Zwei Töchter wachen am Sterbebett ihrer Mutter. Die alte Frau erinnert sich an ihre große Liebe Harris, einen Mann, von dem die Töchter noch nie gehört haben. In ihren Träumen kehrt die Mutter noch einmal an den Ort eines schicksalsreichen Wochenendes vor 50 Jahren zurück. Es war die Hochzeit ihrer besten Freundin in ihrem Elternhaus am Meer.
Ann Grant war zur Hochzeit von Lila Wittenborn als Brautjungfer geladen und lernte eine faszinierende Welt des Reichtums, aber auch unglücklicher Menschen kennen: Die Braut liebte einen anderen als den Bräutigam, ihr Bruder Buddy ertränkte seinen Seelenschmerz in Alkohol.
Ann verliebte sich in Harris, den attraktiven und tüchtigen Sohn des Hausverwalters. Dieses unvergesslich schöne Wochenende wurde aber auch von einem Unglück überschattet, für das sich Ann noch 50 Jahre später mitverantwortlich fühlt. Hätte sie im Leben andere Entscheidungen treffen müssen? Vor dieser Frage steht auch ihre jüngere Tochter Nina gerade.
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| FILMKRITIK
„Spuren eines Lebens“ ist der Versuch einer alten Frau, sich mit ihrem Leben zu versöhnen, mit den Widersprüchen, Fehlern und den tragischen Verstrickungen darin. Szenen am Krankenbett der weißhaarigen Ann wechseln sich ab mit kurzen Ausflügen in ihre Fantasiewelt und wieder mit den Rückblicken auf das rauschende Hochzeitsfest ihrer Freundin vor 50 Jahren. Regisseur Lajos Koltai hat mit Vanessa Redgrave, Meryl Streep und Glenn Close ein prominent besetztes, vor allem vom altmodischen Glanz vergangener Tage zehrendes Melodram geschaffen.
In der auf Susan Minots Roman „Evening“ basierenden Verfilmung spielt Vanessa Redgrave die weißhaarige Sterbende, die zwischen wachen, lichten Momenten und dem Eintauchen in eine ferne Vergangenheit hin- und herpendelt. In fiebriger Unruhe ist sie getrieben von Sehnsucht und Schuldgefühlen in Verbindung mit dem damaligen Hochzeitsfest. Ihre Krankenschwester und der Besuch ihrer Freundin Lila in Gestalt von Meryl Streep trösten sie.
Für ihre beiden Töchter, gespielt von Redgraves eigener Tochter Natasha Richardson, und von Toni Collette, sind die Satzfetzen und dramatischen Träume ihrer Mutter voller Rätsel. Während die ältere Tochter zufrieden mit ihrer Familie lebt, ist die jüngere voller Angst, sich an ihren Freund zu binden und ihre Schwangerschaft zu akzeptieren. Sie glaubt, dass ihre Mutter unglücklich war mit den Töchtern.
Koltai hat eine lange Erfahrung als Kameramann, und so überrascht es kaum, dass sein Ausflug ins Newport der fünfziger Jahre zum fast überirdischen Rausch der Farben wird. Das Gras ist sattgrün, der Ozean tintenblau, das weiße Sommerhaus der Wittenborns wirkt wie die ideale Kulisse zum Eintritt ins Paradies. Hier wohnen die Reichen und Glücklichen, die mit ihren funkelnden Oldtimern vorfahren. Lilas Mutter, gespielt von Glenn Close, verkörpert die elegante Dame, die im Regelwerk der Upper Class fast erstarrt.
Die junge Ann aus New York, gespielt von Claire Danes, ist eigentlich zu emanzipiert für diese Umgebung, die sie dennoch fasziniert. Sie verliebt sich in den jungen Arzt Harris. Der Sohn des Hausverwalters ist eigentlich die große Liebe von Lila, und obwohl er nicht in diese Kreise passt, ist er lebenstüchtiger als sein Freund Buddy, der Sohn des Hauses. Dieser melancholische Träumer schwärmt von Ann, doch er schwärmt von der großen Liebe auch für andere, und betrinkt sich dauernd. Wie es zu diesem schicksalhaften Sehnsuchtsort aus rosiger Vergangenheit gehört, wird das Wochenende eines der großen Gefühle, und der Schauplatz eines Todes.
Die junge Lila wird übrigens reizend gespielt von Meryl Streeps Tochter Mamie Gummer. Koltai schafft es, den Glanz der 50er Jahre in opulenter Nostalgie einzufangen. Was er in seiner zweiten Regiearbeit nicht so gut hinkriegt, sind der große erzählerische Bogen und die Interaktion der Figuren. Vor allem im Haus der alten Ann müssen die Töchter etwas holzschnittartig durch ihre Rollen stolpern. Auch die Charaktere der jungen Leute aus Newport - von Lila über Buddy bis zu Harris – hätten eine ausgefeiltere Zeichnung vertragen. Und doch lebt der Zwitterfilm über die Bilanz am Ende eines Lebens und über eine lang zurückliegende Romanze allein vom Reiz der Newport-Bilder.
| FAZIT
Regisseur Lajos Koltai beschwört den Glanz des 50er-Jahre-Melodrams in seinem prominent besetzten Film der schönen Aufnahmen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung