Sara ist glücklich verheiratet – zum vierten Mal, diesmal mit Jan. Und sie wünscht sich von diesem neuesten Ehemann ebenso wie von all den anderen dringend ein gemeinsames Kind. Zu Weihnachten überrascht sie Jan: einmal, indem sie all ihre Ex-Männer inklusive deren neuen Familien einlädt – zum anderen, indem sie ihm freudig verkündet, dass sie endlich, endlich schwanger ist. Problem: Jan hat sich heimlich sterilisieren lassen und kann gar nicht der Vater sein! Misstrauisch sucht er unter Saras Ex-Männern nach dem, der sie nach der Scheidung nochmal durchgezogen hat… während sich die ganze Patchwork-Familie untereinander kabbelt.
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| FILMKRITIK
In ihrer ersten Komödie setzt Vanessa Jopp („Vergiss Amerika“, „Komm näher“) auf altbewährte Zutaten: Missverständnisse, Slapstick, Schlüpfrigkeiten, und all das an Weihnachten. Da treffen sich alle, die irgendwie mit Sara zusammen waren, ihre aktuelle Familie, die Ex-Männer mit ihren jeweiligen neuen Frauen und Kindern, eine Nachbarin, die damit gar nix zu tun hat… Und vor allem Saras Mann Jan ist deshalb total angepisst, zum Argwohn gegen die Ex-Männer kommt noch die misstrauische Eifersucht, als Sara ihr Weihnachtsgeschenk enthüllt: erneute Schwangerschaft, diesmal angeblich von Jan – der aber hat sich schon vor langer Zeit heimlich sterilisieren lassen…
Da geht’s also drunter und drüber, Sticheleien und Streit und Turbulenz, und all das im weihnachtlichen Wohnzimmer. Das ist ein Spaß, die Dramaturgie steigert sich langsam und unaufhaltsam, einige Gags zünden auch – werden allerdings leider überdeckt von all den Plattheiten, die der Film ebenfalls bietet. Da sind Klischeefiguren versammelt: Der Soziologe, der in Fremdwörtern redet, die Heulsuse, die intrigante Zicke: typische Rollen ohne Tiefe, die nur recht funktional die Handlung in Gang halten. Zwischendurch stolpert der betrunkene Weihnachtsmann durch die Szene auf der Suche nach einem phallischen Kaktus, und damit auch wirklich jeder mit jedem wirklich alles gemacht hat, gibt’s auch noch ’ne lesbische Anmache und das obligatorische schwule Coming Out.
Zoten und oberflächliche Komik erdrücken die Ansätze, die aus dem Film mehr hätten machen können – dabei wollte Jopp mit diesem Remake eines schwedischen Films so gerne eine intelligente Komödie mit Tiefgang machen. Sie sagt, hinter der „lustigen und auch sehr bösen Geschichte des Films“ liege ein „echtes Drama und auch ganz viel Gefühl“, denn „was die beiden Hauptfiguren durchmachen, tut richtig weh“. Tatsache ist: Man kann nicht mitfühlen. Man kann sich nicht identifizieren. Man kann lachen, aber der Reiz des Filmes reicht nicht vom Zwerchfell ins Herz oder gar ins Hirn.
Neben diesem Missverhältnis zwischen Anspruch der Regisseurin und Wirklichkeit auf der Leinwand hätte man sich auch einen spitzen und treffenden Beitrag zur aktuellen familienpolitischen Debatte erhoffen können, zu einer ohnehin schon lächerlich polarisierten Diskussion um Familie und Werte zwischen Von der Leyen und Eva Herman. Nur deshalb, so scheint es, wurde Alexandra Neldels Rolle in den Film reingeschrieben mit ihrer ganz antifamiliaristischem Position, als Widerpart zu Saras Mutterglück, die jede neue Liebe mit einem neuen Kind besiegeln will, die schon schwanger wird, wenn sie nur an Sex denkt (wie es mal im Film heißt), für die sich die frauliche Erfüllung in möglichst zahlreichem Nachwuchs ausdrückt. Eine witzige Aufmischung also in einem Streit um Gebärmaschinen und Herdprämie, um geburtsunwillige Frauen und Vernachlässigung von Kindern – entweder, weil die Mutter zu viele von zu vielen Männern hat, denen sie allen gar nicht gerecht werden kann, oder, weil sie aus Gründen des Berufs oder der Selbstfindung keine Zeit für die Kleinen hat --- das hätte man sich von Vanessa Jopp wünschen können. Doch der Film bezieht keine Position, neigt weder zur einen noch zur anderen Position, weder ironisch-satirisch noch geradlinig-ernsthaft. Und so vertut sie die Chance einer intelligenten Komödie – weder emotional noch satirisch kann Jopp ihrem Anspruch gerecht werden.
Stattdessen also eine Mainstream-Weihnachtskomödie, die sich nur durch ihre Schlüpfrigkeiten und das häufige F-Wort von Disney unterscheidet: ein lustiges Feelgood-Movie zur Adventszeit, nicht gerade besinnlich, dafür mit viel verrücktem Trubel und harmonischem Happy End.
| FAZIT
Eine lustige Weihnachtskomödie – die aber ganz an der Oberfläche von Zoten und Slapstick bleibt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung