Der junge republikanische Senator Jasper Irving lädt eine renommierte Journalistin zu einem Interview in sein Büro. Janine Roth bekommt eine Exklusivgeschichte angeboten. Amerika hat eine neue Offensive in Afghanistan gestartet: Kleine Einheiten von Elitesoldaten sollen strategische Stellungen in den Bergen besetzen und von dort aus Erstschläge gegen Talibangruppen ausführen. Die Journalistin ist dem amerikanischen Kriegsengagement gegenüber kritisch eingestellt und liefert sich ein hitziges Wortgefecht mit dem Falken Irving.
In der Zwischenzeit geht der erste Schritt der neuen Mission in Afghanistan schief: Nach feindlichem Beschuss fallen zwei amerikanische Soldaten aus dem Hubschrauber und liegen verletzt im verschneiten Gelände. Eine Rettungsaktion kann die herannahenden Taliban nicht stoppen. Der afroamerikanische Soldat Arian und sein bester Freund, der Latino Ernest, befinden sich in auswegloser Lage.
An einer Universität in Kalifornien bittet der Geschichtsprofessor Dr. Malley einen begabten, aber desinteressierten Studenten in seine Sprechstunde. Er erzählt dem jungen Todd aus privilegierten Verhältnissen von seinen früheren Studenten Arian und Ernest, die sich aus ihren Ghettos mit harter Arbeit befreien konnten. Sie hatten sich zu seinem Entsetzen freiwillig in den Krieg gemeldet, um sich für Amerika zu engagieren. Malley konfrontiert Todd damit, dass er nicht bereit ist, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten.
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| FILMKRITIK
Tom Cruise, Meryl Streep und Robert Redford in einem Film, in dem es um den amerikanischen Krieg gegen den Terrorismus geht: Das klingt nach kritischer Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen US-Außenpolitik, und das klingt nach spannender Unterhaltung. Beide Erwartungen erfüllt „Von Löwen und Lämmern“ zur vollsten Zufriedenheit. Um mit dem Handwerklichen zu beginnen: Robert Redford als Regisseur schneidet die drei parallelen Handlungsstränge in Washington, Kalifornien und Afghanistan in kurzen Szenen so aneinander, dass ihre thematische Verbindung bildhaft aufgezeigt wird und sich die Spannung von einem Schauplatz zum nächsten steigert.
„Von Löwen und Lämmern“ ist kein Kriegsfilm, sondern ein Politdrama, in das Robert Redford, der sich als liberaler Amerikaner für den unabhängigen Film und für die Umwelt engagiert, eine Botschaft verpackt. Die amerikanische Jugend hat sich resigniert von der Politik abgewandt und lebt nur zum eigenen Vergnügen, während an der Front gleichaltrige Männer ihr Leben lassen. Wenn es dabei wirklich um die Verteidigung der amerikanischen Demokratie geht, so die Botschaft, muss diese zuallererst daheim von der jungen Generation getragen werden.
Und das heißt in diesem Film, sich der Grundlagen dieser Demokratie zu besinnen: Pressefreiheit als das Recht, sich auch am Kriegsschauplatz ungehindert zu informieren und der Politik auf die Finger zu schauen, sowie die Erinnerung an die sechziger und siebziger Jahre, als die Gesellschaft im Protest gegen den Vietnamkrieg ihre Werte erneuerte. Nicht umsonst sagt die Journalistin Janine Roth, die ihre Karriere während des Vietnamkriegs begann, zum Senator, sie verstehe nicht, wie er die Vergangenheit ausblenden könne.
Meryl Streep spielt die Journalistin als scharfzüngige, intelligente Gesprächspartnerin von Irving. Janine Roth ist besorgt, sie ist vom Irakkrieg desillusioniert, und von dem an Werbeeinnahmen orientierten Journalismus ebenfalls. Sie fährt nach der hitzigen Debatte vorbei am Weißen Haus, vorbei an einem endlosen Soldatenfriedhof in unmittelbarer Nähe – und man bekommt drastisch vor Augen geführt, dass dies die Hauptstadt eines Landes ist, das meistens irgendwo auf der Welt einen Krieg führt.
Tom Cruise gibt eine brillante, charismatische Darstellung des ehrgeizigen politischen Überfliegers. Im Grunde verblüfft Irving die Journalistin damit, dass er eine neue Achse des Bösen ausgemacht hat zwischen Irak, Afghanistan und Iran, die Amerika zum Erstschlag in den afghanischen Bergen gegen versprengte Talibangruppen zwingt. Doch Cruise versteht es, als Politiker dermaßen zu überzeugen, dass ihm hier vielleicht eine neue Karriere bevorsteht, sollte er mal von Hollywood genug haben.
Spannend, hier einmal vorgeführt zu bekommen, wie Amerika über den Krieg gegen den Terror diskutiert. Wie leichtfertig geht die Politik mit dem Leben amerikanischer Soldaten um? Wieso verteidigt das Land Demokratie und Meinungsfreiheit in abgelegenen Gebieten mit der Waffe, wenn sich zu Hause kaum noch jemand dafür stark macht? Diejenigen, die sich freiwillig in den Krieg melden, sind oft, wie der Professor sagt, Unterprivilegierte. Leute, die schon in der eigenen Gesellschaft für ihren amerikanischen Traum kämpfen müssen.
| FAZIT
Spannendes, anregendes Politdrama über amerikanische Werte und den Krieg gegen den Terrorismus, mit dem überragenden Trio Meryl Streep, Robert Redford und Tom Cruise.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung