Die 25-jährige Gabrielle arbeitet beim Fernsehen, wo sie das Wetter ansagt und mit ihren erotischen Reizen Aufsehen erregt. Auch der Schriftsteller Charles, der ein Interview zu seinem neuen Buch gibt, wird auf die junge Frau aufmerksam. Gabrielle wirft sich dem verheirateten Mann buchstäblich an den Hals und lässt sich auf eine Affäre ein, die für sie mehr ist.
Dass ihr der junge, schwerreiche Erbe Paul aus einer Industriellenfamilie auch den Hof macht, beeindruckt Gabrielle zunächst weniger. Doch dann lässt Charles seine junge Geliebte im Stich, und Paul bekommt die Chance, sie zu trösten. Schließlich heiratet sie den jungen Industriellensohn, der aber seine Eifersucht auf Charles nicht in den Griff kriegt.
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| FILMKRITIK
„Die zweigeteilte Frau“ von Claude Chabrol spielt auch in dem Milieu der Obsessionen und des gesellschaftlichen Schwindels mit dem schönen, aber gefährlichen Schein, das man von Chabrol einfach erwartet. Der Film entfaltet seine Stringenz und Abgründigkeit aber erst nach und nach, während vieler Szenen, die durchaus wehmütig an Woody Allens „Match Point“ denken lassen und daran, dass Allen sein Drama doch etwas tiefer, leidenschaftlicher, liebevoller durchkomponiert hatte.
Chabrols Gesellschaftskrimi hingegen irritiert durch eigenwillige, manchmal holprige Behauptungen, was die Handlung und die Figurenentwicklung betrifft. Vielleicht liegen die Probleme, die Chabrol, der auch Co-Autor des Drehbuchs ist, mit der Geschichte hatte, schon darin, dass sie auf einem wahren Fall aus New York im Jahr 1906 basiert, die schon als Vorlage für Bücher und Filme wie zum Beispiel „Ragtime“ diente. Chabrol meinte, die Geschichte komplett in eine andere Zeit, in ein anderes Milieu transportieren zu können, um das Ewiggültige des Selbstbetrugs, sozusagen das Schizophrene, Zweigeteilte, in den Dekadenten demonstrieren zu können.
Das hat zur Folge, dass Chabrol diesmal nicht genuin französische bourgeoise Kreise ausforscht. An vielen Stellen vermisst man sein Talent dazu, wenn er zum Beispiel hinter die Kulissen des Fernsehens schaut, wo Gabrielle ein Schnäppchen für ältere Herren zu werden droht. Oder wenn er dem vom Leben gelangweilten Schriftsteller Charles in dessen Prachtvilla folgt. Oder einen dieser Abende bei Pauls superreicher, super degenerierter Familie besucht – alles interessante Szenarien, die allzu schnell wieder verlassen werden.
Ludivine Sagnier, Francois Berléand und Benoit Magimel spielen als Gabrielle, Charles und Paul schillernde Charaktere, wobei vor allem Gabrielle in ihrer Mischung aus lieblicher Unschuld und erwachsener Wandlungsfähigkeit fasziniert. Paul, der Sportwagen fahrende, Zigarillo rauchende Dandy mit den schlechten Manieren wirkt, als hätte er Freude an der Karikatur eines Dandys. Schade, dass das wirklich abgründige Geheimnis hinter seiner Eifersucht weniger durch sein Spiel preisgegeben wird – sondern durch eine andere Figur, die über ihn spricht.
Mindestens zwei der Nebenfiguren irritieren durch ihre Deplatziertheit: Gabrielles Mutter ist der Inbegriff einer positiven Frau mit reinem Herzen – wie seltsam, dass ihr bei den Eskapaden ihrer Tochter nicht die Alarmlämpchen aufleuchten. Und was hat Charles’ Verlegerin, eine Art küssender Hausfreundin neben der Gattin, in der Geschichte verloren?
Chabrol warnt vor der Welt des schönen Scheins, in der gutgläubige, zu Gefühlen noch fähige Mädchen auf solche Blender wie Charles hereinfallen, die nehmen, ohne zu schätzen. Deshalb hat der sexuell getönte Film etwas zutiefst Puritanisches, sozusagen die Angst des kleinen, rechtschaffenen Bürgertums vor dem Laster und der Verschwendung. Hat Chabrol am Ende sogar Recht, wenn er meint, dass die Gesellschaft vor der Frage steht, in welche dieser Richtungen sie sich entwickelt? Was am Ende mehr interessiert, weil es so was wie Wärme für eine der Figuren erzeugt, ist das Drama in Pauls Familie. Aber hier führt einen Chabrol auf eine Besichtigungstour, bei der man vom Zentrum im Vorbeihasten nur einen Blick erhascht.
| FAZIT
Chabrol führt eine junge Frau in eine Welt der dekadenten Männer und der vorgetäuschten Gefühle – und bleibt einige Antworten schuldig.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung