspruchen. Der Film besticht mit seinem unprätentiösen Reichtum, der in wohltuendem Kontrast zur bunten CGI-Animation moderner Zeichentrickfilme steht.
Marjane Satrapi ist Comiczeichnerin, und sie zeichnete auch die Skizzen für die Filmcharaktere selbst. Die Animation entwickelt eine solche Ausdruckskraft, dass man schnell und vorbehaltlos in ihre Welt eintaucht. Verliebt sich die junge Marjane in Wien, kommt ein Auto über die Straße geflogen, erinnert sie sich an ihre Großmutter, schweben Blüten über die Leinwand. Einfache Strichzeichnungen, sprachlicher Reichtum und gute Musikauswahl fügen sich zu einer dramatischen Geschichte, die immer wieder durch humorvolle Szenen aufgelockert wird.
Das rebellische Mädchen kann sich nach dem Sturz des Schahs nicht mit dem neuen Regime anfreunden, denn ihr geliebter Onkel wird wieder ins Gefängnis geworfen. Und als sie wegen ihrer Jackenaufschrift „Punk is not ded“ auf der Straße von zwei verschleierten Frauen festgehalten wird, weiß sie ebenso wie ihre Eltern, dass ein Leben in freier Selbstbestimmung hier vorerst nicht möglich ist.
Satrapi erzählt in „Persepolis“ unverblümt die jüngste Geschichte ihres Landes, zum Beispiel, dass im Irak-Iran-Krieg beide Seiten vom Westen bewaffnet waren. Oder, wie im Gegensatz zur öffentlichen Verschleierung und religiösen Sittsamkeit private Parties mit Alkohol gefeiert werden und wie der Schwarzmarkt blüht. Besonders die religiösen Mullahs und ihre öffentlichen Angriffe auf Frauen, die ihren Schleier nicht ordentlich ins Gesicht gezogen haben, sind der jungen Marjane zuwider.
Dann die Jahre in Wien, wo sie mit Hippies, einer hundeliebenden Vermieterin und zu ihrem Schmerz auch mit Vorurteilen gegen Iraner konfrontiert wird. Das geht so weit, dass sich Marjane einmal sogar als Französin ausgibt, nur um unliebsamen Fragen auszuweichen. Aber die Erinnerung an ihre selbstbewusste Großmutter stellt sie zurück auf die Füße. Typisch für den ungebrochenen Humor der Erzählung ist die Szene der Trennung von ihrer ersten Liebe in Wien – bei der man wegen der dürren, grotesken Erklärung des jungen Mannes lachen muss.
| FAZIT
Kindheit und Jugend eines Mädchens in Teheran nach der islamischen Revolution – unverblümt, humorvoll und virtuos in einer Schwarz-Weiß-Animation erzählt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung