Sonntag | 27. Mai 2012 | 04:08 Uhr
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  • FILM REVIEW | Nichts als Gespenster
  • Nichts als Gespenster

    Drama | Deutschland 2007
  • | INHALTSANGABE

  • Ellen und Felix reisen mit einem Mietwagen quer durch die USA. Auf ihrem Weg durch die betörend eintönige Wüstenlandschaft Nevadas und nach wochenlanger Zweisamkeit scheint ihre Beziehung nur noch in einem Vakuum zu existieren. Dann, in einem kleinen Wüstenkaff, machen sie eine ungewöhnliche Bekanntschaft, die sie dazu zwingt, sich der Frage nach dem Zweck ihrer Reise zu stellen.

    Marion hat sich entschieden, ihre Eltern – die sich gerade auf einer Reise durch Italien befinden – in Venedig zu treffen. Gerade hat sie eine Beziehung beendet und gerade ist sie dreißig Jahre alt geworden. Die Kluft zwischen ihr und ihren Eltern schließt sich nur widerwillig. Und am Ende ist es die Begegnung mit einem aufdringlichen Fremden, der Marions Gefühle implodieren lässt.

    Caro besucht ihre ehemalige Mitbewohnerin und beste Freundin Ruth in Cottbus. Ruth ist frisch verliebt und drängt darauf, dass Caro endlich ihre neue große Liebe kennenlernt. Als es dann soweit ist, ist Caro wie vor den Kopf gestoßen. Raoul ist genau der, auf den sie immer gewartet hat, den sie schon immer zu kennen glaubte und doch nicht kennt. Und Raoul scheint es genauso zu gehen.

    Jonas und Irene sind beste Freunde. Beide haben Liebeskummer, beide brauchen eine Luftveränderung. Und so fliegen sie gemeinsam nach Island, um Magnus zu besuchen, einen Jugendfreund von Irene. Magnus, seine Frau und seine Tochter fahren gemeinsam mit Jonas und Irene in ein verschneites Ferienhaus, von wo aus sie das Land erkunden. Ihre gemeinsame Zeit ist geprägt von Annäherungen und Spannungen, die sich plötzlich und fast unbemerkt entladen.

    Christine und Nora machen Urlaub auf Jamaika, wo sie Noras Ex-Freund Kaspar besuchen, der dorthin ausgewandert ist. Während sich zwischen Nora und Kaspar wieder eine Vertrautheit entwickelt, flirtet Christine ziellos mit einem Bekannten von Kaspar. Währenddessen nähert sich der Insel ein Hurrikan, der schließlich zum Sinnbild für Christines Sehnsucht nach einer Lösung für ihre Probleme wird.
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      • | FILMKRITIK

      • Felix und Ellen. Caro und Ruth. Christine und Kaspar. Jonas und Irene. Marion und ihre Eltern. In Nevada, in Cottbus, auf Jamaika, auf Island und in Venedig. Sie alle sind auf Reisen, sie alle sind verbunden und gleichzeitig ganz für sich allein. Sie lieben und lieben nicht, sie suchen und suchen nicht, sie finden und finden nicht.

        Nicht durch einen gemeinsamen Plot, sondern durch gemeinsame Themen sind die einzelnen Episoden miteinander verknüpft. Allen gemeinsam ist auch eine Atmosphäre von allumfassender und sehnsuchtsvoller Ratlosigkeit in einer kalten, hoffnungsarmen Welt, in der sich Liebe nur noch in Form melancholisch geprägter Scheinbeziehungen ausdrückt. Die Menschen reisen aus verschiedenen Gründen. Manche sind auf der Suche, andere auf der Flucht. Die einen müssen erkennen, dass das, was sie suchen, in ihnen selbst verborgen liegt, die anderen fliehen genau vor diesem Verborgenen, müssen sich ihm am Ende aber dennoch stellen.

        Was die Darsteller angeht, wurde für den Film nahezu das gesamte Kontingent deutscher Nachwuchs-Schauspieler gecastet, zumindest kennt man die meisten Gesichter aus zahlreichen jungen deutschen Filmproduktionen, wobei es – wieder einmal – August Diehl ist, der mit seiner bloßen Präsenz mehr auszudrücken vermag, als andere mit verzweifeltem Spiel. Im Gesamten betrachtet, weisen die Rollen eine jeweils passende Besetzung auf, auch wenn es vielleicht nicht allen Darstellern gelingt, diese Rolle auch zur Gänze auszufüllen.

        Wie man diesen Film sieht und interpretiert, hängt stark davon ab, ob man die Vorlagen der Schriftstellerin Judith Hermann kennt oder nicht. Denn vieles, was das Buch zwischen den Zeilen vermittelt, findet sich in den Bildern nicht wieder, einiges wird auch bewusst verschwiegen. Kennt man jedoch dieses Verschwiegene, erkennt man es auch im Film. Ein unvoreingenommener Blick ist in diesem Fall nicht mehr möglich.

        Insbesondere was die Atmosphäre des Films betrifft, ist man geneigt zu sagen, dass die Unterschiede zwischen Text und Bild zu deutlich hervortreten, um ignoriert zu werden. Denn ganz so schwermütig wie oben beschrieben sind die Gefühle, die Judith Hermanns Geschichten hervorrufen, nicht. Andererseits wiederum gelingt es dem Film immer wieder, eine Stimmung zu visualisieren, die man mit den Vorlagen in Verbindung bringt, was – angesichts der des Öfteren betonten "Unverfilmbarkeit" dieser Kurzgeschichten – bereits eine gewisse Leistung darstellt.

        Doch die Inszenierung des Films weist eine ganz immanente Schwachstelle auf. Die Einstellungen, Perspektiven und Winkel, ebenso wie die Schauspielführung wirken so, als hätte man hier ganz gezielt versucht, "Kunstkino" zu produzieren. Die atemberaubenden Landschaften glänzen in purer Oberflächlichkeit, die ratlos in die Ferne schweifenden Blicke wirken ebenso wie das theatralische Schweigen geradezu abgedroschen. Auch ist die Kamera bisweilen zu distanzlos, sie rückt den Protagonisten zu nah, lässt ihnen keinen Raum mehr, sich auszudrücken. Und doch finden sich in "Nichts als Gespenster" kleine große Szenen, wegen denen sich ein Blick auf die Leinwand eben doch lohnt. Vielleicht sollte man aber auch einfach nur Judith Hermanns Geschichten (noch einmal) lesen.
      • | FAZIT

      • Sehnsuchtsvolle Ratlosigkeit und melancholische Liebe. Mit kleinen wunderschönen Momenten gespickter Film, der seine Schwachstellen hat, sich aber dennoch lohnt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Anke Hermann

      • | Userwertung

      Wertung: 4.2/10 (5 votes)

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