Michael Clayton (George Clooney), der Ausputzer: Formal zwar Anwalt, ist er vor allem für die kleinen Gefälligkeiten zuständig, für die Jobs, die eher unter der Hand erledigt werden. Als solcher ist er zwar ein wichtiges Mitglied seiner großen Kanzlei, wird aber kaum wahrgenommen. Privat hat er auch allerhand Probleme: sein Restaurant, das er mit seinem Bruder führte, ist Pleite, ein Kredithai sitzt ihm im Nacken. Nun muss er sich auch noch um seinen Freund, den erfahrenen Anwalt Arthur (Tim Wilkinson) kümmern, der durchgedreht ist – leider aber auch den größten Mandanten der Firma, einen Chemiekonzern, in einen schmutzigen Verfahren vertritt. Arthur wird als Angestellter zur Belastung und für seinen Mandanten zur Gefahr. Dessen Syndikus, die gar nicht so taffe Karen (Tilda Swinton) versucht auf ihre Weise, die Krise zu bewältigen.
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| FILMKRITIK
Eigentlich ist jedes Wort über den Inhalt zuviel. Nicht weil es wirklich große Wendungen gibt (von einem harschen Zeitsprung ziemlich am Anfang abgesehen). Sondern weil Tony Gilroy eine eigentlich konventionelle Geschichte neu und originell, ruhig und eindringlich erzählt.
Gilroy, bislang als Drehbuchautor (u.a. für die „Bourne“-Filme) hervorgetreten, inszeniert hier zum ersten Mal (freilich nach eigenem Skript), und dass ein Seiteneinsteiger gleich solch einen Film zustande bringt, ist schon eine Glanzleistung für sich. Man kann an den Meisterautoren Paul Haggis und sein Regiedebüt „L.A. Crash“ denken. Doch irgendwie ist „Michael Clayton“ noch besser.
Ganz neue, ganz lebendige Situationen und Momente (er)findet Gilroy für seine Figuren, die nicht nur wunderbar ausgestaltet sind. Gilroy weiß seine Stars, George Clooney, Tom Wilkinson, Tilda Swinton, aber auch Sidney Pollack als Kanzleichef Marty mit leichter aber fester Hand zu führen und präzise in Szene zu setzen.
Es ist schon mutig, wie beiläufig darüber die eigentliche Thrillerhandlung abgehakt wird. Eine der beängstigendsten weil lakonischsten Mordszenen ist zu sehen – und doch kommt der Film ohne viel Gute und Böse aus. Dabei gerät besonders Tilda Swinton grandios, die als eigentlich unsichere Vertreterin den typischen Part des Schurken und Gegenspielers einnimmt. Doch wenn wir sie das erste Mal sehen, sitzt sie aufgelöst auf einer Bürotoilette, mit Schweißblecken unter den Achseln, die sie, auf perfekte Außendarstellung von Berufs wegen bedacht, fatalistisch inspiziert. Wenn sie ihrem Mann fürs Grobe den Auftrag zum Mord andient, ohne deutlich zu werden, da reden beide drum herum, ist beiden unwohl: jeder will es genau wissen und doch wieder nicht, beide schämen sich dessen, was zu tun ist. Ein surrealer und zugleich so wahrhaftiger Augenblick.
Solche Momente interessieren Gilroy, kleine Nuancen, Zwischentöne und intensive Stimmungen: George Clooney, der, bevor bzw. nachdem wir vier Tage lang in seinem Elend als Versager auf allen Ebenen folgen bzw. gefolgt sind, hält an einem frühen Morgen seinen geleasten Mercedes irgendwo auf dem Land an, geht in einem offenbarten, lyrischen Augenblick von Ruhe, über eine Wiese zu im Morgendunst stehenden Pferden. Was ihm das, so böse ist Gilroy schon, Leben rettet.
Zuletzt weiß man wirklich nicht, wie moralisch, wie lebensecht Clooneys Figur ist, traut ihr alles zu: reales Stillschweige, fast alltägliche Korruption. Soweit geht Gilroy nicht, auch wenn seine Produzenten, u.a. Clooney selbst und Steven Soderbergh dies sicher zugelassen hätten.
Aber auch so sehen wir am Schluss den stumpfen Helden Michael Clayton auf dem Rücksitz eines Taxis, wie er sich irgendwohin fahren lässt; der Abspann beginnt darüber zu laufen. Und noch immer schauen wir ihm zu, wie er da sitzt – gar nicht mal lange genug. Vielleicht eines der besten Filmenden überhaupt, wenn man sich darauf einlässt.
| FAZIT
Die eigentlich konventionelle Thriller-Story verarbeitet Drehbuchautor Tony Gilroy zu einem ruhigen, nuancen- und stimmungsreichen Drama voller origineller, gegen die Standards gebürstete Momente und intensiv gespielter und inszenierter Figuren.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung