Wir schreiben das Jahr 476 nach Christus. Rom befindet sich in einer Umbruchphase, ständig bedroht von erstarkenden Völkern jenseits der Alpen und im Mittelmeerraum, kann sich die ehemalige Weltmacht kaum noch halten. Aufgeteilt ins Ost- und Weströmische Reich, konnten sich die letzten Kaiser im Westen nicht mehr als ein paar Monate Regierungszeit halten.
Nun wird der erst 12jährige Romulus Augustus (Thomas Sangster), Sohn einer alten adeligen Familie, die direkt von Cäsar abstammt, zum neuen Kaiser gekrönt. Doch auch ihm ist das Schicksal nicht hold. Nur kurze Zeit nach seiner Inthronisierung fallen Goten in Rom ein, töten Romulus’ Eltern und verschleppen ihn und seinen Schulmeister Ambrosinus (Ben Kingsley) auf die Gefängnisinsel Capri. Odacer (Peter Mullan), gotischer Feldherr, übernimmt die Herrschaft und lässt alle römischen Widerstandskämpfer töten.
Aurelius (Colin Firth), Anführer der kaiserlichen Leibwache und gestandener Feldherr, eilt mit seinen Männern und mit der Unterstützung eines Geheimnisumwobenen oströmischen Kriegers, zur Rettung des jungen Kaisers.
Auf Capri hingegen machen Ambrosinus und Romulus eine erstaunliche Entdeckung. Ambrosinus machte sich vor vielen Jahren aus seiner Heimat Großbritannien auf den Weg das verlorene Schwert von Julius Cäsar zu finden. Tiberius, der letzte Cäsar, hatte die Waffe versteckt um sie vor den falschen Händen zu bewahren. Der Träger des Schwertes muss ein wahrer, guter Herrscher sein, und zu Zeiten Tiberius’ gab es davon nicht mehr viele. Doch Ambrosinus fand statt des Schwertes in Rom Romulus, direkter Nachkomme des Herrschergeschlechts. Und auf Capri finden die beiden das heilige Schwert, das seit jeher unter den Blicken Julius Cäsars geruht hat.
Gleichzeitig entpuppt sich der fremdländische Krieger als Frau (Aishwarya Rai), die ebenso anmutig, wie auch kaltblütig, das Schicksal vieler Krieger auf ihrem Weg besiegelt hat. Gemeinsam mit Aurelius erklimmen sie die steilen Küsten Capris um ihren Kaiser zu befreien.
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| FILMKRITIK
Die letzte Legion ist ein unerwartetes Kinoerlebnis. Die letzten Jahre boten eine Schwemme von Fantasy und Abenteuer Filmen, bei denen die Herr der Ringe – und Fluch der Karibik – Trilogien als Paradebeispiel und Vorbild gedient haben. Auch kleine Produktionen boten in diesem Fahrwasser auf einmal große Effekten und animierte Wesen und Bösewichte auf. Und schon vor nunmehr sieben Jahren wurde auch der Sandalenfilm durch das Historienepos Gladiator wieder neues Leben eingehaucht.
Doch Die letzte Legion bricht mit all diesen neuen Traditionen, vielmehr ist dies ein Abenteuerfilm des alten Schlages. Als es noch nicht so wichtig war, dass die Effekte dem verwöhnten Auge des Zuschauers gefielen und als die Geschichten noch nicht auf harten Fakten und historischen Ereignissen basierten.
Nimmt man diesen Maßstab, ist Die letzte Legion ein durchaus guter Film. Wer hätte schon gedacht, dass der romantische Held Colin Firth, Ursache vieler verträumter Seufzer von Frauen mit Hang zum Kitsch, tatsächlich als kerniger Actionheld durchgehen würde. Ein gewagter Versuch, der tatsächlich aufgeht. Zwar kommt er an den melancholischen Blick eines Clive Owen nicht heran, doch bietet er andere Qualitäten, die vor allem mit seiner selbstironisch vorgetragenen Art zu einem neuen Typus des Helden werden.
Natürlich setzt Die letzte Legion auf viele Story Klischees, und natürlich kann man sich beim Anblick des geheimnisvollen Reiters aus dem oströmischen Reich schon denken, dass es sich um eine Frau handelt. Denn bis dato fehlte der Geschichte die Liebeskomponente, die damit erfolgreich und durchaus hübsch anzusehen, installiert wurde. Aber in diesen Ideen findet sich auch ein tiefes Vertrauen zum Kino wieder, ein „ich habs doch gleich gewusst“ Effekt, der manchen Menschen durchaus positiv aufstoßen wird.
Allerdings begibt sich Die letzte Legion nichtsdestotrotz auf ein gefährliches Feld. Denn Tatsache bleibt, weder die Geschichte, noch die Darsteller, trotz des großartigen Ben Kingsley, können mit den Filmen der letzten zehn Jahre mithalten. Hier fehlt es an überzeugenden Charakteren und oft schlichtweg am Timing. Der Film lässt sich oft an den falschen Momenten zu viel Zeit und an anderen passieren drei Dinge gleichzeitig. Dies alles wird dem verwöhnten Zuschauer übel auffallen und im Vergleich kann dieser Film nur schlecht abschneiden.
Dennoch, man sollte ihn nicht gleich verurteilen. Regisseur Doug Lefler, Regisseur einiger Xena Folgen und des Video Release Filmes Dragonheart A New Beginning, hat zwar keinen neuen Gladiator oder gar Herr der Ringe geschaffen. Dennoch kann man sich diesen Film an einem verregneten Sonntagnachmittag anschauen und sich durchaus amüsiert fühlen. Gerade die familientaugliche Umsetzung mit wenig blutrünstiger Gewalt und rasanten Kampfszenen, könnte dem Film zumindest als DVD Release noch einige Zuschauer bescheren. Im Kino hingegen muss man ihn nicht unbedingt gesehen haben. Denn dafür ist er stellenweise zu schwülstig und kitschig, hier fällt vor allem der überschwängliche Score von Komponist Patrick Doyle auf. Und auch Aishwarya Rai bringt durch ihr stellenweise übertriebenes Bollywoodspiel nicht gerade Authentizität auf den Plan. Dennoch, ein Film, dem man gerne glauben mag, dass er eigentlich viel besser sein wollte und dem man dadurch gerne Sympathiepunkte schenkt.
| FAZIT
Altbackener Abenteuerfilm mit schnelllebiger Geschichte und erstaunlich komplexen Cast.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung