Lars Lindstrom lebt zurückgezogen in der Garage neben seinem Elternhaus. Der 27-Jährige hat noch nie eine Freundin gehabt, und selbst die Einladungen zum Essen ins Elternhaus, in dem jetzt sein Bruder Gus und dessen Frau Karin wohnen, schlägt Lars am liebsten aus. Zwar besucht er am Sonntag die Kirche und hat auch einen Bürojob. Aber wenn ihn die hübsche Kollegin Margo anspricht, läuft der schüchterne Lars einfach davon.
Die Dinge ändern sich schlagartig, als Lars seinem Bruder und seiner Schwägerin seine neue Freundin Bianca aus Brasilien vorstellt. Gus und die schwangere Karin trauen ihren Augen nicht – Bianca ist eine lebensgroße Sexpuppe aus Silikon. Doch Lars spricht mit Bianca und bringt sie im Zimmer seiner verstorbenen Mutter unter. Karin und Gus fahren Lars und seine Freundin, unter dem Vorwand, sie brauche eine Untersuchung, zur Ärztin Dr. Berman. Die entscheidet, dass alle so tun sollten, als sei Bianca wirklich ein Mensch.
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| FILMKRITIK
„Lars and the Real Girl“ ist eine dieser Geschichten, für die das Kino erfunden wurde. Die einem die Magie des Träumens mit offenem Mund ermöglichen, das Mitfiebern und Staunen in einer absolut irrealen Geschichte – ohne dass man sich auch nur einen Moment lang für dumm verkauft fühlt. Regisseur Craig Gillespie ist vor allem als Werbefilmer bekannt, und Produzent John Cameron hatte noch nie etwas von Nancy Oliver gehört, als er ihr Debüt-Manuskript auf den Tisch bekam. Aber Cameron fing sofort Feuer, und das will etwas heißen, denn er ist als Koproduzent vieler Filme der Coen-Brüder nicht unerfahren.
Lars, die Inkarnation der Einsamkeit in den schneereichen nördlichen Gebieten des Mittleren Westens, trägt einen zu kleinen Anorak. Sein Bruder und seine Schwägerin haben allen Grund, sich um den jungen Mann Sorgen zu machen. Es wird schnell deutlich, dass hier etwas geschehen muss – als Karin Lars vor dem Haus abpassen und ihn zu Boden werfen muss, bevor er sein Kommen zum Abendessen zusagt. Sein Bruder Gus unterhält sich zwar nett mit Lars, klaubt dabei aber angestrengt Krümel vom Tisch.
Sechs Wochen später ist diese Welt eine andere: Gus sitzt beim Frühstück mit der Hand vor dem Gesicht, ihm gegenüber ein vergnügter Lars mit seiner Freundin Bianca. Die schwarzhaarige Schöne sagt kein Wort – und Lars bedient sich manchmal von ihrem Teller. Bianca, die laut Lars eine tief religiöse Missionarin und Krankenschwester ist, die gerade die Welt bereist, sieht für Gus und Karin fatal nach einer leblosen Sexpuppe aus.
Auf einmal bevölkert sich die winterliche Einsamkeit des kleinen Ortes: Es tauchen Arbeitskollegen, Mitglieder der Kirchengemeinde, eine psychologisch geschulte Ärztin auf, die ein wundersames Ensemble bilden, verbunden in dem Projekt, Bianca willkommen zu heißen. Man sieht die stumme Schönheit im Rollstuhl bald in der Kirche sitzen, in einer Kindertagesstätte aus einem Audiobuch vorlesen, und eine Nachbarin holt sie ab zur Sitzung des Schulbeirats.
Lars, gespielt von Ryan Gosling, ist der verschlossene, aber nach Ankunft seiner Bianca auch meistens verschmitzt lächelnde Provokateur. Karin, gespielt von Emily Mortimer, ist die mütterliche, mitfühlende Verbündete. Gus, dargestellt von Paul Schneider, zeigt einem insgeheim stets den Vogel. Patricia Clarkson als Dr. Berman ist eine ernsthafte Therapeutin, die ihre schützende Hand über dem wackeligen Unternehmen hält. Und die wunderbare Margo, gespielt von Kelli Garner, die sich in Lars verguckt hat, ist in ihrer kindlichen Euphorie fast noch extremer als die Hauptfigur.
Da der Film auf mehreren Ebenen spielt, kann man sich zum Beispiel vom Symbolgehalt der Farbe Rosa leiten lassen. Oder von der Balance zwischen der aberwitzigen Bianca-Integration und der langsam-nüchternen Begleitung der Figuren, die in fast jeder Szene mit sich ringen. Es gibt diese ausgetüftelte Sorgfalt, die nahezu unbemerkt die Spannung im Fluss hält. Die hochschwangere Karin und Gus machen mit Lars und seiner Puppe einen Spaziergang zum See. Gus schaut in den Himmel und sagt, es sieht nach Sturm aus. Karin will sich trotzdem die Beine vertreten. Und als der Wind beginnt, mit Biancas Haaren zu spielen, glaubt man schon, hier bahnt sich ein Geburtsdrama in der Wildnis an – und ist überrascht, dass es anders kommt.
| FAZIT
Ein starkes Stück Kino über eine Gemeinde, die lernt, mit einer Silikonpuppe zu sprechen und über die Komik als Schwester der Hoffnung.
| BEWERTUNG
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