Im Jahr 1942 ist Shanghai von Japan besetzt. Zu der von Kollaborateuren gebildeten Regierung gehört auch Herr Yi, der Geheimdienstchef. In seinem Haus spielen wie üblich seine Frau und ein paar Freundinnen Mahjong, dann aber verlässt die junge Frau Mak die Runde und gibt einer Widerstandsgruppe telefonisch die Nachricht zum Einsatz: Herr Yi soll als Verräter an China umgebracht werden.
Rückblick auf das Jahr 1938. In Hongkong versammeln sich viele chinesische Festlandsflüchtlinge, unter ihnen die junge Studentin Wang Jiazhi. Sie wird in die Theatergruppe des patriotischen Studenten Kuang aufgenommen. Eines Tages hat Kuang die Idee, ein Attentat auf einen hochrangigen Kollaborateur der japanischen Besatzer, Herrn Yi, zu planen. Die Kommilitonen machen mit.
Wang wird als verheiratete Frau Mak ausgegeben und soll sich mit Frau Yi anfreunden. Das gelingt der jungen Frau, die zunehmend Gefallen an ihren schönen Kleidern und der Verstellung findet, mühelos. Doch die Yis reisen ab, bevor das Attentat stattfinden kann. Drei Jahre später in Shanghai soll Wang ihre Aufgabe wieder aufnehmen. Was sich bereits in Hongkong in Blicken andeutete, wird nun Wirklichkeit: eine leidenschaftliche Beziehung mit Herrn Yi.
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| FILMKRITIK
Ang Lees „Gefahr und Begierde“ in chinesischer Sprache gewann den Goldenen Löwen in Venedig. Mit dieser Juryentscheidung waren nicht alle Filmkritiker einverstanden und manche bezeichneten das 156 Minuten lange Epos als langweilig. Viel Spannung oder gar Thrill bietet der Film nach einer Kurzgeschichte von Eileen Chang tatsächlich nicht, und auch die Sexszenen sind für europäische Begriffe nicht revolutionär. Und dennoch hat das offensichtlich mit viel Sorgfalt und Liebe gestaltete Werk eine eigene Atmosphäre, die vor allem die opulenten Bilder und das dämmerige Licht befördern.
Kameramann Rodrigo Prieto arbeitete mit Ang Lee schon bei „Brokeback Mountain“ zusammen. Für „Gefahr und Begierde“ bekam er in Venedig den Osella-Preis für die Beste Kamera. Die Beleuchtung ist fast durchgehend gedimmt, erzeugt Schatten, die zum Beispiel in einer Restaurant-Szene mit Frau Mak und Herrn Yi Farben und Formen weich umspielen. Es ist auch dieses gedimmte Licht, das die Eleganz der jungen Frau Mak, etwa in ihrem nachtblauen Cheongsam-Kleid, strahlen lässt. Die Kamera pflegt zur Hauptdarstellerin, der chinesischen Newcomerin Tang Wei, ein sinnliches Verhältnis, in das auch der schattenhafte, wortkarge Herr Yi, gespielt von Tony Leung, einbezogen wird.
Für die Außenszenen im Shanghai der vierziger Jahre wurden ganze Straßenzüge nachgebaut. Das Café im Wiener Stil, aus dem Wang ihren konspirativen Anruf tätigt, gab es damals tatsächlich. Die Menschen trugen westliche Kleidung, sahen amerikanische Filme im Kino und hatten ihre Wohnungen mit Tapeten und Bücherwänden eingerichtet. Dass es einmal eine solche Epoche in Chinas Großstädten gab, mag überraschen, und der Film bezieht seine Attraktivität auch aus dem Schwärmen der jungen Wang für das Leben ihrer Hollywood-Heldinnen.
Das Komplott der Widerstandsgruppe wird zwar bis zum Filmende die Handlung begleiten, in den Vordergrund rückt aber schon bald die romantische Beziehung. Tony Leung versteht es hervorragend, die Gefährlichkeit seines lauernden, misstrauischen Charakters mit der Leidenschaft für die junge Frau Mak zu kombinieren. In einigen expliziten Sex-Szenen entwickelt sich zwischen den beiden ein Kampf widerstreitender Gefühle, Angst und Sehnsucht, Verwundbarkeit und Vertrauen – nicht immer frei von Gewalt.
Mit seiner Sorgfalt hinsichtlich Kulissen, Kostümierung und Nostalgie erinnert der Film in kurzen Momenten an klassische Leinwandepen wie „Vom Winde verweht“. Bis zum Schluss bleibt jedoch unklar, was Ang Lee bezweckte, denn weder die Tragödie noch die große Liebe noch die zeitgeschichtliche Thematik können ihre Anlagen entfalten. Es bleibt ein bisschen was von allem.
| FAZIT
Ang Lee spielt mit opulenten Bildern und sinnlicher Nostalgie in einem eher verhaltenen Film.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung