Drei Männer in einem Auto, eingeklemmt zwischen zwei Bäumen im Wald: Archäologieprofessor Baisch, sein Schwager Anzengruper und der ziemlich erfolglose Kleinkünstler Schwanenmeister. Es ist kein Entkommen aus dieser aussichtslosen Situation, nur Sekt und Heringssalat gibt es als Nahrung… Man geht sich gegenseitig auf die Nerven, durchlebt heftige Gefühlsschwankungen – vor allem, als Toni, ein Junge aus einem nahegelegenen Ferienheim, den Wagen mit den Gefangenen entdeckt und ein ganz eigenes Programm mit ihnen durchspielt…
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| FILMKRITIK
Drei Männer, eingeklemmt in einem Auto im tiefen, finsteren Wald: Das könnte die Situation eines existentialistischen Kurzfilms aus den 60ern sein, ist aber hier ein Spielfilm mit bitter-ironischen, humorvoll-bösen Untertönen. Ein Film, wie er heute so wohl nur in Österreich hat produziert werden können, dem Land, das Grotesken mit Josef Hader schuf, wo Michael Haneke menschliche und zwischenmenschliche Kälte auf Leinwand bannte, wo minimalistische Filme wie „Hundstage“ mit lakonischer Schonungslosigkeit schockieren.
In „Immer nie am Meer“ werden drei Männer zusammengesperrt, die sich, so ist anzunehmen, mit ihrer gegenseitigen mal unterschwelligen, mal ausbrechenden Aggressivität irgendwann gegenseitig auffressen werden. Ein Archäologieprofessor mit Liebeskummer, sein Schwager voll des Weltekels des Verlierers, der sein selbstverschuldetes Elend nicht wahrhaben will, und Herr Schwanenmeister, ein schmieriger Tingeltangelsänger, den das Entertainmentbusiness ankotzt, der mit seiner mehr als latenten Homosexualität hausieren geht: Sie sind eingepfercht zwischen Baum und Baumstumpf, fernab der Straße mitten im undurchdringlichen Wald. Ein Mikrokosmos dreier Männer, die nicht miteinander können, aber miteinander müssen. Eine Versuchsanordnung der Filmemacher – die Darsteller haben ihre Rollen selbst geschrieben –, die sich auf die Dynamik der Unvermeidlichkeit konzentriert.
Ein Film als Anordnung für einen Menschenversuch, der als Clou mitten im Film einen kleinen Jungen einführt, selbst mehr oder weniger verhaltensgestört, der das Auto mit den Gefangenen entdeckt, aber nicht etwa Hilfe holt, sondern die drei als eine Art Laborratten für ein Verhaltensforschungsexperiment benutzt inklusive Licht- und Nahrungsentzug, Geräusche- und Psychoterror.
„Immer nie am Meer“ ist also ein Film, der nicht nur die Verhaltensweisen seiner Protagonisten untersucht, sondern auch die Voraussetzungen seiner selbst, als künstliches, auf Zelluloid gebanntes Gedankenexperiment reflektiert. Psychologisch schlüssig, mit Charakteren, deren Untiefen allmählich erst offengelegt werden, mit dynamischem Wechselspiel zwischen Weinerlichkeit und Hysterie, Aggressivität und Fatalismus wäre der einzige Vorwurf, der dem Film zu machen ist, dass er seine Handlung denn doch zu künstlich präsentiert. Nicht wegen der absurden Ausgangssituation, die ihrerseits wiederum ganz plausibel satirisch motiviert ist: Es handelt sich um den alten Mercedes des früheren österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim, seines Zeichens auch UN-Generalsekretär und geouteter Altnazi, inklusive Panzerglasscheiben, nicht mehr funktionierendem Schiebedach und defekter Hupe.
Die künstliche Distanzierung des Zuschauers, die ein vollständiges Einlassen auf die beklemmende Situation verhindert, bewirken eher die Darsteller, von denen man merkt, dass sie keine professionellen Schauspieler sind: Dirk Stermann und Christoph Grissemann sind österreichische Satiriker, Heinz Strunk deutscher Entertainer-Humorist. Und alle drei spielen mehr oder weniger ihre Kunstfiguren, die wiederum in die Rollen der Eingeschlossenen schlüpfen… Für Fans sicherlich eine interessante zusätzliche Brechung; für den Film selbst aber eine Drehung der Schraube zuviel.
| FAZIT
Ein beklemmendes Spiel um das Eingeschlossensein, auf Film gebannte Verhaltensforschung – das freilich an dem künstlichen Spiel seiner Darsteller krankt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung