Charlie Wilson ist Abgeordneter im texanischen Regierungsbezirk und nicht gerade ein Musterknabe. Er ist leidenschaftlicher Whiskeytrinker und umgibt sich beruflich wie privat gerne mit schönen Frauen und dubiosen Geschäftsleuten. Doch trotz aller Charakterschwächen ist Charlie äußerst beliebt. Er weiß, wie er sich Freunde macht und hat sich im Verlauf seiner Karriere zahlreiche offene Gefallen erarbeitet.
Eines Tages dann wird Charlie auf den Afghanistan-Konflikt aufmerksam. Im Fernsehen sieht er einen Bericht über die Mudschahedin, die sich schlecht bewaffnet gegen die ins Land einmarschierten Sowjets zur Wehr setzen. Mit zunehmendem Interesse verfolgt er die Entwicklungen in Afghanistan und besonders auch die verborgenen Aktivitäten der CIA in diesem Konflikt. Weil er als Kongressabgeordneter die Möglichkeit hat und ihm das politische System diesen Schritt erlaubt, verdoppelt er – nahezu unbemerkt – den US-Etat für die Unterstützung des afghanischen Widerstands von 5 auf 10 Millionen US-Dollar.
Sein Einsatz erregt die Aufmerksamkeit einer alten Freundin, der texanischen Millionärin Joanne Herring. Diese fordert ihn dazu auf, nach Pakistan zu reisen, und sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Und so macht sich Charlie auf den Weg zu einem Treffen mit dem pakistanischen Ministerpräsidenten. Der fühlt sich von den Amerikanern im Stich gelassen und macht Charlie deutlich, dass mit einem Etat von 10 Millionen Dollar kein Sieg im Kampf gegen die Sowjets möglich ist.
Doch erst als Charlie ein Flüchtlingslager an der pakistanisch-afghanischen Grenze besucht hat, fasst er den Entschluss, den Widerständlern zu helfen. Sein Plan sieht vor, ihnen Waffen zu liefern, mit denen sie die sowjetischen Helikopter abschießen können. Damit aus dem bisherigen Kalten Krieg aber keine heiße Auseinandersetzung zwischen den beiden Großmächten USA und UdSSR wird, muss die Einmischung unbemerkt geschehen. Und so beginnt Charlie mit Hilfe von CIA-Agent Gust Avrokotos und Joanne Herring den größten geheimen Krieg aller Zeiten vorzubereiten.
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| FILMKRITIK
Gleich vorneweg eine Anmerkung, die jeder Zuschauer beim Sehen von "Charlie Wilson's War" beherzigen sollte. Es ist ein US-amerikanischer Film. Warum das so wichtig ist? Wegen der Sicht auf die politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen in Afghanistan von denen hier die Rede ist. Denn diese Sicht auf die Dinge ist eine ganz explizit amerikanische, ein ganz anderes Licht werfen russische Ansichten auf die Geschehnisse der achtziger Jahre.
Von der Vorgeschichte des Konflikts erfährt man wenig. Und sind dem Zuschauer die Zusammenhänge unbekannt, wird hier durchaus der Anschein erweckt, die USA sei der Bevölkerung Afghanistans aus purem Humanismus und nicht etwa aus politischem Kalkül heraus beigesprungen. Dementsprechend wird die Unterstützung der afghanischen Widerstandsbewegung durch Waffenlieferungen durch die CIA nicht hinterfragt, sondern mit Bildern aus Flüchtlingslagern gerechtfertigt.
Vermutlich eine Tatsache ist, dass die Sowjets unter anderem aus ideologischen Gründen in das Land einmarschierten, um ein kommunistisches, moskautreues Staatssystem aufzubauen. Als Tatsache kann weiterhin gelten, dass die UdSSR mit äußerster Brutalität insbesondere gegen die Zivilbevölkerung vorging. Definitive Realität ist, dass weite Teile des Landes während des Krieges vollständig zerstört wurden, 1-1,5 Millionen Afghanen – zumeist Zivilisten – im Verlauf der Auseinandersetzung starben, mehr als 5 Millionen Flüchtlinge das Land verließen und mehr als 2 Millionen Menschen innerhalb Afghanistans vertrieben wurden. Demgegenüber starben auf sowjetischer Seite ca. 15.000 Soldaten, zehntausende wurden darüber hinaus verletzt.
Die USA dagegen – die genau genommen eigentlicher Gegner im Kampf gegen die sowjetische Armee gewesen war – hatte keine Toten zu beklagen. Denn die Verzweiflung über den Verlust des eigenen Landes genügte, um aus verbitterten Afghanen folgsame Kämpfer zu machen. Ein geschickter Schachzug, der die Sowjetunion schwächte und das Ende des Kalten Krieges einleitete. Auf der Strecke blieben die Marionetten der USA – die Afghanen. Denn – und dieser kritische Aspekt wird im Film erfreulicherweise hervorgehoben – nach Ende der Auseinandersetzung widmete die USA dem wirtschaftlich und gesellschaftlich zerrütteten Land keine weitere Aufmerksamkeit mehr. Wo zuvor 1 Milliarde US-Dollar vorhanden gewesen waren, um Mudschahedin mit Waffen zu versorgen und zu Kriegern auszubilden, stand plötzlich keine Million mehr zur Verfügung, um zerstörte Schulen wieder aufzubauen. Das Resultat hat bekanntlich Geschichte geschrieben.
Dass "Charlie Wilson's War" genau diesen Aspekt des Afghanistan-Konfliktes hervorhebt ist durchaus positiv zu bewerten und soll allem Anschein nach auch die eigentliche Moral des Films darstellen. Angesprochen wird hier also die "amerikanische Art", in einem Land einen "Feind" zu vertreiben und das Land nachdem dieses Ziel erreicht ist, sich selbst zu überlassen. Doch diese Lehre zieht der Film erst in den letzten Filmminuten, auch wenn diese wenigen Minuten zugegebenermaßen das scheinbare Gleichgewicht des gesamten Films ironisch verzerren. Davor findet sich allerdings auch kaum versteckter Patriotismus und eine äußerst fragwürdige Feindbildgestaltung.
Denn der Film maßt sich an, darüber zu entscheiden, wer ein Mensch ist und wer nicht. Dementsprechend dürfen die "Scheißkommunistenschweine" – wie sie hier bevorzugt genannt werden – auch im Takt beschwingter klassischer Musik sterben und das scheinbar ohne sichtbarer ironischer Brechung. Ähnliches hat man zwar auch in anderen Filmen bereits gesehen, der Unterschied liegt in diesem Fall jedoch darin, dass die Bilder abgeschossener Helikopter den Anschein erwecken sollen, es handele sich um authentisches Archivmaterial, was auch durchaus der Fall sein könnte.
Im Mittelpunkt des Films steht die Person Charlie Wilson, die es tatsächlich gab. Gespielt wird er von einem äußerst sympathischen Tom Hanks, dem man in dieser Rolle neben all seiner Charakterschwächen abnimmt, ein herzensguter und moralisch einwandfreier Held zu sein. Ihm zur Seite steht Julia Roberts als ebenso kluge und reiche wie schöne Frau, die seine Aktivitäten in die richtigen Bahnen lenkt. Die dritte wichtige Figur – die des Gust Avrokotos – wird von Philip Seymour Hoffman gespielt. Alle drei sorgen in ihrem Zusammenspiel für die unterhaltsamsten Momente des Films.
Geschliffene Dialoge, charmante Figuren und kreative Lösungsstrategien bezüglich geheimer Kriegsführung machen nicht nur deutlich, dass auch ernste Politik einen gewissen Unterhaltungswert besitzen kann – etwa wenn Israel und Pakistan gemeinsame Geschäfte machen – sondern zeigen auch dass hier ein Regisseur vom Kaliber eines Mike Nichols am Werke war. Und auch wenn einige Aspekte des Films zu hinterfragen wären, liefert er im Großen und Ganzen doch einen kritischen Blick auf US-amerikanische Außenpolitik und die politischen Verhältnisse eines Landes in dem es möglich ist, einen milliardenschweren geheimen Krieg zu führen, ohne dass die breite Öffentlichkeit davon erfährt.
| FAZIT
Der gleichermaßen ernste wie unterhaltsame neue Film von Mike Nichols wirft einen patriotischen und dennoch kritisch gebrochenen Blick auf den Afghanistankonflikt der achtziger Jahre und dessen folgenschweres Resultat.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung