In Linda Hansons geregelten Alltag als Hausfrau und Mutter zweier Mädchen bricht eines Tages eine Tragödie herein. Ein Sheriff steht an der Tür und sagt ihr, dass ihr Mann Jim gestern bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Die fassungslose Linda kann das nicht glauben, denn sie hatte ja noch eben eine Nachricht von Jim auf dem Anrufbeantworter. Doch dann sagt sie den Mädchen, was passiert ist und ihre Mutter kommt ins Haus. Am nächsten Morgen findet Linda ihren Mann in der Küche beim Frühstück. Und auch die Mädchen begrüßen ihn wie immer. Am Tag darauf jedoch sitzen im Wohnzimmer die Trauergäste. Verliert Linda den Verstand?
WERBUNG
| FILMKRITIK
"Die Vorahnung" mit Sandra Bullock in der Hauptrolle ist ein beklemmender Psychothriller um Verlust und Trauer. Der deutsche Regisseur Mennan Yapo gibt damit sein Amerikadebüt. Der Film ist düsterer als Hollywood es normalerweise mag, und er zieht seine Zuschauer tief in den Strudel der Verwirrung, die Linda nach der schlimmen Nachricht befällt. Das wesentliche Stilelement, das für durchgehende Spannung sorgt, ist die nichtlineare Erzählweise. Linda erlebt sieben Tage der fatalen Woche, aber nicht in der richtigen Reihenfolge.
Mal ist Jim da wie immer, mal ist er bereits gestorben und beerdigt, und Linda muss bald ihre Freundin fragen, welcher Tag heute sei. Sie glaubt schließlich, einer Vorahnung auf der Spur zu sein: Es ist noch nicht der Mittwoch, an dem Jim sterben wird, und sie wird seinen Tod vielleicht verhindern können. Im Laufe ihrer Nachforschungen entdeckt sie, dass ihre Ehe in einer schweren Krise steckt und Jim kurz davor steht, sie zu betrügen. Sie will sich Jim offenbaren, doch der ist seltsam desinteressiert und scheint an ihrer geistigen Gesundheit zu zweifeln.
Linda hat also niemanden in ihrer Not. Auf einem leeren Medikamentenfläschchen findet sie den Namen eines Psychiaters. Dieser Dr. Roth, ebenso wie die Frau vom Beerdigungsinstitut, werden schließlich Linda mal kennen, mal nicht. Sandra Bullock gibt eine unvergessliche Darbietung mit ihrer stummen Trauer, die sich nach innen gräbt und in den eigenen Gefühlen Halt sucht. Die Großaufnahmen ihres Gesichts zeigen eine junge Frau, die auch Jims erneutes Erscheinen nicht mehr zum Lächeln bringt. Ihr Haus mit den schön bemalten Wänden spiegelt Gemütlichkeit und Glück, aber die Lackschäden an den Türrahmen zeugen von Vernachlässigung.
Geschickt legt das Drehbuch Hinweise, die nach und nach gefüttert werden: Das Lithiumfläschchen, die Telefonbuchseite, die gespeicherten Anrufe, die Kratzer auf dem Gesicht der Tochter erscheinen in mehreren Szenen. Wobei es nach den ersten drei Tagen im Alltag von Linda kaum mehr möglich ist, zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Vorahnung und tatsächlichem Geschehen zu unterscheiden. Ähnlich wie die gottergebene Linda muss man die Szenen nehmen wie sie kommen - und ist erleichtert, als Linda verzweifelt zu einem Bogen Papier greift, um einzelne Erlebnisse den Wochentagen zuzuordnen. Zum Glück ist die Glaubwürdigkeit des Thrillers nicht abhängig davon, was man vom Phänomen der Vorahnungen hält. Lindas Schicksal wirkt vor allem als Tragödie.
| FAZIT
Eine überragende Sandra Bullock verirrt sich in einem raffiniert konstruierten, beklemmenden Psychothriller in der Zeit.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung