Erica Bain, Radiomoderatorin in New York, und ihr Verlobter werden im Central Park brutal überfallen. Der Verlobte stirbt, sie selbst braucht Wochen, um wiederhergestellt zu werden. Doch nichts ist mehr wie vorher: Ihr Lebensglück ist dahin ebenso wie das Gefühl von Sicherheit, das sie in New York, der statistisch gesehen sichersten Großstadt der Welt, hatte. Sie kauft sich eine Waffe – und sie benutzt sie, aus Notwehr zunächst, dann auch, um der Ungerechtigkeit auf den Weg zu helfen.
Detective Mercer ist mit einer Reihe von Morden konfrontiert, die offenbar aus Selbstjustiz verübt wurden. Und allmählich ahnt er, dass dahinter Erica Bain stecken könnte, die er als seriöse Journalistin kennengelernt hatte.
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| FILMKRITIK
Here’s a woman who won’t take it anymore, hier ist jemand, der aufsteht gegen den Dreck auf der Straße, gegen den Abschaum in der Stadt, jemand, der New York reinwäscht von den moralisch Degenerierten, den Gewalttätern, den unfassbaren Übeltätern. Wie seinerzeit Robert De Niros Travis Bickle ist nun Jodie Foster als Erica Bain als Racheengel unterwegs – die ja in „Taxi Driver“ noch die Rolle des kindlichen Opfers innehatte. Aus tiefer Verletzung erwächst ihre Wut auf all die Ungerechtigkeit, die ungerechtfertigte Gewalt, die Unsicherheit, die das Leben in der modernen Stadt mit sich bringt.
Anders als bei Scorsese freilich konzentriert sich Neil Jordan weniger auf die derangierte Psyche der Hauptfigur, sondern auf den Komplex von Trauer, Angst, Wut, Rachedurst und dem heimlichen Lustgefühl bei der Tat der Selbstjustiz. „Die Fremde in Dir“ – der deutsche Titel lässt die Ironie des Originals („The Brave One“) missen, fasst aber prägnant diesen psychologischen Werdegang zusammen: Wie sich für Erica mit dem brutalen Mord am geliebten Verlobten die dunkle Seite New Yorks enthüllt, so wird aus ihr selbst eine andere – sie entdeckt das Böse an New York und als Reaktion darauf das Böse in ihr selbst. Auch aus enttäuschter Liebe zur Metropole New York begibt sich Erica, die Radiomoderatorin, die so zärtlich von ihrer Heimatstadt gesprochen hat, auf den Pfad der Gegengewalt.
Liebesglück stürzt um in elende Trauer, in Angst und Verlust von Sicherheit in dem, was fortan Ericas Alltag sein sollte – wie beim „Taxi Driver“ geschieht in einem Supermarkt ein Überfall, ein Mord – und da greift sie ein, aus Notwehr, voll Schrecken und Skrupel – und nicht doch auch mit einem gewissen Anteil an Lust?
Neben der Geschichte von Erica, die sich mit wachsender Selbstsicherheit zur Rächerin der Entrechteten aufschwingt, baut Jordan ihre Beziehung zum ermittelnden Polizisten Mercer auf, den sie interviewt, der seinerseits in ihr den einzigen Medienvertreter sieht, der den Sensationsfall nicht aufbauschen wird. Gemeinsame Verlusterfahrungen erzeugen Verständnis und Vertrauen – und sicherlich sehnt sich eine Seite von Ericas ambivalenter Persönlichkeit danach, von Detective Merver gefasst zu werden… Er wiederum, der bald etwas ahnt von Ericas Doppelleben, versucht sie aus der Reserve zu locken, sie in ihrem Lauf aufzuhalten --- und hier auch der einzige Kritikpunkt an diesem Film, dass seine psychologische Entwicklung – die in einer Veränderung seiner Lebensansichten mündet – etwas zu kurz kommt. Wo doch gerade in diesem Doppelporträt einer Täterin, die „gerechte“ Selbstjustiz verübt, und einem Polizeivertreter, der die Gerechtigkeit auf legale Weise zu erlangen sucht, eine Gleichgewichtigkeit der Positionen unerlässlich wäre.
Nichtsdestotrotz führt „Die Fremde in Dir“ bis zum Schluss einen spannenden Diskurs über innere Verletzung und äußere Rache, um die Suche nach Erlösung, wenn das eigene Leben sinnlos geworden ist; um den adäquaten Umgang mit Gewalt, um ihre Legitimität und um die Frage, mit welchen Mitteln Gerechtigkeit erlangt werden darf. All dies eingepackt in ein spannendes Thrillerdrama mit hervorragenden Darstellern, die die emotionale Bandbreite von Trauer zu Wut, von Angst zu Rache, von Freund- zu Feindschaft überzeugend ausfüllen. Am Ende steht eine Art traurige Erlösung, und der Fremde, der sich herausgeschält hat, wird immer bleiben.
| FAZIT
Spannendes Thrillerdrama, das mehr ist als ein bloßer Selbstjustizfilm. Ein Psychogramm um Verlust und Trauer, um Rache und Gerechtigkeit.
| BEWERTUNG
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