Elisabeth hat Liebeskummer, und sie klagt dem Café-Besitzer Jeremy ihr Leid, Nacht für Nacht bei Blaubeerkuchen. Dann, eines Tages, verschwindet sie, macht sich auf eine Reise durch die USA. Unterwegs arbeitet sie als Bedienung in Restaurants, Bars, Casinos und begegnet ihrerseits Menschen, die ihre ganz eigenen traurigen Geschichten haben. Da ist Arnie, dem die Frau weggelaufen ist und der seinen Kummer in Alkohol ertränkt. Da ist Sue Lynne, die nach dem Selbstmord ihres Mannes in Trauer versinkt, obwohl sie ihn nie hat ertragen können. Und da ist Leslie, eine Spielerin mit tiefen inneren Wunden.
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| FILMKRITIK
Die Kamera in einem Wong Kar-Wai-Film spielt mit Unschärfen, die sich in Lichter und Farben und Formen auflösen, sie kreiert Bilder, die beinahe abstrakt sind, die schön sind und zugleich zerbrechlich wirken. Dünne Folien, auf deren Hintergrund die melancholischen Liebesgeschichten stattfinden. Ihre Fragilität entspricht der Zartheit der Beziehungen, um die die Filme drehen, die sich ganz leicht ergeben und doch so schwer sind.
Der Blaubeerkuchen, das ist das, was abends immer übrig bleibt, was von den Kunden in Jeremys Café nie bestellt wird – Jeremy kennt seine Gäste weniger als Personen denn darüber, was sie gegessen haben, und von jedem Schlüssel, der bei ihm abgegeben wurde, kann er eine traurige Geschichte erzählen. Elisabeth klagt ihm ihr Leid – und reist dann durch die USA, wo sie als Bedienung in Restaurants und Bars Jeremys Position einnimmt. Sie empfängt die Lebensgeschichten ihrer Kunden, erfährt von ihren Schicksalen – die wiederum ihr Denken, ihr Schicksal beeinflussen. Sanfte Berührungspunkte bauen sich auf, kleine Annäherungen – Distanz und Nähe, den physischen Raum und den Bereich des Zwischenmenschlichen lotet Wong Kar-Wai aus, alles unter einem Schleier des Irrealen und zugleich mit großer emotionaler Intensität. Jeder ist für den anderen ein Traum.
Der Liebeskummer, den Arnie im Alkohol ertränkt, die Trauer von Sue Lynne: traurige Geschichten verflicht Wong Kar-Wai mit der Rahmenerzählung um Elisabeth und Jeremy. Elisabeth schreibt ihm Postkarten, eine Einbahnkommunikation, die der sehnsuchtsvolle Jeremy nicht durchbrechen kann. Eine Kommunikation, bei der eine direkte Antwort unmöglich ist, die doch Nähe und Kontakt und Vertrautheit zwischen ihnen schafft.
Besonders Natalie Portmans Charakter der Leslie fasziniert: Eine Spielerin, cool und selbstsicher und frech, deren wahren Seelenzustand der Film ganz langsam, subtil enthüllt: Das Bild einer Frau, die von Misstrauen zerfressen ist, deren (eingebildete?) Menschenkenntnis sie einsam macht. Denn jeden zu durchschauen heißt, das Geheimnis des Gegenübers zu kennen – und damit das Interesse an ihm zu verlieren.
Kann es wirkliche, innige Beziehungen geben, ein echtes Verschmelzen zweier Seelen? Oder lässt die Zeit Gefühle verblassen, lässt das Schicksal sie gar nicht entstehen? In all dem Blues, von dem Wong Kar-Wai erzählt, gibt es Momente reiner Innigkeit, ja, vielleicht ist der Blues die Innigkeit selbst – und wenn seine Figuren immer zart umeinander kreisen, so gibt es doch auch einen Kuss – und das Verschmelzen von Vanilleeis und einem Blaubeerkuchen.
| FAZIT
Eine sanfte, melancholische Liebesgeschichte, visuell faszinierend und emotional berührend.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung