Laura zieht mit Ehemann Carlos und Sohn Simon in das ehemalige Waisenhaus, in dem sie in ihrer frühen Kindheit aufgewachsen ist, bevor sie adoptiert wurde. Schöne Erinnerungen an schöne Kinderspiele werden wach – und auch Simon beginnt, sich Dinge auszudenken, redet mit imaginären Freunden, denkt sich unheimliche Spiele aus.
Je hartnäckiger er in seiner Vorstellungswelt lebt, desto stärker wird Laura beunruhigt – und dann, eines Tages, verschwindet Simon. Monatelang bleibt die Suche erfolglos, die Eltern verzweifeln, und Laura beginnt, Simons Geschichten ernst zu nehmen: waren die Freunde gar nicht so imaginär, wie sie gedacht hat? Allmählich kommt sie dem schrecklichen Geheimnis des Hauses auf die Spur. Und die Seelen ihrer alten Spielkameraden von vor 30 Jahren scheinen noch immer in dem Gemäuer zu spuken.
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| FILMKRITIK
Der Markt wird geflutet von US-Remakes erfolgreicher 70er Jahre-Horrorfilme, die „das Genre revolutioniert haben“ mittels extremer Darstellung extremer Gewalt. Die Remakes – wie die Originale – überbieten sich in Drastik. In möglichst blutigen Details soll der vielleicht schon abgestumpfte Horrorfan immer neu stimuliert werden. Und wird überschüttet von immer gleichen Brutalitäten.
Dass es auch anders geht, zeigen die Spanier, die immer wieder auch auf deutschen Leinwänden herumgeistern. „The Others“ war zwar Tom-Cruise-produziert und starbesetzt, immerhin aber doch ein Beispiel für atmosphärischen Grusel. Guillermo del Toro mischte in „Pans Labyrinth“ Politik mit Horror und Kinderfantasie und schrammte nur knapp am Oscar vorbei. Del Toro nun produzierte den Debütfilm „Das Waisenhaus“ mit, der von der spanischen Filmindustrie als Aspirant auf eine Oscarnominierung ausgewählt wurde – und Regisseur Juan Antonio Bayona macht in seinem Debütfilm nicht nur alles richtig, sondern alles besser als richtig.
Geschickt orchestriert er seinen Film: ein altes, vielleicht böses Haus, ein Kind mit imaginären Freunden, die vielleicht gar nicht so imaginär sind, die Trauer einer Frau, die an mehr glaubt als das wissenschaftlich Erwiesene, die Sünden der Vergangenheit, die in die Gegenwart hineingreifen. Und dabei die ständige Todesnähe, hier in Form einer HIV-Erkrankung des Kindes Simon.
Dass sich daraus eine Stimmung der Unheimlichkeit, der Bedrohung ergibt, dass eine Atmosphäre des Grauens geschaffen wird, ohne sie dem Zuschauer fühlbar aufzuoktroyieren: Das ist die Kunst des Horrorfilms, der auch ganz ohne Digitaleffekte auskommen kann. Es geht um Identifikation, um Bedrohlichkeit, um Angst um die Protagonisten. Und dabei lässt Bayona geschickt immer alles in der Schwebe, lässt immer einen möglichen Ausweg aus der Unheimlichkeit von Geistern und über die Zeiten hinweg greifendes Bösen: Vielleicht ist ja alles wirklich nur die Imagination einer Trauernden, deren Sohn mysteriös verschwunden ist?
Was der Film aber wirklich heraushebt, das sind zwei Kniffs, der eine ästhetischer, der andere dramaturgischer Art. Tatsächlich nämlich ist die Inszenierung von Gruselhorror so gekonnt, dass die Unheimlichkeit, die spürbare Bedrohlichkeit auch bestehen bleiben, wenn man versteht, dass in Wirklichkeit gar keine (oder eine eher marginale) Bedrohung da ist, sondern nur eine unendliche Traurigkeit: Es geht eher um das Geheimnis, ein grauenvolles Geheimnis dieses Waisenhauses, das nicht nur Angst macht, sondern auch tiefe, emotionale Betroffenheit erzeugt. Zudem bauen drei, vier kurze Flashbacks am Ende eine ganz neue Perspektive auf, eine Parallelgeschichte, die noch viel schrecklicher – weil menschlicher – ist als die (mögliche) Geistergeschichte. Eine menschliche Tragödie, erzählt über Bande, über die Geistergeschichte trauriger Kinder. Die eigentlich nur spielen wollen.
| FAZIT
Ein ganz unheimlicher Grusel, der auf Atmosphäre setzt, nicht auf Effekte. Reiner, purer Gänsehauthorror.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung